Freitag, 24. Februar 2006

"Hoppa, Hopp(l)a, Reiter": Vizekanzler Gorbach gerät immer mehr unter Druck!

  • Die Hoppalas: Von Namensschildern bis Mautkarte
  • DURCHKLICKEN: Die Liste der skurrilen Aktionen!

Weil er dem Kanzler stets nachgibt, zuletzt beim Streit um den ORF, gerät der Vizekanzler im BZÖ immer mehr unter Druck. Die Liste der skurrilen Gorbach-Aktionen reicht von Namensschildern bis Gratis-Mautkarte. Die Folge: Absturz in der Wählergunst.

Der Kanzler war zunächst very amused. Vizekanzler Hubert Gorbach hatte, seinem Naturell entsprechend, wieder einmal nachgegeben: Ja, er werde natürlich Monika Lindner als neue (alte) ORF-Generaldirektorin unterstützen, versicherte er Wolfgang Schüssel. Und stellte noch schnell den Ex-FP-Generalsekretär und Karl-Heinz Grassers Trauzeugen Walter Meischberger als Regierungskandidaten für den ORF-Stiftungsrat auf. Da dürfte nun eigentlich bei der ORF-Wahl im Sommer dieses Jahres nichts mehr schief gehen, war man sich in der ÖVP sicher.

Ganz so billig hatte es wiederum der angeschlagene BZÖ-Chef Jörg Haider doch nicht geben wollen. Man dürfe, so ätzte er nach seiner Rückkehr aus Gaddafis Wüstenstaat Libyen, sich doch nicht jetzt schon alle Trümpfe aus der Hand schlagen lassen, ohne die Wahl Lindners möglichst teuer zu verkaufen. So hatte er auch seinen Bündnissprecher Uwe Scheuch losgeschickt, um Schüssel und Co zu irritieren und plötzlich den kaufmännischen Direktor des ORF, Alexander Wrabetz, als möglichen rot-orangen Kandidaten für den Chefsessel am Küniglberg zu lancieren.

Oranger Unmut
Gorbach ist mit seinem unabgesprochenen und übereilten Einlenken wieder einmal in der orangen Welt in Ungnade gefallen. Ein BZÖ-Kollege macht aus seinem Unmut kein Hehl: "Der Hubert hat uns schon völlig aufgegeben und denkt nur noch an die Zeit danach. Er will halt den Kanzler nicht verärgern."

Der freut sich zwar über die Leichtigkeit der Verhandlungen mit Gorbach, wundert sich aber laut einem ÖVP-Mann zunehmend über den "immer stärker abwesend wirkenden Vizekanzler, der kaum noch mit ernst zu nehmenden Vorschlägen auffällt". Dass Gorbach allerdings Haiders abstruse Ortstafel-Verrückungen auch noch verteidigt und den Verfassungsgerichtshof kritisiert, stößt dem Kanzler unangenehm auf.

So wie das eine oder andere Verhalten des Vizekanzlers in letzter Zeit nicht nur seine schwarzen Kollegen verärgert. Denn den Vizekanzler treibe, so bestätigen orange wie schwarze Kollegen, vor allem "der Drang zur Selbstdarstellung". Er gehe "mit Vorliebe zu gesellschaftlichen Ereignissen und tanzt dort mit Riesen-Entourage auf". Tatsächlich hat der Herr Verkehrsminister offensichtlich ein Faible für Bälle (von Jäger-bis Opernball) und Reisen. Eine Leidenschaft, die freilich auch Schüssel zu nutzen weiß: Wann immer "der Kanzler weder Lust noch Zeit für eine bestimmte Auslandsverpflichtung hat, schickt er seinen Vize. Der hat ohnehin immer Zeit und Lust."

Die Reisen des Hubert G.
So wurde eben Gorbach zu Begräbnissen von arabischen Potentaten nach Saudi-Arabien und Gaza geschickt, und natürlich begleitet er auch immer wieder Haider in arabische Länder. Für ein Foto ist dem Vizekanzler auch eine Transatlantikreise nicht zu lang: Wenn er für fünf Minuten von Kaliforniens Governor Arnold Schwarzenegger empfangen wird, nimmt er nolens volens den Zwölf-Stunden-Flug auf Steuerzahlerkosten in Kauf.

Mit Tempo 160: Hoppla, hier komm ich
Aber es wäre unfair, Gorbach vorzuwerfen, er sei nur im Ausland. Denn auch im Inland weiß sich der sonst nüchterne Alemanne immer wieder zu inszenieren. Wird in den eigenen Reihen gerade einmal wieder über seinen freiwilligen oder unfreiwilligen Abgang in die Privatwirtschaft diskutiert, attackiert er schnell einmal die "Privilegien in den ÖBB" und erklärt Verträge, die er selbst unterschrieben hat, schlicht für nichtig.

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24.2.2006 10:43