Ehemann mit Hammer getötet: 46-Jährige wegen Totschlags zu 8 Jahren Haft verurteilt
- Bluttat erfolgte nach jahrelangen Demütigungen
Eine 46-jährige Frau, die im vergangenen Sommer in Wien-Favoriten ihren Ehemann mit einem Hammer erschlagen hatte, ist im Straflandesgericht wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Die Geschworenen verwarfen die Mordanklage und billigten damit der Frau zu, nach jahrelangen Demütigungen sich in einer allgemein begreiflichen, heftigen Gemütsbewegung zu der Tat hinreißen haben zu lassen.
"Sie hat nicht anders können. Ihre Gefühle sind wie bei einem Vulkanausbruch in ihr explodiert", hatte Verteidigerin Margit Kaufmann erklärt. Die Mutter von vier inzwischen erwachsenen Kindern wäre von Anfang an von ihrem Ehemann schlecht behandelt worden.
Diesen hatte sie mit 15 in einem anatolischen Bergdorf geheiratet. "Wir haben uns nicht kennen gelernt. Unsere Ehe ist vermittelt worden", erklärte die Angeklagte dem Schwurgericht (Vorsitz: Martina Krainz). Mit 16 brachte sie Zwillinge zur Welt. Glücklich wurde sie nie. "Ich habe 30 Jahre eine schlechte Ehe gehabt", fasste sie ihr Leben zusammen.
Irgendwann ging ihr Ehemann nach Österreich, fand hier einen Job und genoss es, seine vielköpfige Familie weit weg zu wissen. Er schickte immer weniger Geld in die Türkei, so dass der Familienrat schließlich beschloss, ihm seine Kinder und seine Ehefrau nach Wien zu schicken, um deren Auskommen zu sichern.
"Eines Tages macht er die Tür auf, und seine Frau steht draußen", erzählte die Verteidigerin. Der Mann sei wenig begeistert gewesen, habe er doch schon seit geraumer Zeit eine Freundin gehabt. Mehrmals musste die Polizei einschreiten, weil der 45-Jährige die Ehefrau schlug. Die verbalen Erniedrigungen taten ihr mehr weh. Sie habe eine zu große Nase und einen zu breiten Mund, überhaupt wäre seine Freundin viel hübscher, soll er immer wieder gesagt haben.
Am 5. Juli 2005 beschimpfte er sie ein Mal mehr und trat nach ihr. Dann döste er auf der Wohnzimmercouch vor sich hin. Die Frau ging in die Küche und wusste nicht weiter, "weil man nach unseren Sitten nicht einfach weggehen kann", wie die Dolmetscherin übersetzte. Deutsch hatte die Frau nicht lernen dürfen.
Aus dem Abstellkammerl holte die 46-Jährige schließlich einen Hammer. Damit schlug sie auf ihren Mann ein: "Es tut mir Leid. Ich hätte es nicht machen dürfen." Den Leichnam rollte sie auf ausgebreitete Leintücher und zerrte ihn so ins Schlafzimmer, damit ihre heimkehrenden Kinder nichts bemerkten. Als Stunden später alle schliefen, schaffte sie den Toten aus der Wohnung und legte ihn im Stiegenhaus ab, wo ihn am nächsten Morgen einer der Söhne entdeckte. (apa)
