Grassers Polit-Coup
Der Poker: Karl-Heinz Grasser will entweder für die ÖVP wahlkämpfen oder mit einer eigenen Partei die Kanzlermehrheit sichern.
Oh, wer ist denn dieser große junge Mann?, will eine russische Journalistin vergangenen Samstag leicht verschämt wissen, als ihr Präsident, Wladimir Putin, dem österreichischen Finanzminister im Katharinensaal im Kreml die Hand schüttelt. Es ist Karl-Heinz Grasser, der hier in Moskau für erstaunte Blicke sorgt. Er darf als erster österreichischer Finanzminister wie er selbst voll Stolz erklärt am Gipfeltreffen der G8-Staaten (der wichtigsten Industrienationen der Welt) in Russland teilnehmen. Und sticht mit seinen 37 Jahren, zumindest in den Augen der russischen Journalisten, die anderen, die wirklich mächtigen Minister aus den USA, England, Deutschland und Co richtig aus. Keine Frage, in einem Land, in dem die Pressefreiheit nicht wirklich groß geschrieben wird und Journalisten stets auf sicheren Abstand gehalten werden, kommt der gestylt aussehende Kärntner mit seiner volksnahen, jovialen Art bestens an. Ein Erfolg, den er in der Heimat genauer gesagt: im Nationalratswahlkampf im Herbst 2006 wiederholen möchte.
Schüssels Trumpf-Ass. Denn der einstige blaue Finanzminister, der seit 2002 für Kanzler Wolfgang Schüssel den parteifreien Minister gibt, will noch einmal Schüssels Trumpf-Ass werden. So wie damals, im Wahlkampf 2002, als er nach dem blauen Rebellentreffen in Knittelfeld, das die erste schwarz-blaue Regierung sprengte, überraschend von Jörg Haider zu Schüssel wechselte und dem Kanzler so entscheidende Prozentpunkte und damit Platz eins sicherte. Vier Jahre später will Grasser erneut das Zünglein an der Waage sein.
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