Dienstag, 14. Februar 2006

Gold & Silber auf Großschanze: Österreichs Skispringer feiern historischen Triumph!

  • Morgenstern gewinnt einen Zehntel-Punkt vor Kofler
  • Bronze geht an Norweger Bystoel - Widhölzl nur 21.

Damit sind alle Wind-Diskussionen und enttäuschenden Ergebnisse dieser Saison mit einem Schlag weggewischt: Thomas Morgenstern und Andreas Kofler haben am Samstag bei den XX. Olympischen Winterspielen in Pragelato einen sensationellen Doppel-Sieg auf der Großschanze gefeiert. Beinahe hätten sie sich sogar das Gold teilen müssen, Morgenstern siegte mit nur 0,1 Punkten oder 18 Zentimetern Vorsprung auf Kofler. Es war der erste Olympiasieg für die ÖSV-Skispringer seit 1992 durch Ernst Vettori und erst der dritte Springer-Doppelsieg bei den Spielen nach 1976 und 1992.

Eine Sternstunde nicht nur für Thomas Morgenstern, sondern auch für den österreichischen Skisprung-Sport. Mit einem unwiderstehlichen 140-m-Flug (den er aber stand), der Tageshöchstweite, sicherte der nach dem ersten Durchgang hinter Kofler zweitplatzierte Kärntner Österreich Gold. Der 21-jährige Kofler nahm die Kampfansage an und landete etwas verwackelt bei 139,5 Metern. Am Ende war es nur ein Zehntelpunkt, der zu Gunsten des 19-Jährigen entschied. Bronze ging an Lars Bystöl, der auf der Normalschanze Gold geholt hatte. Bystöl wies allerdings schon 26,2 Punkte Rückstand auf Morgenstern auf.

Die überlegene Manier, mit der die in der Saison oftmals auch vom Pech verfolgten beiden Youngsters im ÖSV-Team die Konkurrenz dominierten, war beeindruckend. Obwohl sie drei Norweger im "Nacken" hatten, behielten sie die Nerven. Morgenstern landete bei 133 und 140 Metern, Kofler bei 134 und 139,5. Nur Bystöl im zweiten Durchgang und der viertplatzierte Roar Ljökelsöy im ersten Sprung (131) kamen überhaupt über die 130-m-Marke.

"Ich hab mir schon viele Gedanken gemacht, das war ein brutal schwieriger Wettkampf. Ich habe das Glück auf meiner Seite gehabt, es tut mir Leid um den Kofi", fand Morgenstern in der Stunde seines Triumphs auch tröstende Worte für den "silbernen" Zimmerkollegen. "Aber das Zimmerduell haben wir gewonnen. Ein Wahnsinn, also das passiert nicht jeden Tag. Das ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich brauche Zeit, bis ich das realisier. Einfach geil, ein Wahnsinn."

Morgensterns Vorahnung
Vor seinem 140-m-Flug hat "Morgi" es schon gespürt, dass da etwas Großes passieren kann. "Ich habe gewusst, als ich auf den Balken gegangen bin: Der Sprung geht jetzt dahin, der geht ins Flache. Ich habe mir gedacht: 'Mach das, was du kannst'. Der Ski hat gebissen, das war so ein geiler Flug, dann hab ich nur noch die Linien vorbeifliegen sehen."

Bei dem so knapp geschlagenen Kofler hielt sich die Enttäuschung in Grenzen: "Zuerst einmal hab ich eine Riesengaude, weil es sind normal eigene Gesetze da. Andererseits tut's weh, aber ich hoffe, es war nicht mein letztes Olympia. Ich hab das, was ich auf der Kleinen verpatzt hab, heute richtig gemacht." Nur die etwas verpatzte Landung im zweiten Durchgang, die hat ihm wohl Gold gekostet.

Ganz im Schatten von Gold und Silber lief es den beiden anderen Österreichern weniger gut: Andreas Widhölzl landete an 21. Stelle (123/119 m), Martin Koch verpasste als 32. mit 116 Metern überhaupt den finalen Durchgang. Dennoch ist natürlich nach diesem Ergebnis Österreich ein heißer Medaillenkandidat für das abschließende Team-Springen am Montag, ebenfalls von der Großschanze.


Offizieller Endstand:
1.Thomas MorgensternAUT276,9 (133,0/140,0)
2.Andreas KoflerAUT276,8 (134,0/139,5)
3.Lars BystölNOR250,7 (127,5/131,5)
4.Roar LjökelsöyNOR242,8 (131,0/125,0)
5.Matti HautamäkiFIN242,4 (126,0/129,5)
6.Andreas KüttelSUI239,1 (127,5/127,0)
7.Björn Einar RomörenNOR238,2 (128,5/125,5)
8.Takanobu OkabeJPN236,8 (125,0/128,5)
9.Janne AhonenFIN234,1 (123,5/128,5)
10.Jakub JandaCZE230,5 (122,0/128,0)
11.Michael NeumayerGER229,1 (123,5/128,5)
12.Noriaki KasaiJPN227,3 (120,0/128,5)
13.Michael MöllingerSUI224,9 (120,5/127,5)
14.Adam MalyszPOL222,7 (123,0/123,5)
15.Simon AmmannSUI218,0 (120,5/124,5)
16.Michael UhrmannGER214,9 (121,0/122,0)
17.Dmitrij WassilijewRUS214,2 (118,0/126,0)
18.Tami KiuruFIN214,0 (122,0/120,5)
19.Martin SchmittGER212,6 (116,5/125,5)
20.Georg SpäthGER212,2 (122,0/119,5)
21.Andreas WidhölzlAUT210,1 (123,0/119,0)
22.Jan MaturaCZE204,4 (116,5/121,5)
23.Jens SalumaeEST203,8 (118,0/120,5)
24.Sigurd PettersenNOR202,5 (121,0/116,5)
25.Tsuyoshi IchinoheJPN202,4 (122,5/115,5)
26.Kamil StochPOL200,0 (116,5/121,0)
27.Dmitrij IpatowRUS197,1 (118,0/116,5)
28.Jernej DamjanSLO192,2 (116,5/115,0)
29.Rok BenkovicSLO190,3 (118,0/113,0)
30.Stefan ReadCAN188,2 (118,5/113,0)

(apa/red)

14.2.2006 21:20