Freitag, 10. Februar 2006

WWW-'Entführungen': Netzpiraten klauen Web-Adressen künftiger EU-Vorsitzländer

  • Tschechien, Spanien, Belgien, Ungarn & Co. betroffen
  • Länder kämpfen in Gerichtsverfahren um Adressen

Mehrere künftige EU-Vorsitzländer sind bereits Jahre vor ihrer EU-Ratspräsidentschaft ihrer Internet-Adressen "beraubt" worden. Wie jetzt aus diplomatischen Kreisen in Brüssel verlautete, müssen Tschechien, Schweden, Spanien, Belgien, Ungarn und die Slowakei Gerichtsverfahren anstrengen, um von so genannten "Netzpiraten" ihre Web-Adressen wieder zu erlangen.

Üblicherweise setzt sich die Internet-Adresse einer EU-Ratspräsidentschaft aus "eu", dem laufenden Jahr und dem entsprechenden Länderkürzel zusammen, etwa www.eu2006.at im aktuellen Beispiel Österreichs. In Wien habe man sich diese Adresse bereits vor mehr als zwei Jahren reserviert, hieß es in der Ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel.

Entführte Netz-Domains
Doch Tschechien, das 2009 die EU-Präsidentschaft innehat, musste bereits im Vorjahr feststellen, dass seine Netz-Domain "entführt" wurde. Betroffen könnten auch Portugal, Slowenien und Frankreich sein, die bereits 2007 bzw. 2008 an der Reihe sind, denn diese Länder haben sich ihre Internet-Adressen noch nicht reserviert. Diplomaten schlugen deshalb bei einer Sitzung der EU-Ratsarbeitsgruppe in Brüssel in dieser Woche Alarm. Die bisherige Tradition werde sich nicht fortsetzen lassen, möglicherweise müssten die künftigen Vorsitzländer auf das neue Kürzel ".eu" ausweichen, sagte ein Diplomat gegenüber der APA.

Bereits zuvor gab's Pannen
Doch schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Pannen mit den EU-Adressen. So musste der italienische EU-Ratsvorsitz im Jahr 2003 auf die französische Abkürzung "ue" ausweichen, als sie sich nur mehr den Namen unter www.ueitalia2003.it reservieren konnte. (APA/red)

10.2.2006 12:42