Samstag, 26. August 2006

Neuer Alleingang von Barcelona? Spanien fürchtet sich vor langweiliger Liga-Saison

  • Meister in Topform? Real will mit Capello den Titel

Vor dem Start der spanischen Meisterschaft regiert die Angst vor einem Alleingang des regierenden Meisters FC Barcelona. Niemand zweifelt daran, dass die Katalanen in der Primera Division über das spielerisch stärkste Team verfügen. Auch Rekordmeister Real Madrid hat es scheinbar aufgegeben, mit dem katalanischen Erzrivalen zu konkurrieren.

Mit dem italienischen Weltmeister Gianluca Zambrotta, Frankreichs Lilian Thuram und dem Isländer Eidur Gudjohnsen verstärkte "Barca" seinen Kader für 30 Mio. Euro gezielt dort, wo Trainer Frank Rijkaard noch "Schwachstellen" beim Champions-League-Sieger vermutet hatte. Die ersten Standortbestimmungen verliefen für die Ligakonkurrenz beängstigend: Bayern München etwa wurde beim Juan Gamper-Turnier vor 78.000 Zuschauern mit 4:0 deklassiert.

Superstar Ronaldinho, der ein Tor beisteuerte, hat nach seinem mäßigen Auftritt bei der WM im Barca-Trikot scheinbar wieder zu altem Glanz zurückgefunden. "Ich kann mir vorstellen, ganz in Barcelona zu bleiben", meinte der Brasilianer, der mit dem Klub über eine Vertragsverlängerung bis 2014 verhandelt. "Es ist einfach großartig, das Team schon jetzt in einer so guten Verfassung zu sehen."

Beim Erzrivalen Real Madrid ist spätestens nach dem Abschied von Zinedine Zidane die Ära der "Galaktischen" zu Ende. Unter dem italienischen Ex-Juventus-Trainer Fabio Capello, in dessen Schlepptau auch Italiens Weltmeister-Kapitän Fabio Cannavaro und Emerson zu den Madrilenen kamen, soll nach drei Jahren wieder ein Titel geholt werden. Mit dem Italiener hatte Real bereits 1997 die Meisterschaft gewonnen.

Mit mehr als 60 Mio. Euro gab Real doppelt so viel wie Barcelona für neue Spieler aus. Trotz des Versprechens des neuen Vereinspräsident Ramon Calderon waren Superstars wie Kaka, Cesc Fabregas oder Arjen Robben jedoch - vorerst - nicht zu finanzieren. Mahamadou Diarra war den "Königlichen" dennoch 26 Mio. Euro wert. "Real holt sich mehr Beton für seinen Bunker", schrieb "El Mundo" nach der Verpflichtung spöttisch.

Defensiv-Stratege Capello setzt beim Rekordmeister nämlich auf körperliche statt spielerische Stärke. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Dinge werden besser werden, wenn alle denselben Fitness-Level erreichen", meinte Capello nach einem mühsamen 2:1-Testspielsieg gegen Anderlecht am Mittwoch. Ob sich das anspruchsvolle Publikum im Bernabeu-Stadion damit zufrieden gibt, bleibt abzuwarten: Gegen die Belgier waren bereits die ersten Pfiffe zu hören.

(apa/red)

26.8.2006 14:52