Wieder ÖSV-Sieg in Garmisch: Christoph Gruber gewinnt Super G - Maier wird Vierter!
- Scott McCartney (USA) Zweiter, Aamodt wird Dritter!
- Walchhofer Sechster, Reichelt Neunter, Schifferer 10.
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Garmisch-Partenkirchen hat am Sonntag die sportliche Wiederauferstehung von Christoph Gruber erlebt. Nach einer bis dahin völlig verkorksten Olympia-Saison gewann der Tiroler den Super G mit einer Traumfahrt in 1,26,52 Minuten überlegen vor dem US-Amerikaner Scott Macartney, dem Norweger Kjetil-Andre Aamodt und dem Salzburger Topfavoriten Hermann Maier, der seinen 200. Weltcup-Bewerb bestritt.
Gruber hatte bis Sonntag in der laufenden Weltcup-Saison kein einziges Top-Ten-Ergebnis geschafft, im Super G war Platz 14 (Lake Louise) als beste Leistung zu Buche gestanden. Diesmal war Gruber aber der einzige, der vor allem die tückische Passage "Ausfahrt Hölle" perfekt meisterte, zudem war seine relativ frühe Startnummer 13 ein weiterer wichtiger Puzzleteil des Überraschungserfolges.
Gruber: "Mir ist der Lauf super aufgegangen"
"Mir ist der Lauf super aufgegangen, ich habe die perfekte Dosierung gefunden", jubelte der 29-jährige Garmisch-Spezialist. Gruber hat nun vier Weltcup-Siege auf seiner Visitenkarte stehen, gleich drei davon gelangen in Garmisch. Nach seinem Premierenerfolg im Bormio-Riesentorlauf im Dezember 2000 gab es gleich drei Super-G-Triumphe auf der Kandahar, nämlich im Jänner 2001, im Februar 2005 und nun im Jänner 2006.
Das Erfolgsgeheimnis war aber nicht nur seine Liebe zu Garmisch, sondern auch sein Material. Am Samstag hatten seine Salomon-Latten noch für einen Riesenschock gesorgt (die Bindung ging auf, Gruber verhinderte akrobatisch mit einem Ski einen schweren Sturz), 24 Stunden später führten sie Gruber dann zum Sieg. "Wir haben den Garmisch-Siegerski von 2005 ausgepackt", verriet der Triumphator.
"Der Olympia-Zug ist eigentlich schon aus dem Bahnhof draußen", hatte Gruber noch in Kitzbühel gemeint. Nach Garmisch schaut es nun wieder ganz anders aus, für den Super G hat der Tiroler das Ticket im allerletzten Augenblick gelöst. Nachdem er mit seinen beiden "Glücksbringern", Freundin Julia und Hund Aila, im Ziel glücklich vereint feiern durfte, fiel die ganze Last von den Schultern des Schwazers. "Es war eine verdammt harte Zeit, ich war schon knapp vorm Verzweifeln. Ich hatte mir die Saison ganz anders vorgestellt", gestand Gruber.
Maier: "Platz zwei wäre möglich gewesen"
Hermann Maier verpasste als Vierter hinter Gruber, US-Sensationsmann Macartney (der 28-Jährige landete erstmals auf dem Weltcup-Podest) und dem norwegischen Jungvater Aamodt Rang zwei um gerade einmal 0,06 Sekunden, aufs Stockerl fehlten 3/100. Als Trost blieb dem Flachauer aber zumindest das Rote Trikot für den Leader der Super-G-Wertung, dieses musste der Norweger Aksel Lund Svindal (in Garmisch nur 20.) ausziehen.
"Ich habe gewusst, dass es mit meiner hohen Startnummer schwierig wird. Gruber war außer Reichweite, aber Platz zwei wäre möglich gewesen. Das ärgert mich schon ein bisschen", analysierte der Samstag-Sieger, der anlässlich seines 200. Weltcup-Bewerbes ein besonderes Geschenk von seiner Firma Atomic überreicht bekam. Die Atomic-Crew rund um Rudi Huber bastelte in Rekordtempo eine Limited Edition eines "Hermann Maier Race 200"-Skis, im Zielraum wurde Maier dann mit der Sonderanfertigung überrascht. Atomic wird maximal 20 Paar von dieser Edition herstellen.
Fünf ÖSV-Läufer in den Top-Ten
In ihrer Lieblingsdisziplin boten die ÖSV-ler einmal mehr eine mannschaftlich beeindruckende Leistung. Neben Gruber und Maier landeten auch Michael Walchhofer (6.), Hannes Reichelt (9.) und Andreas Schiffer (10.) in den Top-Ten. Für Walchhofer war es das lang ersehnte beste Saisonresultat im Super G. "Wenn man nur die hinteren Nummern hernimmt, dann war ich einer der schnellsten. Ich habe mich positiv präsentiert", meinte der Salzburger, der so wie Maier den Sieger in höchsten Tönen lobte: "Gruber ist ein absoluter Garmisch-Spezialist, das war eine eindrucksvolle Fahrt."
Grubers Sieg hat die Karten im Olympia-Poker neu gemischt. Die Saisonsieger Maier (Kitzbühel), Reichelt (Beaver Creek) und Gruber (Garmisch) dürfen als Fixstarter betrachtet werden, dahinter geht es ganz eng zu. Gesamt-Weltcup-Leader Raich, Walchhofer, Strobl, Schifferer, Lanzinger und Görgl sind im Super-G-Weltcup nach fünf Rennen nur durch 17 Punkte getrennt. Auf Alpinchef Hans Pum und Co. wartet also einmal mehr schwerste Kopfarbeit, die Formkurve könnte jedoch für Walchhofer sprechen.
| Endstand Super-G der Herren in Garmisch: | ||||
| 1. | Christoph Gruber | AUT | 1:26,52 | |
| 2. | Scott Macartney | USA | 1:27,34 | +0,82 |
| 3. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:27,37 | +0,85 |
| 4. | Hermann Maier | AUT | 1:27,40 | +0,88 |
| 5. | Lasse Kjus | NOR | 1:27,41 | +0,89 |
| 6. | Michael Walchhofer | AUT | 1:27,50 | +0,98 |
| 7. | Bruno Kernen | SUI | 1:27,52 | +1,00 |
| 8. | Didier Defago | SUI | 1:27,53 | +1,01 |
| 9. | Hannes Reichelt | AUT | 1:27,55 | +1,03 |
| 10. | Andreas Schifferer | AUT | 1:27,56 | +1,04 |
| 11. | Francois Bourque | CAN | 1:27,57 | +1,05 |
| 12. | Klaus Kröll | AUT | 1:27,61 | +1,09 |
| 13. | Daron Rahlves | USA | 1:27,65 | +1,13 |
| . | Matthias Lanzinger | AUT | 1:27,65 | +1,13 |
| 15. | Stephan Görgl | AUT | 1:27,69 | +1,17 |
| 16. | Antoine Deneriaz | FRA | 1:27,70 | +1,18 |
| 17. | Fritz Strobl | AUT | 1:27,72 | +1,20 |
| 18. | Benjamin Raich | AUT | 1:28,21 | +1,69 |
| 19. | Didier Cuche | SUI | 1:28,28 | +1,76 |
| 20. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:28,30 | +1,78 |
| 21. | Peter Fill | ITA | 1:28,46 | +1,94 |
| 22. | Ambrosi Hoffmann | SUI | 1:28,57 | +2,05 |
| 23. | Tobias Grünenfelder | SUI | 1:28,65 | +2,13 |
| 24. | Michael Gufler | ITA | 1:28,70 | +2,18 |
| 25. | Andreas Ertl | GER | 1:28,72 | +2,20 |
| 26. | Walter Girardi | ITA | 1:28,85 | +2,33 |
| 27. | Patrik Järbyn | SWE | 1:28,89 | +2,37 |
| 28. | Alessandro Fattori | ITA | 1:28,98 | +2,46 |
| 29. | Konrad Hari | SUI | 1:28,99 | +2,47 |
| 30. | Pierre-Emmanuel Dalcin | FRA | 1:29,02 | +2,50 |
(apa/red)
