Sonntag, 1. Jänner 2006

Geiseldrama beendet: Fünf im Jemen entführte Italiener wurden freigelassen

  • Drei Frauen & zwei Männer unverletzt aus Geiselhaft
  • Kidnapper stellten sich in Dorf den Behörden

Die fünf im Jemen entführten italienischen Touristen sind am Freitag freigelassen worden. Den drei Frauen und zwei Männern gehe es gut, erklärte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Marib, Adnan Abu Lehum. Ihre Kidnapper stellten sich jemenitischen Sicherheitskräften. Sie hatten die Italiener am Sonntag verschleppt, um inhaftierte Stammesangehörige freizupressen.

Nach fünftägiger Geiselhaft wurden die Italiener im Morgengrauen örtlichen Stammesführern übergeben, die sich um ihre Freilassung bemüht hatten. Mit einem Militärhubschrauber wurden sie in die Hauptstadt Sanaa geflogen, wo jemenitische Regierungsvertreter sie in Empfang nahmen. Bei ihrer Ankunft in Sanaa wirkten die Italiener erschöpft.

Die Entführer hätten sie die ganze Zeit über bedroht und Maschinengewehre im Anschlag gehabt, sagte eine der Geiseln, Patrizia Rossi, telefonisch dem italienischen Fernsehsender SkyTG 24. Als ihnen klar geworden sei, dass sie frei waren, seien sie vor Erleichterung zunächst zusammengebrochen.

Angehörige zeigten sich erleichtert: "Wir sind glücklich. Der Albtraum hat ein Ende", sagte Andrea Polato, Sohn der wieder freigelassenen Camilla Ramigni, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Unsere Freude ist grenzenlos", erklärte die Familie von Patrizia Rossi, die mit ihrem Partner Enzo Bottillo entführt worden war.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zeigte sich "hochzufrieden über diese Befreiung ohne Blutvergießen" und bedankte sich wie Außenminister Gianfranco Fini bei der jemenitischen Regierung für den glücklichen Ausgang der Entführung.

Präsident Carlo Azeglio Ciampi sagte, die Nachricht sei "einfach wunderbar" und dankte allen, die sich für die Freilassung der Geiseln eingesetzt hatten. Auch Papst Benedikt XVI. reagierte mit "Erleichterung" auf die Freilassung, wie sein Sprecher Joaquin Navarro-Valls mitteilte.

Die Leiterin des Krisenstabs im italienischen Außenministerium, Elisabetta Belloni, sprach dem Sender gegenüber von "angestrengten Bemühungen" zur Rettung der Entführten. Unter den Entführern sei ein örtlicher Kommunalpolitiker, sagte der Unterhändler Jebal Teanan.

Sechs Entführer wurden nach Angaben des Militärs in einem Dorf aufgespürt, in dem sie sich nach der Freilassung ihrer Geiseln zunächst versteckt hatten. Über die Gründe der Freilassung wurde zunächst nichts bekannt. Offenbar gaben die Entführer aber dem Druck der Regierung nach. Die bewaffneten Männer vom Stamm der Al Saidi hatten versucht, von der Regierung die Freilassung von acht inhaftierten Stammesmitgliedern zu erpressen.

Die Freilassung inhaftierter Stammesmitglieder hatten auch die Kidnapper der deutschen Familie Chrobog und von zwei Österreichern gefordert. Der ehemalige Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie waren am vergangenen Samstag nach dreitägiger Geiselhaft in der Provinz Shabwa freigelassen worden. Die österreichischen Architekten kamen in der Nacht auf den Heiligen Abend frei.(apa)

1.1.2006 15:18