Samstag, 31. Dezember 2005

Italiens Bankenskandal weitet sich aus: Deutsche Bank im Visier des Staatsanwalts

  • Kontrolle in Frankfurter und weiterer Hauptquartiere
  • Verdacht auf Absprachen mit Unipol-Versicherung

Der Bankenskandal in Italien zieht weitere Kreise und droht sich auch auf das Ausland auszudehnen. Die römische Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Beziehungen zwischen der Deutschen Bank und dem italienischern Versicherer Unipol im Übernahmeversuch der Banca Nazionale del Lavoro (BNL). Im Auftrag des römischen Staatsanwalts Achille Toro sollen Kontrollen im Frankfurter Sitz der Deutschen Bank sowie in deren Hauptquartieren in Italien und Großbritannien durchgeführt werden.

Die römische Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Deutschen Bank in der Übernahmeschlacht um die BNL mit dem Übernahmeinteressenten Unipol einen Pakt geschlossen habe, der nach den Spielregeln öffentlich gemacht hätte werden müssen. Weil die Börsenaufsicht die Unipol und die Deutsche Bank als Verbündete in der Übernahmeschlacht behandelt, müßte nun Unipol bei einem Übernahmeangebot für die BNL den freien Aktionären mindestens so viel bieten, wie die Deutsche Bank für ein Aktienpaket bezahlt hat, nämlich 2,75 Euro statt der bisher von Unipol gebotenen 2,70 Euro.

Nach Berichten italienischer Medien wird der Deutschen Bank auch unterstellt, dass sie mit der Versicherung Unipol Scheingeschäfte eingegangen sei, die vordergründig wie Unternehmensverkäufe oder Optionen für Verkäufe ausgesehen hätten und damit die Eigenkapitalbasis von Unipol hätten stärken sollen.

Unterdessen gehen die Mailänder Staatsanwälte einem Verdacht nach, wonach Unipol-Chef Giovanni Consorte dem betrügerischen Bankenchef Gianpiero Fiorani offenbar näher stand als gedacht. Zum einen sollen die beiden Informationspflichten gegenüber der Börsenaufsicht unterlaufen haben, indem sie in den beiden Übernahmeschlachten um Antonveneta und BNL jeweils für den anderen Aktien kauften mit dem Versprechen, sie bei Bedarf weiterzureichen. Zum anderen soll Consorte zu den Kunden gehört haben, die von Fioranis Banca Popolare Italiana besonders begünstigt wurden. (apa/red)

31.12.2005 11:39