"Zeit der Wunderkinder definitiv vorbei": Springer-Legende Innauer spricht Klartext
- Altersschnitt der Top-Athleten liegt bei über 26 Jahren
- Entwicklung zu mehr Kraftsport zeichnet sich ab
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Das Skispringen ist nach Einführung der Body-Mass-Regel (BMI) zum Abstecken von unteren Gewichtslimits zu einem Sport der Routiniers geworden. Betrachtet man das Alter der derzeitigen Top Ten des Weltcups nach acht Springen, dann gibt es mit Thomas Morgenstern nur einen Teenager (19) und mit Robert Kranjec (SLO/24) nur einen weiteren Akteur unter 25. Der Alters-Schnitt liegt bei über 26 Jahren.
"Die Zeit der Wunderkinder ist definitiv vorbei", meint Toni Innauer, nordischer Direktor des ÖSV für Skispringen und Kombination. Nur noch ganz wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. "Wenn einer wie Thomas Morgenstern mit 17 körperlich schon den Status eines erwachsenen Mannes aufweisen kann."
Körperliche Trainings-Mängel wurden durch das altersgemäße Leichtgewicht ausgeglichen. "15-jährige Wunderkinder hat es gegeben, weil die einfach viel leichter sein konnten und reglementmäßig nicht eingefangen worden sind. Die sind mit einem Vorteil eingestiegen, der sich dann leider später ausgeglichen hat. Gott sei Dank ist das vorbei, weil menschlich war das immer schwierig", spricht Innauer die Tatsache an, dass viele dieser "Frühstarter" dann mit dem Erfolg in so jungen Jahren nicht fertig wurden.
Entwicklung zu mehr Kraftsport
Warum nun die "Alten" derart dominieren? "Das hängt mit den Trainingsjahren zusammen, die eine große Bedeutung haben, und nun auch im Skispringen immer mehr Gewichtung bekommen. Man braucht Trainingsjahre, um die Sprungkraftfähigkeit zu entwickeln." Irgendwie hat sich das Skispringen also mehr zu einer Kraft-Sportart entwickelt.
Nicht nur in dieser Hinsicht gibt es dank der BMI-Regel Vorteile. "Allein die Tatsache, dass die Springer anständig essen können und manche essen müssen wie ein Janda, hilft natürlich auch, den Stress besser zu bewältigen." Ein Burn-out-Syndrom wie man es bei Sven Hannawald erlebt hat, scheint nun zumindest unwahrscheinlicher geworden zu sein.
Dank des Reglements, das Chancengleichheit für alle Teams bringen soll, findet man derzeit gleich acht Nationen in den Top Ten. Ein vom internationalen Skiverband FIS durchaus beabsichtigter Effekt. Ob Innauer noch weitere Verbesserungen für erforderlich hält? "Ich habe schon einen Antrag eingebracht, dass wird den BMI-Wert noch um einen halben Prozentsatz raufsetzen. Wir könnten auch die Skilänge noch etwas reduzieren. Ich glaube und kann auch beweisen, dass die Windanfälligkeit dadurch geringer wird, wenn man die Segelfläche des wichtigsten Segelteils, der Ski, reduziert."
Der Mensch zählt wieder mehr als die Technik
Grundsätzlich, so Innauer, zählten der Mensch und seine physischen Fähigkeiten nun wieder mehr als noch vor sechs, sieben Jahren. Das Verhältnis Talent, körperliche und mentale Fähigkeiten gegenüber der Technologie stuft er nun mit 70:30 ein. "25 dieser 30 Prozent nützen alle Nationen schon aus." Verschärfen könnte man nach Meinung Innauers noch die Überprüfung der Anzüge. "Man könnte - ähnlich wie in der Formel 1 - die Anzüge ausziehen lassen und diese dann tatsächlich durchkontrollieren und nicht nur schnell, schnell an zwei Stellen messen. Aber das ist ein Zeitproblem."
Inwiefern Innauer auch nach der Olympiasaison an der Zukunft des Skispringens weiterbasteln wird, wurde auf Grund von Gerüchten, der Vorarlberger könnte den Job wechseln, zuletzt in Frage gestellt. "Es ist richtig, dass es für mich interessante, berufliche Optionen gibt, aber es gibt keinerlei Zusagen von mir. Ich bin Angestellter des ÖSV, bei mir läuft kein Vertrag aus", so Innauer am Samstag gegenüber der APA. Alle anderen Funktionäre wie Cheftrainer Alexander Pointner und Co. verfügen hingegen über Jahresverträge.
(apa/red)
