Freitag, 30. Dezember 2005

Flüchtlingsdrama in Kairo: Bis zu 26 Tote bei der gewaltsamen Räumung eines Lagers

  • UNHCR bemüht sich vergeblich um gewaltlose Lösung

Bei der gewaltsamen Räumung des Flüchtlingslagers vor einem Gebäude des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) in Kairo sind nach neuen Angaben bis zu 26 Sudanesen ums Leben gekommen. In einer offiziellen Erklärung des ägyptischen Innenministeriums wurde die Zahl der Toten zwar mit zwölf angegeben, Mitarbeiter des Ministeriums sprachen aber von 20 Todesopfern. Ein Sprecher der Flüchtlingsgruppe, Boutrous Deng, gab die Zahl der Toten sogar mit 26 an, darunter zwei Frauen und sieben Kinder. Zuvor hatte die Gruppe von 15 Toten gesprochen.

Das ägyptische Innenministerium erklärte, die Räumung des Lagers sei auch als Reaktion auf einen Hilferuf des UNHCR hin erfolgt. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen habe um Schutz gebeten, nachdem mit Angriffen auf seine Büros und Mitarbeiter gedroht worden sei.

Die Flüchtlinge hatten das Lager Ende September errichtet, um gegen eine Entscheidung des UNHCR zu protestieren. Die Organisation hatte beschlossen, den Sudanesen wegen des Abschlusses eines Friedensvertrages in ihrem Heimatland, aus dem sie wegen eines Bürgerkriegs im Süden geflohen waren, keinen Flüchtlingsstatus mehr zu gewähren. Dieser ist für den Erfolg eines Antrags auf politisches Asyl von entscheidender Bedeutung. Die Sudanesen forderten zudem eine Umsiedlung von Ägypten in ein Drittland. (apa)

30.12.2005 09:07