Mittwoch, 28. Dezember 2005

Positives Ende bei Geiseldrama: Familie Chrobog nach Deutschland zurückgekehrt

  • "Die jemenitischen Entführer behandelten uns gut"
  • Außenminister Steinmeier: "Ex-Geiseln geht es gut"
    PLUS: Chronologie der Entführung des Ex-Diplomaten

Nach drei Tagen Geiselhaft im Jemen sind der frühere deutsche Außen-Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie nach Deutschland zurückgekehrt. Nach einem Treffen mit dem jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdullah Salih verließen der 65-Jährige, seine Frau Magda und die drei erwachsenen Söhne am Neujahrstag mit einer Challengermaschine der Bundeswehr das arabische Land in Richtung Köln, bestätigte das Außenministerium in Berlin. Zugleich wurden in der ostjemenitischen Provinz Marib fünf italienische Touristen gekidnappt.

Die Freilassung der Familie Chrobog wurde in Berlin mit Erleichterung aufgenommen. "Nach unserem ersten Eindruck hat die Familie die Geiselnahme, die mehrere Tage andauerte, ohne Schäden an Leib und Seele gesund überstanden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstag. Die Chrobogs seien zufällig Opfer geworden. Die Entführung habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt, sondern gehe auf Stammesstreitigkeiten zurück.

Chrobog selbst betonte vor seinem Abflug aus Aden, die Geiselnehmer hätten ihn und seine Familie gut behandelt. Sie hätten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, ihr Leben sei bedroht. Ihnen sei von Anfang klar gewesen, dass die Entführer weder politische noch terroristische Motive gehabt hätten.

Außenminister Steinmeier dankte besonders Jemens Staatspräsidenten für ein "engagiertes und umsichtiges Vorgehen". Auch Chrobog selbst dankte Salih, der maßgeblich an den Verhandlungen mit den Kidnappern beteiligt war, für seine Anstrengungen. Der Präsident sagte nach seinem 15-minütigem Gespräch mit Chrobog am Sonntag, sein Volk und seine Regierung verurteilten Entführungen wie die der deutschen Familie.

Chrobogs Frau Magda sagte nach ihrer Freilassung dem Sender N24, die Behandlung sei "hervorragend" gewesen. "Wir haben uns gut verstanden. Wir hatten Verständnis für ihre Gründe, wir hatten aber kein Verständnis dafür, dass sie Entführungen benutzten, um ihre Ziele zu erreichen", fügte sie hinzu. Fabian Chrobog, einer der Söhne des Paares, sprach von einer "interessanten" Erfahrung". Er hoffe, bald wieder in den Jemen zu reisen - "aber nächstes Mal unter hoffentlich sicheren Umständen".

Die Familie Chrobog war am Silvestertag von Angehörigen eines jemenitischen Stammes freigelassen worden, der sie drei Tage lang festgehalten hatte. Die Geiselnehmer sind Mitglieder des Stammes der Abdallah. Sie hatten die Freilassung von fünf Stammesangehörigen verlangt, die im Gefängnis sitzen. Als Kompromiss schlugen sie dann vor, dass fünf Mitglieder des rivalisierenden Stammes der Al-Riad ebenfalls inhaftiert werden, um einen fairen Prozess für beide Parteien zu gewährleisten. Die jemenitische Regierung sagte dies zu und schuf so die Voraussetzung für die Freilassung der Chrobogs.

Nach Angaben von Stammesmitgliedern reisten am Samstag mehrere Scheichs, die vermittelt hatten, nach Aden um die Angelegenheit mit Präsident Salih zu erörtern. Von einer Verhaftung junger Stammesangehöriger sei ihnen nichts bekannt. Die staatliche Nachrichtenagentur Saba und der Sprecher der Botschaft in Berlin hatten berichtet, unmittelbar nach der Tat seien vier der Geiselnehmer gefasst worden.

In der Bergregion von Serwah im Osten des Landes halten Mitglieder eines anderen Stammes inzwischen fünf italienische Urlauber fest. Sie verlangten die Freilassung von acht inhaftierten Stammesangehörigen, bestätigten jemenitische Sicherheitskräfte.

Chrobog war in seiner Zeit im Auswärtigen Amt ein geschätzter Krisenmanager. Im Jahr 2003 hatte er monatelang um die Freilassung von deutschen Sahara-Touristen verhandelt. (apa/red)

28.12.2005 15:09