Dienstag, 27. Dezember 2005

Seit 1995 auf der Flucht: Behörden ziehen Schlinge um Kriegsverbrecher Mladic enger

  • Geheimdienstchef stellt Verhandlungen in Abrede

Die serbischen Behörden ziehen nach eigenen Angaben die Schlinge um den flüchtigen, mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic enger. Derzeit würden alle möglichen Kontakte und Kommunikationsverbindungen des früheren Armeechefs der bosnischen Serben geprüft, um dessen Bewegungsspielraum einzuengen, sagte der serbische Menschenrechtsminister Rasim Ljajic der Nachrichtenagentur Tanjug. Durch bestimmte "Nachforschungsaktivitäten" sei es bereits gelungen, den Raum einzuengen, in dem sich Mladic verstecken könnte.

Mladic und der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, waren 1995 nach der Anklageerhebung durch das UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) untergetaucht. Sie werden unter anderem wegen Völkermordes im Zusammenhang mit dem Massaker in der ostbosnischen Kleinstadt Srebrenica vor zehneinhalb gesucht, bei dem etwa 7.800 Bosniaken (bosnische Moslems) getötet wurden.

Der Druck auf Belgrad, sie festzunehmen, ist gestiegen, nachdem Anfang Dezember der ebenfalls als Kriegsverbrecher gesuchte kroatische General Ante Gotovina auf den Kanaren festgenommen wurde. Derzeit sind noch sechs vom ICTY angeklagte Serben auf der Flucht.

Unterdessen hat der Direktor des serbischen Geheimdienstes (BIA), Rade Bulatovic, geheime Verhandlungen mit Mladic und Karadzic, sich freiwillig zu stellen, in Abrede gestellt. Bei der Vorlage eines BIA-Tätigkeitsberichts am Dienstag im serbischen Parlament in Belgrad sagte Bulatovic vor den Abgeordneten: "Das ist alles vollkommen unwahr." Es gebe weder Gespräche noch vom Ausland vorgegebene Fristen zur Ergreifung der beiden Angeklagten.

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla Del Ponte, hatte den Geheimdienst wiederholt beschuldigt, die beiden Gesuchten zu decken. Auch die serbisch-orthodoxe Kirche und die Armee sollen danach den als Volkshelden verehrten Männern helfen. Armee, Kirche und BIA bestritten dies. (apa)

27.12.2005 15:45