Montag, 26. Dezember 2005

Zerrüttetes Verhältnis: Im Irak entführte Osthoff meidet weuter Kontakt zur Familie

  • Archäologin meldete sich nicht einmal zu Weihnachten
  • Erstes Interview: "Wurde als Moslemin gut behandelt"

Auch zu Weihachten hat die im Irak entführte und vor einer Woche freigelassene Deutsche Susanne Osthoff keinen Kontakt zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern in Bayern aufgenommen. "Bisher haben wir nichts von ihr gehört", sagte ihre Mutter Ingrid Hala am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Die Umstände sind eben so - ich muss mich damit abfinden." Sie äußerte aber auch Verständnis für ihre Tochter, die eine schwierige Zeit hinter sich habe. "Wir sind froh, dass es so ist - es hätte auch anders ausgehen können."

Auch in den vergangenen Jahren habe sich die im Irak tätige Archäologin zu Weihnachten meist nicht gemeldet. "Es ist auch nicht so wichtig, wenn ich weiß: Es geht jemandem gut", sagte Hala. "Im Ausland spielt Weihnachten ja nicht so eine große Rolle."

Osthoff: Entführer haben mich als Moslemin gut behandelt
Osthoff ist eigenen Worten zufolge von ihren Entführern gut behandelt worden, weil sie Moslemin ist. "Sie sagten 'Frau Susanne, wir wissen, dass sie eine Freundin des Iraks sind'", sagte Osthoff am Montag dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Es war das erste Interview der 43-Jährigen seit ihrer Freilassung.

"Wir teilen ihnen mit, dass sie aus politischen Gründen entführt wurden und wir werden ihnen später sagen, was passieren wird. Also haben sie keine Angst, wir tun keinen Frauen oder Kindern etwas und sie sind Moslemin", zitierte Osthoff ihre Entführer. Dies habe sie beruhigt. "Ich war sehr glücklich, weil ich nicht in den Händen von Kriminellen war", sagte sie.

Die Entführer hätten sich sehr professionell verhalten. Man habe sie an einen Ort nahe der irakischen Grenze gebracht und später zurück nach Bagdad. "Es waren keine schweren Umstände und sie haben mich gut behandelt", sagte Osthoff weiter. " Sie haben verstanden, dass ich die Notlage des irakischen Volkes kenne." Geld hätten die Geiselnehmer nicht gewollt.

Die Fernsehbilder zeigten Osthoff in einem Nadelstreifenjackett und einem lose gebundenen schwarzen Kopftuch. Das Interview wurde zum Teil auf Englisch und teils in arabischer Sprache geführt. Die zum Islam übergetretene Archäologin hat jahrelang im Irak gearbeitet und spricht fließend Arabisch. Nach ihrer Freilassung in der vergangenen Woche hatte sie sich entschieden, nicht sofort nach Deutschland zurückzukehren, sondern sich an einem geheimen Ort mit ihrer Tochter zu treffen.

Die 43-jährige Susanne Osthoff war am 25. November im Nordirak von Unbekannten entführt und am Sonntag vor einer Woche freigelassen worden. Sie wollte zunächst nicht nach Deutschland zurückkehren. Osthoff hatte einige Tage nach ihrer Freilassung den Irak verlassen und hält sich derzeit nach unbestätigten Berichten in Jordanien auf.

Die deutsche Regierung will unterdessen keine Projekte im Irak mehr unterstützen, die mit einem Aufenthalt Osthoffs in dem Land verbunden wären. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte am Samstag einen Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung", wonach Osthoff nach ihrer Freilassung unmissverständlich aufgefordert worden sei, nicht in den Irak zurückzukehren. Allerdings sei Osthoff ein freier Mensch. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an Osthoff, nicht in den Irak zurückzukehren. "Nach intensiven Anstrengungen vieler Beteiligter über drei Wochen, die schließlich zu ihrer Freilassung führten, hätte ich wenig Verständnis, wenn Frau Osthoff sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde", sagte er.(apa/red)

26.12.2005 13:26