Montag, 26. Dezember 2005

Schweres Zugunglück in Japan: Vier Tote & 33 Verletzte bei Entgleisung von Schnellzug

  • Schneesturm führte zu Unglück in Norden des Landes
  • Rettungskräfte brauchten 14 Stunden zur Bergung

Bei einem Zugunglück bei stürmischem Wetter sind in Nordjapan vier Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung in Tokio kritisierte die Bahngesellschaft JR East am Montag scharf und ordnete eine sofortige Überprüfung von Windstärkemessanlagen an Gleisen an. Die Bahngesellschaft entschuldigte sich für den Unfall in der Präfektur Yamagata.

Bei ungewöhnlich hartem Winterwetter mit Stürmen und ergiebigen Schneefällen kamen in Japan über die Weihnachtsfeiertage mindestens acht weitere Menschen ums Leben. Zeitweise brach der Bahn- und Straßenverkehr zusammen, 30 Inlandsflüge wurden gestrichen.

Der Schnellzug war am Sonntag infolge des Wetters mit erheblicher Verspätung unterwegs. Der Unfall ließ Fragen aufkommen, warum er überhaupt noch verkehrte und warum er verhältnismäßig schnell fuhr. Der Wind soll in der Region zu jenem Zeitpunkt Geschwindigkeiten bis zu 75 Stundenkilometern erreicht haben.

Wie die Bahngesellschaft JR East am Montag mitteilte, entgleisten rund 300 Kilometer nördlich von Tokio alle sechs Wagen des Zuges. Die ersten drei stürzten um und rutschten den schneebedeckten Bahndamm hinunter. Nach Angaben der Polizei kamen im ersten Waggon, der in einen Schweinestall stürzte, vier Fahrgäste ums Leben. 33 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht und nach ambulanter Behandlung wieder entlassen worden.

Dem Polizeisprecher zufolge war für die Region eine Sturmwarnung gegeben worden. Das Verkehrsministerium bestellte die Geschäftsleitung der Bahngesellschaft ein und warf dieser vor, "das öffentliche Vertrauen in das Eisenbahnsystem zu untergraben", wie Ministeriumssprecher Hiromi Mishima mitteilte. JR-East-Präsident Mutsutake Otsuka entschuldigte sich öffentlich für den Unfall.

Ein Sprecher der Bahngesellschaft, Masaki Ogata, sagte, der Zug habe sich nach links geneigt, nachdem er von einer Windböe erfasst worden sei. Dann sei das Licht ausgegangen und der 29-jährige Lokführer habe die Orientierung verloren. Den Angaben zufolge entgleiste der Zug bei Tempo 100, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke beträgt 120 Kilometer pro Stunde. Trotz des ungewöhnlich heftigen Winterwetters war kein besonderes Tempolimit ausgegeben worden.

Im April waren bei einem Zugunglück im Westen Japans 107 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Es war das schwerste Unglück seit mehr als 40 Jahren.
(apa)

26.12.2005 07:24