Himmelsgeschehen 2006: Die Sonne wird sich einmal, der Mond zweimal verdunkeln!
- Totale Verdunkelung am 29.3. nur für SoFi-Touristen
- Sternenstaub zum Auftakt des Weltraumjahrs 2006
Eine Sonnen- und zwei Mondfinsternisse werden als Höhepunkte des Himmelsgeschehens 2006 über Österreich sichtbar sein. Wer die Verdunkelung der Sonne am 29. März allerdings total erleben will, muss eine Reise unternehmen. Zum Beispiel liegt die türkische Touristen-Hochburg Antalya in der Totalitätszone.
Der die relativ schmale totale Zone des Mondschattens wird zuerst über dem östlichen Südamerika sichtbar, zieht dann über den Atlantik und erreicht Westafrika. Es geht weiter quer über die Sahara bis Libyen, dann über das Mittelmeer, ehe die Sonnenfinsternis die Türkei erreicht. Die totale Phase wird in Antalya kurz vor 13.00 (MESZ) bzw. 14.00 Uhr Ortszeit erreicht und wird rund drei Minuten dauern. Die Totalitätszone zieht dann weiter über das Schwarze Meer, den Kaukasus und endet in Zentralasien.
Der Bereich, in den die Sonnenfinsternis vom 29. März partiell zu sehen sein wird, ist wesentlich breiter und reicht von Nordeuropa bis ins südliche Afrika. Über Österreich werden laut der Astronomiezeitschrift "Der Sternenbote" je nach Standort zwischen 46 bis 55 Prozent des Sonnendurchmessers vom Mond bedeckt sein. Über Österreich dauert das ganze Spektakel von 11.39 Uhr bis 13.54 Uhr.
Zweite Sonnenfinsternis nicht in Österreich sichtbar
2006 bietet am 22. September noch eine zweite Sonnenfinsternis, die in einer Zone vom Norden Südamerikas bis zum südwestlichen Indischen Ozean ringförmig zu sehen sein wird. Über Österreich wird sich die Sonne allerdings nicht verfinstern. Die nächste totale Sonnenfinsternis über unserem Land wird sich erst am 3. September 2081 ereignen.
Das kommende Jahr bietet auch zwei Mondfinsternisse, die beide über Österreich eher unspektakulär ausfallen werden. In der Nacht auf den 15. März wird sich der Vollmond nach Mitternacht ein wenig verdunkeln, er gerät in den Halbschatten der Erde. Ein wenig deutlicher wird sich unser Trabant in den Abendstunden des 7. September verfinstern, er gerät zum Teil in den Kernschatten der Erde, mit dem Maximum kurz vor 21.00 Uhr.
Der Frühling beginnt 2006 am 20. März um 19.26 (MEZ), der Sommer am 21. Juni um 14.26 (MESZ), der Herbst am 23. September um 6.04 Uhr (MESZ) und der Winter am 22. Dezember um 1.23 (MEZ). Die Sommerzeitperiode beginnt am 26. März und endet am 29. Oktober.
Sternenstaub zum Auftakt des Weltraumjahrs 2006
Das Weltraumjahr 2006 beginnt mit einem ungewöhnlichen Ereignis - der Landung einer Raumsonde auf der Erde: Die US-Raumfahrtorganisation NASA erwartet die Rückkehr der Kapsel "Stardust". Die Sonde hat vor rund einem Jahr erfolgreich Materie des Kometen "Wild 2" eingefangen und soll diese zur Erde bringen. Die Landung ist für den 15. Jänner geplant. Es wäre das erste Mal seit den Apollo-Mondflügen, dass Wissenschafter extraterrestrisches Material untersuchen können.
Bereits zwei Tage später soll mit "New Horizons" die nächste epochale NASA-Mission starten. Es ist die erste Sonde, die direkt zum Planeten Pluto fliegen wird. Obwohl "New Horizons" laut NASA das zur Zeit schnellste Raumschiff ist, wird die Sonde für ihre rund sechs Milliarden Kilometer lange Reise zehn Jahre brauchen. Starttermin ist der 17. Jänner, das Startfenster beträgt 35 Tage.
Nach den Starts von einigen Erdbeobachtungssatelliten schickt die NASA im Mai mit "STEREO" wieder Sonden tiefer ins All. Mit Beteiligung von Experten des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird mittels zweier Satelliten die Sonne beobachtet. Derzeit ist der 26. Mai als Starttermin angesetzt.
Nach den zahlreichen technischen Problemen soll nach derzeitiger Planung im Mai wieder das Space-Shuttle "Discovery" zu einem Raumflug starten, Ziel wird die Internationale Raumstation ISS sein. Mit "AIM" und "THEMIS" stehen dann im Herbst wieder Missionen zur Erdbeobachtung auf dem NASA-Programm.
Eine Reise zu den relativ kleinen Himmelskörpern "Ceres" und "Vesta" des so genannten Asteroidengürtels wird die NASA mit der Mission "Dawn" unternehmen, die im November starten soll. Die Kleinplaneten setzen sich, so die Annahme, aus sehr ursprünglichem Material zusammen, aus jener Materie, aus der auch das ganze Sonnensystem entstand.
Bei der europäischen Weltraumorganisation ESA geht es erst im April so richtig los, wenn der zweite Testsatellit für das Satellitennavigationssystem "Galileo" gestartet werden soll. Im April wird auch das Raumschiff "Venus Express" ihr Ziel erreichen. 500 Tage lang wird die Sonde Temperatur, Zusammensetzung und Dichte der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten sammeln und zur Erde funken. IWF-Forscher nehmen unter anderem mit einem Gerät zur Vermessung von Magnetfeldern an der ESA-Mission teil.
Am 30. Juni soll "METEOP" starten, ein Wettersatellit, der in Zusammenarbeit mit Meteosat betrieben wird. Im November schließlich steht nach dem derzeitigen Terminkalender der ESA noch der Start von "Goce" bevor. Dieser Satellit wird feinste Veränderungen des Gravitationsfeldes der Erde vermessen und so etwa Meeresströmungen untersuchen.
Venus Express einer der Höhepunkte heimischer Raumforschung
Das Einschwenken von "Venus Express" in eine Umlaufbahn um unseren Nachbarplaneten im April und der Start des französischen Weltraumtelekops "Corot" - vermutlich im Juli - werden die Höhepunkte des Weltraumjahres 2006 aus österreichischer Sicht sein. Für "Venus Express" bauten die Wissenschafter um Wolfgang Baumjohann vom Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA einen so genannten Magnetometer.
"Venus Express" startete im November zum heißen Nachbarn. Ziel der Mission ist die Untersuchung der dichten, unwirtlichen Atmosphäre der Venus. Eigenes Magnetfeld - wie unsere Erde - besitzt der Planet nicht. Allerdings kommt es beim Kontakt mit den von der Sonne ausgesandten Teilchen mit der Venusatmosphäre zu magnetischen Phänomenen, diese sollen mit dem Magnetometer des IWF untersucht werden. Die Forscher erhoffen sich dadurch Aufschlüsse, wie die Venus laufend einen Teil der Atmosphäre verliert, erklärte Baumjohann im Gespräch mit der APA.
Mit dem Weltraumteleskop "Corot" wollen Astronomen hauptsächlich ferne Sterne beobachten und auch nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems fahnden. "Sterne sind keine starren Gebilde, sie wackeln teilweise wie ein Pudding", so der Wissenschafter. Aus diesen so genannten Oszillationen können die Astronomen auf das Innere der Sterne und deren Aufbau schließen. Auch an unserer Sonne erforschen Helioseismologen die Schwingungen.
Um der Datenflut, welche das Teleskop liefern wird, Herr zu werden, haben die IWF-Experten gemeinsam mit dem Institut für Astronomie der Universität Wien einen Datenextrahierer entwickelt. Es handelt sich im Prinzip um einen Filter, einen kleinen Computer, der nur nach für die Wissenschafter relevanten Ausschau hält.
Für die "Themis"-Mission der US-Raumfahrtorganisation NASA entwickelten die IWF-Wissenschafter ebenfalls Magnetometer. Mit fünf Satelliten soll im Rahmen der Mission das Magnetfeld der Erde untersucht werden. "Themis" soll im Herbst starten.
Eine Auswertesoftware für das Projekt "Goce" der ESA entwickelte das IWF in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Graz. Bei dieser Mission sollen über Satelliten feine Veränderungen im Schwerefeld der Erde vermessen und so etwa Meeresströmungen erforscht werden. "Goce" könnte nach derzeitigen Planungen im November 2006 starten.
Beim Projekt "STEREO" der NASA steht die Beobachtung der Sonnen im Mittelpunkt. Der Start ist für Mai angesetzt. Entscheidend für die Beobachtung sind unterem die Radioantennen der Satelliten, die von IWF-Mitarbeitern kalibriert wurden. Sonne und Sonnenwind sollen erstmals in 3-D aufgenommen werden, die Wissenschafter erhoffen sich dadurch ein besseres Verständnis des Sonnenwindes, der sich auch auf der Erde unangenehm bemerkbar machen kann. (apa/red)
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