Samstag, 31. Dezember 2005

"profil": Lorenz ortet "unqualifizierte
Reaktion auf 25 Peaces"-Plakate

  • "25 Peaces"-Co-Leiter verteidigt Rückzug der Sujets
    Kritik an Politik: 'Unzulänglichkeit und Mittelmäßigkeit'
  • Finanzierung: Wer zahlte viel diskutierte Plakate?
    Plassnik: Bilder für Europagefühl "nicht hilfreich"
    PLUS: Die Aufreger-BILDER zum Durchklicken!

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" begründet Wolfgang Lorenz, Co-Leiter des Gedenkjahr-Projekts "25 Peaces", seine Entscheidung, die umstrittenen Sujets der Kunstkampagne euroPART zurückzuziehen. "Wir wollten unser Projekt durch die öffentliche Zensur, die hier ausgeübt wurde, nicht gefährden. Ich will jetzt, dass die anderen 73 Künstler zur Diskussion gestellt werden und habe außerdem keine Lust, der Politik weiter eine Vorlage für ihre eigenen Unzuständigkeit und Mittelmäßigkeit in Sachen Kunstäußerung zu bieten." Zensurvorwürfe an die Adresse von "25 Peaces" wegen des Rückzugs der umstrittenen Sujets halte er aber "für ungerechtfertigt".

Im Gegensatz zu Co-Leiter Georg Springer ist Lorenz von den Reaktionen nicht überrascht: "Natürlich haben wir gewusst, dass die Aktion Aufsehen erregen würde. Mit einer solchen Staatsoperette, die zur Weltoperette ausufert, haben wir aber tatsächlich nicht gerechnet. Die unqualifizierte Reaktion der Öffentlichkeit hat nicht in mein aktuelles Bewusstsein über die Gegenwart gepasst. Ich dachte, wir wären schon weiter."

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel habe die Werke vor Beginn der Kunstaktion nicht gesehen, betont Lorenz im "profil"-Interview. "Natürlich hat er die Sujets nicht gekannt. Wir sind froh, wenn Kunstförderung nicht fragt, wie die Kunst aussieht, die man fördert. Das Bild von Frau Ostojic freilich hätte man kennen können. Es war in unseren Werbefoldern abgedruckt und seit zwei Monaten im Internet."

Das Honorar für die Künstler habe jeweils 1000 Euro betragen. Dass manche der Werke nicht neu sind, stört Lorenz nicht: "Nur einige Arbeiten der Serie waren bereits vorher vorhanden. Entscheidend ist die Frage, ob sich die Werke auf der Höhe der Zeit befinden." Peter Noever, Direktor des MAK, habe bereits Interesse an den Werken bekundet.

Verständnis für die in seiner Beurteilung "unqualifizierte Reaktion der Öffentlichkeit" kann Lorenz nicht aufbringen: "Ich weiß nicht, wie durch diese Fotos die Menschenwürde herabgesetzt werden sollte. Man muss nur genau hinschauen, um den Inhalt des Fotos zu dekodieren. Statt dessen hat man sich mit einem ersten Eindruck begnügt", sagt Lorenz im "profil"-Interview. "Österreich hat ein gestörtes Verhältnis zur Leiblichkeit. Es wird immer dann gefährlich, wenn Haut auftaucht. Das ist eine barock-katholische Prüderie."

31.12.2005 10:26