Aus für umstrittene "EU-Sex-Plakate": Anrüchige Sujets bereits abgenommen!
- Finanzierung: Wer zahlte viel diskutierte Plakate?
Plassnik: Bilder für Europagefühl "nicht hilfreich" - Presse: "Erregung in dem als prüde bekannten Land"
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·'Aufregung im als prüde bekannten Land'
Auslandspresse amüsiert sich über 'EU-Sexplakate'
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Diese Motive sorgten für heftige Proteststürme
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Die umstrittenen Sujets von Carlos Aires und Tanja Ostojic, die in den vergangenen Tagen im Rahmen der Plakatserie "Peace gerollt" für mediale und politische Erregung gesorgt haben, sind am Freitag von den "Rolling Boards" entfernt worden. Dies wurde im "25 Peaces"-Büro gegenüber der APA bestätigt.
Die Bilder zeigen drei nackte Darsteller mit Masken von George W. Bush, Queen Elizabeth und Jacques Chirac beim Sex bzw. eine mit blauem EU-Slip bekleidete Frau. Am Donnerstagabend haben die Projektverantwortlichen verlautbart, dass die Sujets entfernt werden. 146 Plakate von 73 Künstlern sind weiterhin bis 30. Jänner in Wien und von 24. bis 30. Jänner in Salzburg zu sehen.
Schon vor der angekündigten Entfernung der umstrittenen Sujets, die einen weiblichen Unterleib mit EU-Slip bzw. Kopulierende mit Masken von George W. Bush, Queen Elizabeht II und Jacques Chirac zeigen, hatte nämlich die SPÖ in dieser Beziehung den Druck auf das Bundeskanzleramt verstärkt. Der geschäftsführende Klubchef Josef Cap wollte aus Unterlagen wissen, dass das gesamte Projekt "Peace gerollt" 500.000 Euro an finanzieller Unterstützung aus öffentlichen Geldern erfahren haben und dem widersprechende Darstellungen des Büros von Kanzler Wolfgang Schüssel (V) folgerichtig unwahr seien.
Falsch hieß es dazu aus der ÖVP. Die Finanzierung der 500.000 Euro sei über externes Sponsoring der ÖIAG erfolgt, die Mittel seien vom Bundeskanzleramt nur verwaltet worden. Allerdings widerspricht dem die Verstaatlichtenholding. ÖIAG-Sprecherin Anita Bauer betonte, dass man dem Projekt keine Gelder zur Verfügung gestellt habe. Die Regierung habe die Verstaatlichten-Holding lediglich informiert, "dass ÖIAG-Dividenden an den Bund in das Projekt geflossen sind" - das heißt, auf indirektem Weg sind sehr wohl öffentliche Gelder an die Aktion gegangen, folgt man den Angaben der ÖIAG.
Schüssel meldet sich zu "Sex-Plakaten"
Nachdem die umstrittenen Sex-Plakate der Aktion "Peace gerollt" wieder entfernt wurden, hat sich auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) erstmals persönlich zur Causa zu Wort gemeldet. Sein Bild von Europa sei eines "aus vielen einzelnen Identitäten", so der Kanzler in der Tageszeitung "Die Presse". Ob auch die provokanten Beiträge der Künstler solche Farbtupfer Europas seien? "Natürlich sind sie das", sagte Schüssel.
Das sei aber nur ein "Mosaiksteinchen". Deshalb habe auch die Initiatorengruppe gemeint, Österreich solle die unterschiedlichen Stimmen der Kunst sichtbar machen. "Dass es dabei auch bestimmte geschmackliche und künstlerische Qualitätsnormen geben sollte, steht außer Frage. Das haben die Initiatoren ja auch selbst eingesehen", meinte der Kanzler. Dass die Arbeiten letztlich zurückgezogen wurden, wollte Schüssel nicht direkt kommentieren: "Das ist jetzt nicht mein Thema für die Präsidentschaft. Wir haben mitgeholfen, das über verschiedene Sponsoren Aktivitäten möglich geworden sind. Das halte ich nach wie vor für gescheit. Ich bedaure das auch nicht."
Plakate für Europagefühl "nicht hilfreich"
Als "nicht hilfreich" hat Außenministerin Ursula Plassnik (V) die umstrittene Plakatserie empfunden. Ihre Arbeit sei es, in Österreich das Europagefühl zu verstärken: "Dazu hat diese Aktion wirklich nicht beigetragen", meinte sie Donnerstag Abend in der "Zeit im Bild 2".
Erhitzte Gemüter: Plakate "Themenverfehlung"
Kräftig diskutiert wurde während des Tages auch darüber, was man von den Plakaten abseits der Erregung der "Kronen Zeitung" zu halten habe. Kunststaatssekretär Franz Morak (V) empfindet die Bilder als "Werbeprojekt zum Thema EU" für eine "Themenverfehlung". Die Plakate seien "die Menschenwürde verletzend" sowie "sexistisch". Die SPÖ ruderte mit ihrer Kritik dagegen ein klein wenig zurück. Cap wollte nicht von einer "Kunstdebatte" reden sondern nur noch von einer "Debatte über eine politische Marketingkampagne des Bundeskanzlers" und wies jeglichen Verdacht der Kunstfeindlichkeit zurück. Seitens der Grünen meinte Kultursprecher Wolfgang Zinggl, die Sache sei die Aufregung nicht wert, und BZÖ-Chef Jörg Haider nannte die Plakate "entbehrliche Blödheiten".
Diskutiert wurde auch innerhalb der Künstlerschaft. So meinte etwa Günter Brus zu den Werken, diese seien "billige Effekthascherei". Gegen ein Abhängen der Bilder war er trotzdem: "Man sollte den Klamauk ruhig durchziehen." Hier war Brus auf gleicher Linie mit Hermann Nitsch. Wenn die umstrittenen Arbeiten jetzt entfernt würden, sei es "schade ums Geld", meinte der Aktionskünstler: "Die Politiker haben schon einen größeren Blödsinn finanziert".
Vergleich mit Jacksons "Nipplegate"
Enttäuscht über die Aufregung gab sich die Kuratorin der Aktion Ursula Maria Probst, die "Skandalisierung" in der Debatte ortete. Und Aires, der die Bilder mit den Porno-Szenen gemalt hatte, meinte lapidar: Österreich sei in der Erregung über die EU-Plakate der "25 Peaces" auf dem Niveau der USA bei "Nipplegate" angelangt - also jenem Auftritt der Popsängerin Janet Jackson, bei dem ihr eine Brustwarze aus dem Oberteil gerutscht war und daraufhin ganz Amerika "in diesen Skandal eingetaucht" sei, wie es Aires formulierte.
Auch wenn nun vier Bilder fehlen, ist die Aktion freilich noch nicht zu Ende. Es verbleiben 146 Plakate von 73 Künstlern aus ganz Europa. Diese werden wie geplant bis 30. Jänner in Wien und von 24. bis 30. Jänner in Salzburg zu sehen sein
(apa/red)
