"Wir haben die Schule neu verwirklicht": Gehrer mit viel Eigenlob für Bildungs-Politik
- ÖVP-Ministerin schließt baldiges neues Schulpaket aus
- Umsetzung der Ideen, dann "nächste große Schritte"
·Molterer überzeugt: ÖVP gewinnt Wahl '06
'Absolut' sicher, dass BZÖ
Einzug in den NR schafft
·FORMAT: So stehen Sterne für Politiker!
Sehr brisante Ergebnisse:
Schüssel verliert Wahlen!
·FORMAT: Kanzler oder Pensionist!
Das Schicksalsjahr 2006 von Wolfgang Schüssel!
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) will im kommenden Jahr den Schulen offenbar kein weiteres "Schulpaket" zustellen. "Ich bin der Meinung, dass wir einmal all das, was wir bis jetzt beschlossen haben, umsetzen sollten", sagte sie im Gespräch mit der APA. "Die nächsten großen Schritte" will sie aber schon gemeinsam mit den Betroffenen planen, etwa eine neue Form der Schul-Inspektionen.
Gehrer hatte ursprünglich - bei der Präsentation des Abschlussberichts der Zukunftskommission im April dieses Jahres - vier "Schulpakete" mit insgesamt acht "Arbeitspaketen" angekündigt, bisher wurden zwei "Schulpakete" beschlossen. "Wir werden im nächsten Jahr sicher eine Planungsphase haben", sagte Gehrer. So werde 2006 die "große Herausforderung" darin bestehen, die Pädagogischen Hochschulen (PH) zu installieren, die 2007 starten sollen. Dabei gehe es etwa um die organisatorische und personelle Zusammenführung der 51 Pädagogischen Akademien und Institute in zwölf PH.
Gehrer will neue Form der Inspektionen
Zu den Planungs-Vorhaben der Ministerin zählt eine neue Form der Inspektionen. "Dabei geht es aber nicht um die Abschaffung der Bezirksschulinspektoren, die sind mir lieb und teuer, wenn sie gut sind." Es gehe vielmehr um eine neue, moderne Art. um eine Schule gesamthaft zu evaluieren und nicht punktuell einen Lehrer anzuschauen. Prüfen will sie dabei auch, ob Teams aus jeweils anderen Bundesländern diese Evaluierung machen sollen.
Im Bereich Schulentwicklung plant Gehrer mit Unterstützung des neuen Bundesinstituts für Bildungsforschung regelmäßig Qualitätsfeststellungen - mit Feedback an die einzelnen Einrichtungen. "Die Krux an Studien wie PISA ist ja, dass die einzelne Schule überhaupt nichts davon hat und keinerlei Rückmeldung erhält", so die Ministerin. Im Gegensatz dazu soll bei einem regelmäßigen Monitoring die Schule, aber auch der einzelne Schüler Rückmeldungen über die erbrachten Leistungen erhalten, aus denen man etwas ablesen und dadurch etwas verändern kann.
Noch mehr Eigenständigkeit für Schulen?
Diskutieren will Gehrer weiters, ob man den Schulen noch mehr Eigenständigkeit geben könnte, indem man ihnen Ressourcen zuteilt und freistellt, wie sie ihre Klassen bzw. Gruppen zusammenstellen. Damit könnte man auf die derzeitigen strengen Regelungen mit Teilungsziffern verzichten. Notwendig für eine solche erweiterte Autonomie seien aber klare Spielregeln. Andernfalls passiere es etwa, dass eine Schule das Freifach Chinesisch anbiete und dann sage, sie habe zu wenig Ressourcen, um die Klassen in Englisch zu teilen. "Und ich bekomme dann die Protestbriefe, dass der Bund zu wenig Ressourcen zur Verfügung stellt", so Gehrer.
"Schule braucht auch Fingerspitzengefühl"
Im April bzw. Mai des kommenden Jahres werden Schüler wieder für die internationale Bildungsvergleichsstudie PISA sowie die Lese-Studie PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study) getestet (die Ergebnisse erscheinen im Dezember 2007). Auf die Frage, ob die seit Bekanntwerden der Ergebnisse der letzten PISA-Studie getroffenen Maßnahmen positive Auswirkungen auf die Schülerleistungen haben werden, sagte Elisabeth Gehrer: "Schule ist kein Kurzfrist-, sondern ein Langfristprogramm. Schule braucht Entwicklung, aber Schule braucht auch Fingerspitzengefühl. Da kann man nicht mit dem Hammer daher rennen und die Neuerungen hineinhämmern."
Außerdem will Gehrer "endlich die sich hartnäckig haltende Mär beenden, dass wir nur auf Grund der PISA-Diskussion etwas im Schulbereich getan hätten." Wenn sie ein Resümee darüber ziehe, was in den vergangenen zehn Jahren ihrer Amtszeit als Bildungsministerin umgesetzt worden sei, müsse sie sagen: "Wir haben die Schule neu verwirklicht." Da und dort könne es noch Fehler geben, vielleicht sei noch nicht alles 100-prozentig umgesetzt. "Aber von den Rahmenbedingungen her, der Selbstständigkeit der Schulen, den Angeboten und Lehrplänen, den modernen Lehrmethoden, der Lehrer- und Managerausbildung her, haben wir die Schule neu verwirklicht", so Gehrer.
"Wir haben das Kind in den Mittelpunkt gestellt"
"Und wir haben das Kind in den Mittelpunkt gestellt", so die Ministerin weiter. Dies sei ein Punkt, an dem sie immer mehr merke, dass sie sich von SPÖ und Grünen unterscheide: "Ich will den jungen Menschen mit seinen Bedürfnissen und Anlagen in den Mittelpunkt stellen und nicht das Kollektiv." Außerdem glaube sie, dass Leistung noch immer Leistung bleiben müsse, weshalb die Schule auch Noten vergeben solle, auch wenn diese nicht als Disziplinierungsmaßnahme gesehen werden dürften.
"Und ich werde nicht zulassen, dass man alle Schulen in einen Topf wirft", sagte Gehrer im Zusammenhang mit Forderungen nach Einführung der Gesamtschule. "Das halte ich gelinde gesagt für einfältig, ein gutes, bestehendes Schulsystem zu zertrümmern." Dennoch könne man auch Verbesserungen der Organisation überlegen, etwa wie man die Polytechnischen Schulen besser einfügt und organisiert. Eine entsprechende Expertenrunde, die Gehrer im Februar angekündigt hat und die sich Gedanken über langfristige Reformen im Schulbereich machen soll, ist aber noch nicht eingesetzt. Dafür ist die Ministerin noch auf der Suche nach Experten.
Der Entwicklung, dass der Erfolg von Schule und Bildungspolitik zunehmend an den Ergebnissen von internationalen Bildungsvergleichsstudien wie PISA gemessen wird, entgegnet Gehrer: "Wollen wir wirklich, nur damit unsere Kinder bei PISA gut sind, nur mehr in Multiple-Choice-Tests denken?" Deshalb plädiert sie, bei solchen Tests zwar so gut wie möglich zu sein, aber nicht das rasche Ausfüllen solcher Tests als wichtigste Lebensgrundlage für die Zukunft zu sehen.
Und noch einen Wunsch hat die Ministerin: "PISA ist nicht die einzige Studie, die eine Aussage über ein Schulwesen trifft. Man sollte sie deshalb nicht überbewerten." Allen anderen Studien würden daneben untergehen, etwa jene, wonach sich österreichische Kinder in der Schule wohlfühlen würden, finnische Kinder dagegen gar nicht. Wenn sie sich etwa die Selbstmordraten von Ländern anschaue, die ihre Kinder besonders gut drillen würden, wie Japan oder Korea, "sage ich ehrlich und schlicht: Das möchte ich nicht."
(apa)
