Falscher Priester aufgeflogen: Als Aushilfs- pfarrer in zwei oberösterreichischen Orten
- Ersetzte drei Monate lang Pfarrer, der auf Kur war
- Pfarrgemeinderat deckte den Schwindel auf
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Ein mutmaßlicher falscher Priester ist in Oberösterreich aufgeflogen. Der aus Bayern stammende Mann soll drei Monate lang als "Aushilfspfarrer" in zwei Gemeinden gewirkt haben. Vor Weihnachten wurde er aber entlarvt. Die Diözese Linz befasste am Dienstag mit dem Fall.
Der mutmaßliche Hochstapler war in zwei Gemeinden im Innviertel tätig, wo er sich als Aushilfe für den Pfarrers anbot, der sich auf Kur befand, berichtete die Kronen Zeitung in ihrer Dienstag-Ausgabe. Seine angeblichen Referenzen waren sehr gut: Er gab an, seit 20 Jahren Priester zu sein, unter anderem habe er im weltberühmten Wallfahrtsort Altötting gewirkt. Er überzeugte auch, weil er als bibelfest und theologisch geschult war. In den beiden Gemeinden eroberte er die Herzen der Gläubigen im Sturm, weil er recht umgänglich war. Er las Messen und auf Wunsch einer Trauerfamilie hielt er eine Totenmesse. Auch die traditionelle Pfarrwallfahrt nach Maria Schmolln führte er im Talar an.
Pfarrgemeinderat meldete Zweifel an
Doch vor Weihnachten tauchten Zweifel an seiner Qualifikation auf. Der Pfarrgemeinderat stellte Nachforschungen an. In Altötting war unbekannt. Auch für seine Priesterweihe fand sich vorerst kein Beweis. Der Bürgermeister seines Heimatortes in Bayern wird von der Kronen Zeitung mit "Ich weiß nicht, was er tut, Pfarrer ist er nicht. Unser Priester hat ihn schon ins Gebet genommen" zitiert. An der Weihnachtsmette in einer der beiden Innviertler Gemeinden, die er mitzelebrieren hätten sollen, durfte er nicht mehr mitwirken.
Das ORF Radio Oberösterreich erreichte den Mann Dienstag früh in seinem Heimatort in Bayern. Zu den Vorwürfen wollte er nicht Stellung nehmen. Er erklärte, er sei auf dem Weg ins Spital. Die Frage, ob er geweihte Priester sei, beantwortete er nicht.
Generalvikar zog "Notbremse"
Die Pressestelle der Diözese Linz bestätigte auf Anfrage der APA am Dienstag den Fall. Generalvikar Severin Lederhilger hat demnach nach einem Hinweis der Diözese Passau - dorthin waren Zweifel an der Echtheit des Priesters zuerst gemeldet worden - noch vor Weihnachten die "Notbremse" gezogen und bis auf weiteres jede kirchliche Tätigkeit des Verdächtigen untersagt.
Der mutmaßliche falsche Priester aus Bayern habe jedenfalls bisher keine Weiheurkunde oder den international gültigen Priesterausweis vorlegen können, teilte die Diözese mit. Dass er als "Aushilfe" tätig wurde, sei der Diözese nicht gemeldet worden. Es sei üblich, dass sich die Pfarrgemeinden die Vertretungen selbst organisieren. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände habe offenbar niemand seine Qualifikation nicht geprüft. So sei man erst durch die Verständigung aus Passau am vergangenen Freitag auf den Fall aufmerksam geworden. Der Generalvikar habe noch am selben Tag in den beiden Gemeinden angerufen und jeden weiteren Einsatz des Verdächtigen untersagt. Jetzt werde untersucht, um wen es sich wirklich handle.
Materieller Schaden dürfte nicht entstanden sein. Religiös gesehen ist allerdings jeweils keine gültige Eucharistiefeier zustande gekommen, wenn sie nicht von einem Geweihten gehalten wurde.
(apa/red)
