Mittwoch, 21. Dezember 2005

Düstere Aussichten für die französiche Autoindustrie 2006: Es droht schwerer Kater

  • Erste Kopfschmerzen stellten sich bereits heuer ein
  • Trotz Clio, Auto des Jahres, fehlen noch Verkaufshits

Nach dem Geschwindigkeitsrausch der Vorjahre droht der französischen Autoindustrie 2006 ein schwerer Kater. Erste Kopfschmerzen stellten sich bereits in diesem Jahr ein: Renault und PSA Peugeot Citroen fahren auf dem Kernmarkt Europa derzeit im Rückwärtsgang und kämpfen gegen schwindende Margen. Für 2006 sieht es düsterer aus, auch wenn Renault Formel-1-Markenweltmeister wurde und der Clio das "Auto des Jahres 2006" ist. Es fehlen ausreichend neue Verkaufshits, nachdem die kleinen Großraumtypen wie der Peugeot 1007 und der Renault Modus nicht den erhofften Erfolg brachten. Renault wird nur noch von den Nissan-Gewinnen und den Billigmarken Dacia und Samsung vorwärts geschleppt.

Ein halbes Jahr hat der neue Renault-Chef Carlos Ghosn die Lage analysiert. Jedes Werk noch im letzten Winkel der Welt hat er besucht, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Öffentlichkeit mied der Starmanager dabei. Doch vor Renault-Ingenieuren redete Ghosn Klartext: Dem Konzern drohe "das FIAT-Syndrom extremer Abhängigkeit von einem Segment und einem Land", sagte der Nissan-Sanierer. Die Hälfte des Gewinns fahre die Marke Renault mit dem Mégane in Frankreich ein. "Das ist zu anfällig."

Imageträger Mégane
Bei Nissan hat Ghosn gezeigt, wie man es richtig macht. Der mit Renault verflochtene Konzern steigerte seine operative Marge von 1,5 auf zehn Prozent. Das ist mehr als drei mal so viel wie bei Renault. Wie (seit 1999) Nissan will Ghosn nun Renault mit der Stärkung des Luxussegments in höhere Gewinnsphären fahren. Am Ziel, den Absatz bis 2010 von 1,5 Mio. auf vier Mio. Autos zu steigern, hält er fest. China soll dabei helfen. Anders als in Nordafrika, Russland oder Iran will Renault dort nicht mit dem Billig-Dacia Logan nach vorn fahren, sondern mit dem Imageträger Mégane.

Auch Peugeot hat nichts zu lachen
Die Absatzrückgänge in Europa sind nicht ungeplant: Ghosn senkt die Verkäufe an Großabnehmer, die nach Kurzzulassungen die Autos mit Rabatt als "Gebrauchtwagen" verkaufen zu können. Denn das drückt auf die Marge. Auch PSA, das deutlich mehr Autos direkt an Privatkunden verkauft, schielt auf Rendite und Oberklasse. Der Konzern kommt dank der dynamischen Marke Citroen mit ein paar Schrammen in Europa davon, obwohl Peugeot in den ersten elf Monaten 5,1 Prozent seiner Kunden verlor. Citroen hat neben dem pfiffigen kleinen C3 mit dem C6 einen luxuriösen Blickfang auf den Markt gebracht, den die Franzosen als Wiedergeburt der "Göttin" DS feiern. Auch Peugeot zielt mit dem 607 auf betuchte Kunden, hat es aber schwer, den Vorsprung von Audi, BMW und Mercedes im Markenbewusstsein der Kunden aufzuholen.

Neue Modelle 2007
Ungemach droht den französischen Autobauern ausgerechnet auf dem Stamm-Markt Frankreich. Das Wachstum dürfte 2006 mit 2,1 Mio. Erstzulassungen von drei auf 1,9 Prozent abbremsen. Allerdings wurde der Markt schon 2005 trotz neuer Modelle von den Händler-Zulassungen gezogen. Doch 2007 wollen die französischen Hersteller mit neuen Modellen wieder Gas geben. Bis dahin wollen Renault und PSA ihre Margen verteidigen: Lieber auf Absatz und Marktanteile verzichten als auf Gewinne, heißt es. Deshalb sei nicht schlimm, wenn Renault im Herbst 2005 erstmals seit 2002 in Westeuropa den Spitzenplatz im Markenwettbewerb an VW abgeben musste. (apa/red)

21.12.2005 09:20