Mittwoch, 21. Dezember 2005

Shop till you drop! Jeder dritte Österreicher
ist laut Studie der Kaufsucht total verfallen

  • Junge Frauen und Mädchen am meisten gefährdet
  • Shopping-Rausch kann in Schuldenfalle führen

Jeder dritte Österreicher neigt zur Kaufsucht. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Arbeiterkammer (AK), die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde. 7,7 Prozent der 1.000 Befragten ab 14 Jahren sind demnach stark kaufsuchtgefährdet, 24,8 Prozent gelten als "deutlich kaufsuchtgefährdet".

"Ich war erschrocken, dass das noch eine Steigerung gegenüber 2004 bedeutet", sagte AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann. Damals waren 5,2 Prozent stark, und 19,2 Prozent deutlich gefährdet, der Kaufsucht zu verfallen. Kollmann: "Die Ergebnisse sind wirklich dramatisch, betrachtet man gleichzeitig die gestiegenen Arbeitslosenzahlen oder die höheren Wohnungskosten."

Am stärksten neigt die Gruppe der 14- bis 24-Jährigen zum Kaufrausch: Insgesamt gelten 47,5 Prozent der jungen Menschen laut der Studie als kaufsuchtgefährdet. Mit rund 60 Prozent sind junge Frauen und Mädchen am massivsten betroffen. Bei den 25- bis 44-Jährigen sind auch noch 41,6 Prozent der Frauen gefährdet und 32,2 der Männer. Mit zunehmendem Alter sinkt die Gefährdung deutlich: Bei den Über-60-Jährigen betrifft es nur noch 17,4 Prozent.

"Weder Einkommen noch Beruf noch Ausbildung spielen für Kaufsuchtgefährdung eine Rolle", sagte Studienautorin Irene Kautsch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Dagegen sind Internet-Shopping und "Plastikgeld" deutliche Risikofaktoren. "Es hat sich gezeigt, dass viele der Befragten nur kaufen, um des Kauferlebnisses willen."

Die Sucht werde durch Werbung und auch den gesellschaftlichen Druck verstärkt. Kollmann: "75 Prozent sagen, dass der Druck, bestimmte Dinge kaufen zu müssen, um mithalten zu können, enorm ist. 30 Prozent haben in der Studie angegeben, dass sie oft das Gefühl haben, etwas Bestimmtes unbedingt haben zu müssen." Etwas, was sie aber eigentlich nicht unbedingt bräuchten. Am stärksten sei dieser Druck beim Kauf von Kleidung oder Elektronikgeräten zu spüren.

Die Folge sei der Sturz in die Verschuldung. Im Jahr 2004 waren 18.700 Österreicher in den Schuldenberatungen, um sieben Prozent mehr als 2003. Die Zahl der Privatkonkurse betrug laut Kollmann 5.600. "Die durchschnittliche Verschuldung eines Menschen, der sich erstmals beraten lässt, liegt bei 60.000 Euro."

Die Arbeiterkammer wiederholte deshalb ihre Forderung nach der Einrichtung des Unterrichtsfaches "Verbraucherbildung" ab der achten Schulstufe. Kollmann: "Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (V) muss ihr stures 'Njet' aufgeben." Die Ministerin stehe mit ihrer Ablehnung völlig alleine da. Sozialpartner, Lehrer und auch das Sozialministerium hätten sich längst dafür ausgesprochen. "In den skandinavischen Ländern hat man damit sehr gute Erfahrungen gemacht."

Weiters sprach sich die AK für ein Präventionsprogramm gegen Kaufsucht, das Konsumentenschutz-Staatssekretär Sigisbert Dolinschek (B) etablieren müsse, sowie für mehr Geld aus der öffentlichen Hand für die Schuldnerberatungen aus. Kollmann: "Derzeit wartet man vier bis sechs Monate auf eine Erstberatung, das ist für Menschen, die vor dem Ruin stehen, unzumutbar." (apa/red)

21.12.2005 12:48