Was vom Tsunami blieb
- Die Story des Jahres 2005

Thailand, ein Jahr danach. Die österreichischen Überlebenden kehren noch einmal an den Schauplatz des Schreckens zurück.
Franz Lechner führt durch den Ort, an dem sein Sohn Gunther, dessen Frau Dam, die vierjährige Tochter Natalie und der sechsmonatige Patrick am Vormittag des 26. Dezember 2004 ertranken. Das von dem Steirer aufgebaute Restaurant Green Village Steirereck am Strand von Thailands Khao Lak wird gerade abgerissen. Bagger haben die Wände umgestoßen, Arbeiter sortieren Stahldrähte, Holz und Dachziegel aus. Die letzten Momente seines Sohnes und dessen Familie hat der 68-jährige Fernfahrer in Gesprächen mit Augenzeugen genau rekonstruiert.
Gerade vom Einkaufen zurück war Gunther gewesen, dann hatten sie alle nahe dem Strand auf den Silberstreifen draußen in der Bucht gestarrt. Als Erste habe Gunthers Schwiegermutter, die den Säugling hielt, geschrien: Rennt! Rennt ins Haus! Als sich die braune Monsterwelle landeinwärts pflügt, wird das Haus zur Falle. In den Bungalows nebenan hatten sich Urlauber retten können, als sie das dünne Dach durchschlagen haben, sagt Lechner. Doch über Gunthers war diese Stahlbetondecke. Keine Chance hätten sie gehabt, sagt er leise. Er pausiert, fängt leise zu weinen an. Dann schreitet er in der Trümmerhalde den Grundriss des Essraumes ab. Der Beton ist bereits von Kriechpflanzen überwachsen. Er zeigt den Eingang, die Küche, schwärmt vom guten Essen, alles, vom Cordon bleu bis zur Thaisuppe, er deutet auf die Fliesen mit dem hübschen Fischmuster, die das Klo verschönerten.
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