Bruchlandung? Widerstand in Bratislava gegen Flughafen-Verkauf an Österreicher
- Zuschlag an Wien-Schwechat wäre "absurd"
- Privatisierungsberater Meinl Bank unter Beschuss
·Flughafen Bratislava: Tauziehen geht weiter
Airport Wien muss sein Angebot nachbessern
Die Empfehlung der zuständigen Privatisierungskommission an die Regierung in Bratislava, den Flughafen der slowakischen Hauptstadt an das Bieterkonsortium TwoOne um den Flughafen Wien zu verkaufen, stößt in den slowakischen Medien auf heftige Kritik. Der Flughafen Wien-Schwechat wolle sich die Mehrheit an den slowakischen Airports Bratislava und Kosice vor allem zu dem Zweck sichern, sich lästige Konkurrenten vom Hals zu schaffen, heißt es. Befürchtet wird auch eine Verteuerung der Flugtickets durch eine Erhöhung der Landegebühren.
Zu den Gegnern des Airport-Verkaufs an den Wiener Flughafen zählt etwa die liberale Tageszeitung "Sme": "Kann man sich etwas absurderes vorstellen?", wird dort rhetorisch gefragt. Obwohl das Beratungsunternehmen SH&E in seinem Bericht an die slowakische Regierung den Entwicklungsplan von TwoOne für den Flughafen Bratislava als schlecht kritisiert habe, habe sich die Kommission die Position des österreichischen Privatisierungsberaters Meinl Bank zu eigen gemacht.
Dabei sei jedoch zu bezweifeln, ob schon die Bestellung der Meinl Bank zum Privatisierungsberater eine glückliche Entscheidung gewesen sei: "Für den Flughafen Wien-Schwechat ist es von vitalem Interesse, potenzielle Konkurrenten in der Slowakei unter Kontrolle zu halten. Welche österreichische Bank würde es wagen, gegen die Interessen wichtiger österreichischer Unternehmen zu handeln?", fragt "Sme". Nun werde es von Verkehrsminister Pavol Prokopovic und der Regierung abhängen, ob der Bratislava Airport künftig "an der Leine der Wiener bellen" werde.
Die Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" befürchtet, dass der Vienna Airport seine Preispolitik nach Preßburg exportieren und damit die Billigflieger abschrecken könnte, denen der Flughafen der slowakischen Hauptstadt sein starkes Wachstum verdankt.
Die linksliberale Tageszeitung "Pravda" konzentriert ihre Kritik auf den Privatisierungsberater Meinl Bank: "Jeder vernünftige Mensch muss einräumen, dass die Empfehlung dieses Beraters nicht allzu überzeugend ist. Am besten wäre es, die Ausschreibung aufzuheben und zu wiederholen. Das ist aber wenig wahrscheinlich, weil eine neuerliche Ausschreibung erst nach den nächsten Parlamentswahlen abgeschlossen werden könnte."
(apa/red)
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