FORMAT: Persönlichkeiten sind gefragt - Welche Kompetenzen 2006 wichtig sind!
- Chancen: FORMAT fragte Recruiter und Experten
- Der Kampf um die guten Jobs wird immer härter!
PLUS: 2006: Was der ideale Mitarbeiter kann!
Jeder, der vor dem Einstieg ins Berufsleben steht oder sich für einen neuen Job bewirbt, kennt die Frage: Worauf kommt es dem Personalchef wirklich an, wenn er seine Entscheidung über die Besetzung einer Position trifft? Ist es die Wahl der Ausbildung, die Studiendauer, sind es Praktika, oder ist es die in der Branche gesammelte Arbeitserfahrung? Oder ist es ohnehing relativ egal, was im Lebenslauf steht, und es zählen alleine Soft Skills und sicheres Auftreten beim Bewerbungsgespräch? FORMAT recherchierte bei Personalchefs, Arbeitsmarktexperten, Personalberatern und Headhuntern, mit welchen Qualifikationen und persönlichen Stärken Bewerber im nächsten Jahr besonders punkten können.
"Die Jobsituation ist zweifellos angespannt, aber für gut qualifizierte Leute, die etwa eine Kombination von Technik und Jus oder BWL und Recht aufweisen, sehe ich gute Chancen", lautet die Einschätzung des Ökonomen Wolfgang Weigel vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien.
Georg Horacek, Senior Vice President Human Ressources beim heimischen Ölkonzern OMV, plant etwa für 2006 die Aufnahme von hundert neuen Mitarbeitern. Er legt sein Augenmerk bei der Auswahl insbesondere auf internationale Ausbildung, Fähigkeit zur interkulturellen Zusammenarbeit und Teamorientierung. Das entspricht auch der immer stärkeren internationalen Ausrichtung des Unternehmens.
Die Bank Austria Creditanstalt geht von 160 Neuaufnahmen im nächsten Jahr aus, davon sechzig Maturanten und vierzig Professionals. Erich Cibulka, Leiter Human-Ressources-Bereichs der BA-CA, achtet stark auf die professionellen Fähigkeiten. Bewerber sollten also ganz konkret etwas von Projekt- und Changemanagement verstehen. Für Akademikerjobs liegt der Schwerpunkt des BA-CA-Personalbedarfs bei Wirtschafts- und Rechtswissenschaftsabsolventen.
Dies entspricht dem allgemeinen Trend. 41 Prozent der Unternehmen schreiben laut dem Ratgeber "Career" Stellen für Wirtschaftsabsolventen aus. Auf Rang zwei rangieren Ingenieure (29 %) vor Naturwissenschaftlern (12 %). Ursula Axmann vom Zentrum für Berufsplanung der WU Wien beobachtet eine große Nachfrage nach Finanzspezialisten: "Über vierzig Prozent der Firmenanfragen richten sich an Controller und künftige Steuerberater."
Gerade für die besser bezahlten Stellen werden laut AMS vor allem Kompetenzen in der Wirtschafts- und Finanzberatung oder technische Qualifikationen verlangt. Consulter Peter Gusmits von Neumann International empfiehlt die Kombination fachlicher Kompetenzen: "Technische, kaufmännische und rechtliche Studien sollten idealerweise durch solche ergänzt sein, die multikulturelles Wissen und Verständnis vermitteln, von Orientalistik bis Ethnologie."
Laut einer Erhebung des Bildungsministeriums können Uni- und Fachhochschulabsolventen in der österreichischen Privatwirtschaft mit Einstiegsgehältern zwischen 1.500 und 2.000 Euro brutto pro Monat rechnen. Mehr als siebzig Prozent der Jungakademiker fallen in diese Bandbreite. Immerhin ein Viertel der Berufseinsteiger - vorwiegend Wirtschaftsabsolventen und Techniker - kommen auf höhere Startgehälter. Über 3.000 Euro verdient allerdings nur eine kleine Minderheit.
"Legen Wert auf gesamtheitliche Bildung"
Um von der Wirtschaft umworben zu werden, muss nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die Persönlichkeit eines Bewerbers aus der Masse herausragen. "Wir legen neben der Fachqualifikation Wert auf gesamtheitliche Bildung", sagt Monika Kircher-Kohl, Finanzvorstand der Infineon Austria.
OMV-Recruiter Georg Horacek setzt "neben technischen Studien auf Programme wie CEMS', Joszef' oder Meisterklasse Osteuropa', die die internationale Zusammenarbeit fördern".
Soft skills zählen in Zukunft mehr
Obwohl es als schwierig gilt, Soft Skills zu bewerten, rät Consulter Stefan Steger von Heidrick and Struggles Personalisten zu dieser Vorgehensweise: "Wer seine Mitarbeiter aufgrund von Social Skills auswählt, hat einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil, weil formale Kriterien leichter von Konkurrenten kopiert werden können." Experten sehen gerade darin die Kompetenz der Zukunft. "In zehn Jahren wird weniger konkretes Detailwissen als vielmehr die Fähigkeit zur Problemlösung wichtig sein", erwartet AMS-Expertin Maria Hofstätter. Auch der Wirtschaftspsychologe Othmar Hill unterstreicht in seiner Studie für den Ratgeber "Career" die Wichtigkeit von Soft Skills. "Unternehmerisches Denken ist im Anforderungsprofil ein Muss. Aber auch die Kommunikations- und Teamfähigkeit spielen eine immer wichtigere Rolle", so Hill. Aus der Umfrage wird außerdem klar, dass die Persönlichkeit des Bewerbers für wichtiger angesehen wird als gute Noten oder ein schneller Studienabschluss.
Flexibilität und Mobilität werden geradezu gebetsmühlenartig von allen Fachleuten genannt. Für Infineon-Chefin Kircher-Kohl "ist klar, dass jene, die auch bereit sind, für eine Zeit ins Ausland zu gehen, größere Chancen haben". Flexibel und mobil müssen Bewerber aber nicht nur im geografischen Sinn sein. "In einem internationalen Unternehmen ist ein Gefühl für Toleranz und kulturelle Vielfalt bedeutend", sagt Kircher-Kohl. Gerhard Hirczi, Leiter der Abteilung Human Ressources bei Siemens: "Wir würden uns neben der geografischen Beweglichkeit auch die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen, wünschen." Flexibilität im Denken ist auch für Stefan Steger eine neue Basisqualifikation: "Da sich die Dinge heute schnell ändern, reüssieren jene, die sich schnell auf neue Situationen einstellen."
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