FORMAT: Der richtige Kurs für jeden Job - Weiterbildung für Arbeitnehmer wichtiger!
- Teilnehmer verlangen ein individuelles Eingehen!
- PLUS: Die Top-Trends in Sachen Weiterbildung!
Perfektes Auftreten, Teamfähigkeit, topaktuelles Wissen aus der Branche - die Anforderungen an die Arbeitnehmer werden ständig höher gesteckt. Um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, investieren viele Menschen viel Zeit und Geld in Weiterbildung. Mehr als ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung besucht laut Statistik Austria Seminare, die dem beruflichen Fortkommen dienen.
Als Gründe nennen die Teilnehmer vor allem bessere Aufstiegschancen (39 Prozent) und den Wunsch, fachliche Probleme versierter lösen zu können (36 Prozent; s. Grafik S. 258). "Das Bewusstsein, dass aktuelle Kenntnisse den persönlichen Marktwert steigern, ist bereits tief verankert", sagt Fritz Gregshammer, Institutsleiter des WIFI Wien. Manchmal kommen Kursteilnehmer auch, wenn es konkrete Probleme gibt. "Wenn im Betrieb etwas nicht so gelingt, wie die Manager es gerne hätten, kommen sie zu uns", sagt Katharina Fischer-Ledenice, Leiterin des Hernstein Instituts.
Sprachen sind besonders gefragt
Beim WIFI, dem Marktführer in Sachen beruflicher Erwachsenenbildung, kommen gerade Kurse über Buchhaltung, Kostenrechnungen oder Office-Management gut an. Rund ein Drittel aller gebuchten Seminare befassen sich mit Betriebswirtschaft. An zweiter Stelle rangieren Seminare zu branchenspezifischen Themen wie dem Hotelleriebereich oder dem Kredit- und Geldwesen. EDV, Technik- und Persönlichkeitskurse sind ebenfalls gefragt.
Dies dürfte den Anforderungen der Arbeitgeber entsprechen. Laut einer Umfrage des Wirtschaftspsychologen Othmar Hill erwarten Personalchefs von ihren Mitarbeitern Weiterbildung vor allem im Persönlichkeitsbereich. Es folgen Fachkenntnisse, EDV und Sprachen.
Sprachkurse gehören überhaupt zu den beliebtesten Weiterbildungen in jeder Berufssparte. Den vorhergesagten Boom der Ostsprachen erkennt noch kein Anbieter, sie rechnen aber damit, dass der Bedarf steigen wird. So wie Fremdsprachenkenntnisse helfen auch international anerkannte Abschlüsse der Mobilität auf die Sprünge und sind deshalb gefragt.
Bei den speziell für Manager gestalteten Seminaren stehen die Themen Führungskompetenz, Umgang mit Mitarbeitern sowie Steuer- und Rechtsthemen hoch im Kurs. Fischer-Ledenice erklärt: "Die Manager wollen lernen, was es heißt, Mitarbeiter zu führen und die Firma fit für die Zukunft zu machen." Eines ihrer gefragten Angebote, "Rechte und Pflichten des Geschäftsführers" (Kosten: 550 Euro pro Tag), setzt sich mit rechtlichen Regelungen und Haftungsrisiken auseinander.
Während sich Hernstein an Manager wendet, sind am WIFI über ein Drittel der Kursteilnehmer nicht leitende Angestellte. 8 Prozent der WIFI-Kurse werden von Unternehmern gebucht, 18 Prozent von leitenden Angestellten. An diese beiden Gruppen richtet sich das Angebot der WIFI Unternehmensakademie und des WIFI Management Forums. Unternehmensführung und moderne Managementmethoden stehen dort im Mittelpunkt (Kostenbeispiel: rund 700 Euro für zwei Tage). Doch auch im herkömmlichen Kursprogramm finden sich zahlreiche Angebote für Unternehmer, von Personalentwicklung bis Führungskompetenz. Im Kursjahr 2005/06 setzte das Wifi mit Ausbildungen zum Human Resource Manager, Innovationsmanager und Key Account Manager neue Schwerpunkte.
In der Seminargestaltung wird zunehmend Individualisierung gewünscht. Laut Michaela Kern, selbständige Trainerin und unter anderem für das "WIFI Management Forum" tätig, hat "früher Begeisterung für einen Kurs genügt. Heute will der Kunde ein Werkzeug in die Hand bekommen und nach dem Seminar genau wissen, wie er es anwendet." Auch Fischer-Ledenice beobachtet: "Die Leute wollen, dass sich jeder Euro, den sie investieren, im Effekt darstellen lässt." Dazu käme, so Trainerin Kern, auch die Zeitkomponente: "Die Leute sind unter Zeitdruck und wollen in kurzen Seminaren sichtbare Ergebnisse erzielen."
Die Kosten werden geteilt
Sowohl die Teilnehmer selbst als auch Unternehmen und Staat lassen sich die Weiterbildung einiges kosten. Pro Jahr fließen rund 800 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln in diesen Bereich, Unternehmen geben 860 Millionen aus. Laut einer Umfrage von Fessel-GfK unter 500 Unternehmen sehen diese die Verantwortung für berufliche Weiterbildung aber primär bei den Arbeitnehmern und erst sekundär bei den Firmen. Die privaten Weiterbildungsaufwendungen betrugen zuletzt 790 Millionen, zusätzlich wird auch immer mehr von den Förderungen von AK, AMS oder WAFF Gebrauch gemacht.
Herwig Stage, Leiter des Berufsförderungsinstituts (bfi) Wien, sieht diese Entwicklung als Signal: "Das öffentliche Förderungsprogramm wird stärker genützt, ist aber noch lange nicht ausgereizt. Man müsste hier viel mehr machen. Die Erwachsenenbildung wird ausgehungert." Auch WIFI-Österreich-Boss Landertshammer fordert eine Erhöhung der Staatsausgaben für Erwachsenenbildung.
Trotz des Schlagworts "Life-long-learning" sind es hauptsächlich die Jungen, die sich weiterbilden. Über 30 Prozent der 25- bis 44-Jährigen sind weiterbildungsbegeistert, bei den 50-Jährigen sind es nur 21 Prozent. Kein Wunder, dass die Anbieter verstärkt die Älteren für ihre Programme motivieren wollen. bfi-Leiter Stage: "Es gilt eben für alle, dass man ohne lebenslanges Lernen heute nicht mehr auskommt."
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