Visa-Boss Nahlik im FORMAT-Interview: "Das Ende der Steinzeit rückt immer näher''
- Über neue Konditionen & mehr Sicherheit im Internet
- Kooperationen und Zusatz-Features für Firmenkunden

Helmut Nahlik lässt im FORMAT-Interveiw aufhorchen. So sagt der Visa-Boss zum Beispiel: "Hacker sind dank unseres Sicherheitssystems chancenlos."
FORMAT: Ihr neuer Werbeslogan lautet "Bargeld ist Steinzeit". Was wollen Sie im kommenden Jahr unternehmen, um mit Unterstützung von Fred Feuerstein die Österreicher von der altmodischen Gewohnheit abzuhalten, bar zu zahlen?
Nahlik: Das Ende der Steinzeit im Zahlungsverkehr rückt zweifellos im-mer näher. Der Trend zum Einkaufen mit Kreditkarte ist ungebrochen, sowohl gemessen an der Zahl der Nutzer als auch am Umsatz pro Kopf. 2006 eröffnet sich uns durch die EU-Präsidentschaft Österreichs eine gute Gelegenheit, die Kreditkarte weiter zu verbreiten, indem wir das Händlernetz noch engmaschiger stricken.
FORMAT: Die Akzeptanz der Unternehmen ist die eine Seite, um Kunden anzusprechen. Welche Pläne haben Sie, um die Konsumenten für den verstärkten Einsatz der Kreditkarte zu begeistern?
Nahlik: Wir wollen bestimmte Zielgruppen stärker unterstützen. So kommen wir Müttern in der Karenzzeit nun finanziell entgegen. Die meisten Frauen haben schon vor der Geburt des Kindes gearbeitet und sind es gewohnt, eine Kreditkarte zu benutzen. Da während der Karenz meist weniger Geld zur Verfügung steht, haben wir nun den "Visa-Baby-Bonus" eingeführt. Das bedeutet, junge Mütter bekommen die Visa-Karte zwei Jahre lang zum halben Preis.
FORMAT: Eine Kundenschicht, die besonders stark wächst, sind die Internetkäufer. Hier hört man immer wieder von Gefahren. Was tun Sie, um Kunden vor Missbrauch zu schützen?
Nahlik: Wir haben bereits vor rund zwei Jahren mit "Verified by Visa" ein System entwickelt, das solche Angriffe unmöglich macht. Alle Daten werden da-mit höchstmöglich verschlüsselt und die Identität von Karteninhaber und Vertragspartner 100-prozentig überprüft. Mittlerweile nutzen mehr als 45.000 Karteninhaber und 500 Händler dieses System.
FORMAT: Kreditkartenfirmen gehen zunehmend Kooperationen mit anderen Unternehmen ein. Mithilfe dieser so genannten Co-Branding-Cards haben die Kunden nicht nur eine Kreditkarte, sondern erhalten auch noch vom Kooperationspartner wie der AUA spezielle Vergünstigungen wie etwa Flugmeilen. Hat dieses Modell Zukunft?
Nahlik: Flugmeilen sammeln, indem man mit Kreditkarte zahlt, ist tatsächlich der Renner unter den Co-Branding-Angeboten. Ansonsten ist diese Produktsymbiose in den USA, wo es solche Kooperationen schon länger gibt als in Europa, seit Jahren rückläufig.
FORMAT: Sind denn die Kunden nicht für Extras des jeweiligen Partners zu begeistern?
Nahlik: Das schon. Aber es ist für die Partner nur sinnvoll, wenn die Rabatte stimmen und es sich trotzdem für die Unternehmen lohnt. Amerikanische Autoproduzenten haben zu Beginn sehr hohe Rabatte auf den Autopreis gewährt. Das hat sich auf Dauer nun einmal nicht gerechnet. Geben die Firmen aber niedrigere Rabatte, ist der Anreiz für die Kunden zu gering, so eine Karte zu nehmen. Schließlich bekommen sie diesen Rabatt auch so. Ähnlich schwierig gestaltet es sich in anderen Branchen, Vergünstigungen und deren Finanzierbarkeit zu vereinbaren.
FORMAT: Immer mehr Unternehmen statten ihre Mitarbeiter mit Firmen-Kreditkarten aus. Was tun Sie, um in diesem lukrativen, aber hart umkämpften Segment die Klientel bei der Stange zu halten?
Nahlik: Wir bieten attraktive Vergünstigungen wie eine Gratis-Zweitkarte für den privaten Gebrauch und eine detaillierte Reisekostenabrechnung. Zum anderen bekommen unsere Kunden wichtige Zusatzleistungen, die es nur bei uns gibt. So übernimmt Visa bei der so genannten Corporate-Card die Haftung, wenn der Karteninhaber, sprich ein Mitarbeiter, die Karte missbräuchlich verwendet.
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