Plastik für alle Lebenslagen: FORMAT über den Boom der Bankomat- und Kreditkarten!
- Kartenfirmen setzen '06 auf neue Vertragspartner!
- "Zielgruppenkarten" wie für Golfer oder Fußballfans
·10 Trends 2006 der Kreditkartenbranche!
Zielgruppenkarten und Gebührenrabatt boomen!
·Vier Kreditkarten mit Zusatzleistungen!
FORMAT: Autofahrer-, Flug, Maut- und Golfkarte!
In den Kassen klingelt es immer seltener. Bereits jeder vierte Österreicher zückt zum Begleichen seiner Rechnung lieber eine Kreditkarte. Noch vor zehn Jahren war es nicht einmal jeder achte. Doch der Kampf um die Kunden wird härter. Schuld daran ist vor allem der gewaltige Anstieg von Bankomatkarten.
In nur zehn Jahren ist die Zahl der Bankomatkartenbesitzer von 1,9 auf 6,6 Millionen hinaufgeschnellt. Nach einem verhaltenen Start ist die Nachfrage nach diesem weltweit einsetzbaren Zahlungsmittel seit 2001 stark gestiegen. Im Schnitt liegt das jährliche Wachstum seither bei rund zehn Prozent.
Eher verhalten verläuft dagegen die aktuelle Entwicklung bei Kreditkarten. Die Kartenfirmen kommen, nach einem rasanten Wachstum in der Vergangenheit, derzeit über Zuwächse von rund fünf Prozent kaum hinaus. Auch bei den Umsätzen sind die Kreditkarten von den Bankomatkarten überholt worden. So bezahlten die Österreicher im Vorjahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 9,1 Milliarden Euro mit Bankomatkarte. Mit Visa wurden zum Vergleich Rechnungen im Wert von 3,7 Milliarden Euro beglichen, bei MasterCard waren es 3,1 Milliarden Euro. An die hohen Zuwächse der Vergangenheit werden die Kreditkartenorganisationen aller Voraussicht nach auch nicht mehr anschließen können. MasterCard-Geschäftsführer Peter Neubauer: "Der klassische Markt für Kreditkarten ist praktisch erschöpft."
Zusatzleistungen sollen der Vorteil sein
Um trotz des verschärften Wettbewerbs Kunden zu ködern, setzen die Kreditkartenfirmen auf genau das, was Bankomatkarten nicht bieten: nämlich Zusatzleistungen und speziellen Service.
Diners Club, heute eher ein Exote im Kreditkartengeschäft, versucht seit diesem Herbst, mit einem neuen Kreditratenmodell zusätzlich Geld zu verdienen. So können Diners-Mitglieder, wie bei einem echten Bankkredit, ihre Einkäufe langsam abstottern und müssen nicht, wie sonst üblich, schon kurz nach Erhalt der Kartenrechnung zahlen. "Wir sind das erste Karteninstitut, das derart flexible Ratenzahlungen anbietet", so Diners-Club-Chef Karl Kainzner.
Kunden können für bis zu 5.000 Euro eine flexible Teilzahlung vereinbaren. Dafür gibt es nur zwei Richtlinien: Es müssen pro Monat mindestens zehn Prozent der offenen Summe beglichen und monatlich zumindest 100 Euro inklusive Zinsen gezahlt werden. Kainzner: "Mit Sollzinsen von 9,5 Prozent liegen wir rund 30 Prozent unter dem Mitbewerber."
American Express will vor allem die zahlungskräftige Klientel noch besser servisieren. "Wir werden im ersten Quartal 2006 bei unseren Premiumkarten die Versicherungsleistungen weiter verbessern", verspricht Amex-Österreich-Chef George Frey. Besitzer von Platinumkarten werden ab dann auf Reisen keine weitere Versicherung mehr brauchen. Auch Fahrten mit einem Mietauto sollen künftig weltweit versichert sein.
Die breite Masse hat dagegen MasterCard-Chef Neubauer im Visier. Er will mit neuen Zielgruppenkarten die Kunden zum Gebrauch des Plastikgelds ermuntern. Wichtigster Kooperationspartner ist der Österreichische Fußballbund. "Mit dieser Fußball-MasterCard schlagen wir eine Brücke zwischen Fan und Mannschaft", so Neubauer. Beim Kauf eines Tickets für ein Heimländermatch erhalten die Kunden einerseits zwanzig Prozent Rabatt. Zum anderen werden mit jedem Einkauf die Nachwuchskicker gefördert. "Weitere Kooperationsmodelle, die auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind, werden gerade ausverhandelt", so Neubauer.
Visa-Chef Helmut Nahlik sieht weniger Chancen bei Kooperationen und will diese im Jahr 2006 nicht ausweiten. "Die Erfahrung aus den USA, wo es diese Kartenmodelle schon seit rund zehn Jahren gibt, zeigt, dass dieses System bis auf das Meilenprogramm wenig bringt", erläutert Nahlik. Vielmehr will Visa 2006 durch noch mehr Vertragspartner den Platz im Portemonnaie seiner Kunden absichern. Nachholbedarf sieht Nahlik vor allem in der ländlichen Gastronomie. Deshalb soll jedes Hotel oder Restaurant, das noch kein Visa-Logo auf seiner Tür prangen hat, mit günstigen Konditionen gelockt werden. Das Geschäft ist laut Nahlik für beide Seiten von Vorteil: "Es ist erwiesen, dass Kunden, die mit Kreditkarte zahlen, um rund 30 Prozent mehr Geld ausgeben als Barzahler." Um die Betriebe von dieser möglichen Win-win-Situation zu überzeugen, wurden die Spesen kürzlich um 0,3 Prozent auf 1,65 Prozent gesenkt.
Zusätzliche Attraktivität sollen Kreditkarten durch die Möglichkeit der elektronische Signatur erhalten. "Viele Online-Geschäfte scheitern, weil die Identität des Partners nicht zweifelsfrei feststellbar ist", erklärt Neubauer. Das soll sich mit der auf einem digitalen Code basierenden Unterschrift nun ändern (siehe auch Kasten links). Neubauer: "MasterCard hat heuer als einziges Kreditkarteninstitut begonnen, seine Zahlkarten mit einer Signatur-funktion auszustatten. Diese funktioniert unabhängig von der Zahlungsfunktion." Diese Anwendung soll nicht nur Behördenwege auf elektronischem Weg vereinfachen, sondern auch das Online-Geschäft weiter ankurbeln. Andere Karteninstitute dürften diesem Beispiel folgen.
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