Freitag, 23. Dezember 2005

FORMAT: Das Sparbuch im Rückspiegel - In der Fondsbranche knallen die Sektkorken!

  • Fonds wollen 2006 über 24 Mrd. Volumenzuwachs!
  • Die Anleger haben noch mehr Auswahl zur Verfügung

In der Fondsbranche knallen die Sektkorken in diesem Jahr schon lange vor Silvester. Die Zuwächse der Gesellschaften übertreffen heuer selbst die kühnsten Erwartungen. "Die Leute kaufen unsere Produkte wieder wie zu Zeiten des Börsenbooms in den 90er Jahren", gibt sich Mathias Bauer, Chef der Raiffeisen-Fonds, überschwänglich. So legt der Fondsmarkt 2005 voraussichtlich um rund 25 Prozent auf 156 Milliarden Euro zu (siehe Grafik unten). Das entspricht einem Marktwachstum von 31,2 Milliarden Euro. "Ein neuer Rekord", freut sich Wolfgang Dorten, Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG).

Dieser Superlativ ist mit einem weiteren, höchst bemerkenswerten Faktum verbunden: Erstmals überstieg nämlich im Mai 2005 das Fondsvolumen der inländischen Fonds jenes von Spareinlagen. Unangefochtene Nummer eins unter den Fondsanbietern ist Raiffeisen mit einem verwalteten Vermögen von 34,1 Prozent, gefolgt von Erste Sparinvest und Capital Invest.

Auch im nächsten Jahr soll der Run auf die Produkte der Fondsgesellschaften anhalten. Raiffeisen-Chef und VÖIG-Präsident Bauer: "Wir gehen für 2006 von einem 15-prozentigem Wachstum auf 180 Milliarden Euro aus." Zu diesem Volumen der inländischen Fondsgesellschaften kommen noch rund 20 Milliarden von ausländischen Fondsgesellschaften - genaue Statistiken gibt es nicht. Damit haben die Fremdfonds einen Marktanteil von rund elf Prozent. Davon entfällt ein großer Teil auf Bausteine in Dachfonds österreichischer Banken. Die Nummer eins ist laut Dachfondsstatistik des Fachblatts "Fonds Professionell" JPMorgan mit 481 Millionen Euro, gefolgt von den US-Mitbewerbern Fidelity und Merrill Lynch sowie der deutschen DWS und der skandinavischen Nordea.

2006 soll der Anteil der internationalen Fondsindustrie deutlich zulegen. "Seit Juli dieses Jahres sind Auslandsfonds endlich steuerlich mit Inlandsprodukten gleichgestellt. Durch diese Waffengleichheit erwarten wir bereits im nächsten Jahr stärkere Zuwachsraten als bisher", so Berndt May, Österreich-Chef der US-Fondshauses JPMorgan und Sprecher der Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich (VAIÖ).

Trend: Keine Index-Kopien
Bei klassischen Aktienfonds gibt es einen eindeutigen Trend: weg von Produkten, die mehr oder weniger blind einen vorgegebenen Index kopieren. Stattdessen haben die Fondsmanager mehr Freiheiten, wirklich jene Aktien zu kaufen, von denen sie überzeugt sind. Als neue Messzahl für den Erfolg gilt das Alpha. Je höher dieser Wert, desto größer der Renditevorsprung gegenüber dem Vergleichsindex. Die Portfolios werden außerdem häufig stark konzentriert und enthalten oft nicht mehr als 50 Aktien. 100 Papiere in einem Portfolio und mehr sind keine Seltenheit. Doch die große Freiheit hat auch ihre Tücken, denn schwerwiegende Fehltritte sind nicht auszuschließen. Dass die Chancen die Risiken rechtfertigen, zeigt etwa der Schroder European Equity Alpha, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren 22 Prozent über dem Index lag. Auch der Pioneer Top European Players, der die besten 30 Anlageideen Europas herausfiltert, hat den Index deutlich geschlagen.

Außerdem gewinnt der konkrete Anlagestil der Manager immer mehr an Bedeutung. Tatsächlich zeigen die vergangenen fünf Jahre eines ganz deutlich: Wer Value-Fonds, also solche, die auf solide unterbewertete Aktien setzen, im Depot hatte, war fast automatisch auf der Gewinnerseite. Anleger, die zwar in derselben Region, aber in aggressive Growth-Fonds investiert waren, rutschten tief ins Minus. Doch nun raten die Börsenprofis, die Taktik zu ändern. "Es ist Zeit, wieder auf wachstumsstarke Titel umzuschwenken", so Michael Hughes, Portfoliomanager der Investmentgesellschaft JPMorgan. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis dieser Aktien ist auf dem tiefsten Niveau seit 15 Jahren."

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23.12.2005 10:07