Freitag, 23. Dezember 2005

FORMAT-Interview mit WK-Boss Christoph Leitl: "Wir fürchten uns immer noch zu viel"

  • Der Präsident spricht über den flauen Arbeitsmarkt
  • Sein Patentrezept für den Standort Österreich!

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl im FORMAT-Interview über den flauen Arbeitsmarkt, Arbeitslose als Firmengründer und sein Patentrezept für den Standort Österreich.

FORMAT: Wie viele neue Arbeitsplätze schafft Österreichs Wirtschaft 2006?
Leitl: 26.000 ist die Prognose. 32.000 wären nötig, damit die Arbeitslosenrate auf derzeitigem Niveau bleibt. Wunschziel wäre natürlich eine Trendwende mit rückläufigen Arbeitslosenzahlen. Experten sehen dafür zwar derzeit keine Möglichkeit, aber wir sollten trotzdem daran arbeiten. Wenn nicht wir daran glauben, dass es gelingen kann, wer dann?

FORMAT: Wir hatten 2005 mit 7.000 Konkursen einen Pleitenrekord.
Leitl: Unter dem Strich bleibt ein Geburtenüberschuss, wie wir ihn noch nie hatten.

FORMAT: Unter den Gründern finden sich viele unfreiwillige Selbständige: Angestellte, die ihren Job verloren haben.
Leitl: Auch das gibt es, aber es trifft nur auf sieben Prozent der Fälle zu. Außerdem ist es nichts Schlechtes, wenn Jobverlust zur Selbständigkeit führt. Ich habe selbst solche Gründer begleitet, und viele sind heute stolz auf ihre Firmen. Kürzlich hat mir so ein Unternehmer gesagt, dass er vor drei Jahren gedacht hatte, die Welt stürzt ein, und heute tut ihm nur noch leid, dass er den Schritt nicht früher gewagt hat.

FORMAT: Wie lässt sich der Wirtschaftsstandort Österreich weiter verbessern? Die Wirtschaftskammer fordert unter anderem ein neues Insolvenzrecht ...
Leitl: ... es soll vom Zerschlagungs- zum Sanierungsrecht werden. Ich möchte, dass ein gesunder Kern weitergeführt wird. Der Betrug, der bei Abweisungen mangels Masse nach vorheriger Vermögensverlagerung stattfindet, gehört unterbunden. Wir brauchen darüber hinaus Konjunkturimpulse.

FORMAT: Verwaltungsreform klingt spröde. Denken Sie an einen bestimmten Beamten, den Sie für überflüssig halten?
Leitl: Ich denke etwa an das Betriebsanlageverfahren, das im Durchschnitt neunzig Tage dauert. Die besten Bezirkshauptmannschaften schaffen es in 45 Tagen. Wenn es alle in 45 Tagen schaffen würden, wäre allen geholfen. Die Unternehmer sparen Zeit, der öffentliche Apparat könnte verschlankt werden.

FORMAT: Das Thema ist mehr als ein Jahrzehnt alt. Warum geht nichts weiter?
Leitl: Es gibt keinen Gesamtkoordinator. Finanzminister Grasser müsste das machen. Wir würden einen normalen Managementprozess brauchen, aber das schafft die öffentliche Hand offensichtlich nicht. Bei der Wirtschaftskammer haben wir das geschafft: Wir haben die Beiträge um dreißig Prozent gesenkt und die Leistungen um dreißig Prozent gesteigert.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT!

23.12.2005 09:41