FORMAT blickt in wirtschaftliche Zukunft: Basteln am Wirtschaftsstandort Österreich!
- Wie Wirtschaftsstandort abgesichert werden kann
- In welchen Bereichen mehr investiert werden muss
·FORMAT: Das tut sich 2006 in Österreich!
Standort: Verwaltungs- reform, Forschungsmanko
Pauschalurteile von Firmenkapitänen über den Wirtschaftsstandort Österreich klingen meist positiv: "Er ist gut und wettbewerbsfähig, deshalb investiere ich 10 Millionen Euro in ein Forschungszentrum in Vorarlberg und nicht in China oder Amerika", meint der Industrielle Mirko Kovats (A-Tec Industries). Ähnlich Norbert Zimmermann (Berndorf AG): "Die Privatisierung der wichtigsten staatlichen Unternehmen ist erfolgreich umgesetzt, der Börseplatz Wien unumstritten, der ATX spricht Bände. Österreich ist im internationalen Vergleich ausgezeichnet."
Geht es um ihre konkreten Arbeitsbedingungen in Österreich, haben Unternehmer und Topmanager auch einiges zu mäkeln. Ihre wichtigsten Verbesserungsvorschläge laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger: Österreichs Verwaltung muss effizienter werden, das Bildungssystem besser, die Infrastruktur - vor allem das Straßennetz - sollte ausgebaut werden, die Überregulierung abgebaut. Wünsche, die sich allesamt nicht neu anhören.
Die Bundesregierung sieht sich in puncto Wirtschaftsstandort dennoch als Reformmotor. Schließlich gelingt Österreich auf diesem Spielfeld, was am Fußballplatz seit Cordoba 1978 nicht mehr klappt: Rot-Weiß-Rot schlägt Schwarz- Rot-Gold. Zumindest laut einer Studie der Standortberatungsfirma Contor. Ausschlaggebend für den Sieg Österreichs über Deutschland waren vor allem die hierzulande längeren Jahresarbeitszeiten (1.750 Stunden, Deutschland: 1.568 Stunden), die niedrigeren Ertragssteuern und das günstigere Verhältnis von Lohnkosten und Produktivität.
Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. "Ein Sieg gegen Deutschland, das ist, wie wenn ein Lada-Fahrer gegen einen Trabi-Fahrer gewinnt", ätzt SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter. Tatsächlich ist Österreich im "World Competitiveness Report 2005" des Lausanner Instituts für Manager-Entwicklung (IMD) in der Rangliste der Wirtschaftsstandorte vom 13. auf den 17. Platz zurückgefallen. Deutschland befindet sich demnach ebenfalls am absteigenden Ast.
Gute Platzierungen aber man muss weiterarbeiten
Auskunft darüber, wie es nun wirklich um den Wirtschaftsstandort Österreich bestellt ist und wohin die Entwicklungen gehen, geben Eckdaten wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf oder Exportquote, an denen sich Experten orientieren. Resümee: Österreich liegt im EU-Vergleich nicht schlecht, aber es gibt keinen Grund, sich auszuruhen.
Beim BIP pro Einwohner liegt Österreich mit 27.100 Euro unter den EU-25 hinter Luxemburg, Irland und Dänemark an der ausgezeichneten vierten Stelle und weit über dem EU-Schnitt von 22.300 Euro. Bestens hält sich Österreich auch in Spezialdisziplinen, die für internationale Konzerne wichtig sind: So kommt hierzulande auf tausend Arbeitnehmer ein Streiktag pro Jahr, im EU-Schnitt sind es 47 Tage.
Dafür liegt Österreich bei der Selbständigenquote mit bloß acht Prozent unterm Schnitt (12 Prozent). 23.000 Neugründungen im Jahr 2005 waren zwar Rekord, doch dem stand ein Pleitenrekord mit 7.000 Firmenkollapsen gegenüber. Auch bei den Arbeitskosten liegt Österreich mit 20,53 Euro je Stunde schlecht (Schnitt: 17,43 Euro).
Ungünstig wirken sich zudem der hohe Spitzensteuersatz von 50 Prozent bei Lohn- und Einkommensteuer aus, die Abgabenquote liegt bei geschmalzenen 42,1 Prozent (EU-Schnitt: 40,6 Prozent). "Steuersätze sind nicht alles, sonst wären alle Unternehmer in Singapur", meint Helmuth Hofer, Konjunkturexperte des Institutes für höhere Studien (IHS). Doch Hofer ortet trotzdem Handlungsbedarf. "Es wäre ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort, wenn der Spitzensteuersatz etwas gesenkt würde."
BIP pro Einwohner oder Exportquote (Österreich liegt bei Letzterer im oberen Mittelfeld) dokumentieren den Status quo des Standortes. Wie er sich künftig entwickelt, hängt aber vor allem von der Qualifizierung der Mitarbeiter, vom Ausbau der Infrastruktur und von den Investitionen in Forschung und Entwicklung ab. Der vielleicht wichtigste Standort-Indikator ist die Forschungsquote, und da ist Österreich mit 2,19 Prozent des BIP nur durchschnittlich.
In Schweden etwa fließt mit 4,27 Prozent des BIP viel mehr Geld in die Forschung. Auch Finnland liegt mit 3,51 Prozent weit besser. Selbst die Deutschen schlagen in dieser Wertung Österreich, was ihnen laut Experten wie Wifo-Mann Hofer künftig auch wieder ein schnelleres Wachstum bescheren könnte.
West-Ost-Gefälle bei Entwicklung
Der Wirtschaftsstandort Österreich entwickelt sich dabei nicht in allen Regionen gleich. "Das West-Ost-Gefälle schwächt sich durch die neuen Beitrittsländer ab, aber es gibt dort noch viel Aufholbedarf", analysiert Peter Mayerhofer Experte für Strukturwandel und Regionalentwicklung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). "Das Burgenland wächst trotz niedrigerem Niveau noch längst nicht so rasch wie Vorarlberg."
Wichtigster Trend im Osten: Die Region "Centrope", die Großräume Wien und Bratislava, Südmähren und Westungarn, wächst immer stärker zusammen.
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