Österreichs Wirtschaft wächst 2006 stärker:
Institute prognostizieren Anstieg von 2,4 %
- Schub durch Export und bei den Investitionsgütern
Konjunktur dürfte aber 2007 wieder abflachen - Trotz wirtschaftlicher Erholung weiter viele Arbeitslose
Österreich sieht wirtschaftliche Zukunft optimistisch

·Energiepreise sinken in Österreich wieder
Aber: Öl & Co kosten um 8,1 Prozent mehr als '04
·OPEC: Ölverbrauch wird 2006 steigen!
China ist für 1/5 des Anstiegs verantwortlich
Die österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute haben am Donnerstag ihre Wachstumserwartungen für nächstes Jahr deutlich nach oben revidiert - das Wifo wesentlich kräftiger als das bisher schon recht optimistische IHS. Hauptsächlich wegen der erwarteten starken Entwicklung im Export und bei den Investitionsgütern hat das Wifo seine Prognose für nächstes Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent angehoben, das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet für 2006 nun eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,3 (bisher 2,1) Prozent.
2007 soll das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts laut Wifo wieder auf 2,0 Prozent zurückgehen. Das IHS rechnet für übernächstes Jahr mit einem Wachstum von 2,2 Prozent. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang ist die für Anfang 2007 geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland. Die österreichische Binnennachfrage wird sich nach Meinung der Institute 2006 und 2007 nur leicht beschleunigen.
Für das zu Ende gehende Jahr 2005 sehen Wifo und IHS nun übereinstimmend ein reales Wachstum von 1,9 (bisher 1,7/1,8) Prozent. 2004 war die heimische Wirtschaft um 2,4 Prozent gewachsen. Bei den letzten beiden Einschätzungen der Konjunkturentwicklung Anfang Juli und Ende September hatten die Forschungsinstitute ihre Konjunkturerwartungen für 2005 und 2006 deutlich zurückgenommen.
Trotz Belebung nicht weniger Arbeitslose
Trotz der erwarteten Belebung der Konjunktur werden die Arbeitslosenquoten in Österreich nicht sinken. Begründung: Zum einen steigt das Arbeitskräfteangebot weiter kräftig, zum anderen ist das erwartete Wachstum zu schwach, um einen nennenswerten Sog auf dem Arbeitsmarkt zu entwickeln.
Nur "Dank einer merklichen Erhöhung der Zahl von Schulungsteilnehmern steigt die Arbeitslosenquote im Jahr 2006 nicht weiter", schreibt das Wifo in seiner am Freitag vorgelegten Prognose. Die beiden Institute erwarten für 2006 eine unveränderte Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent nach nationaler Berechnung.
Entwarnung geben die Experten in Sachen Preisauftrieb, nachdem billigeres Öl schon in den vergangenen Monaten für niedrigere Monats-Inflationsraten gesorgt hatte: "Im Jahr 2006 sollte die Inflation bei 1,8 Prozent zu liegen kommen. Zu dieser Entwicklung tragen die stabilen Energiepreise, aber auch die kräftigere Lohnrunde bei", urteilen die IHS-Experten, die die Jahresinflation heuer bei 2,3 Prozent sehen.
Leichte Erhöhung der Reallöhne
Wegen der relativ hohen Lohnabschlüsse, aber auch der geringeren Teuerung gehen die Institute für nächstes Jahr von einer "leichten Erhöhung der Reallöhne" und einem "verhaltenen Wachstum" beim privaten Konsum aus, wie im Pressegespräch erklärt wurde.
Während die Warenausfuhren 2006 erneut beschleunigt wachsen dürften (Wifo: +6,2, IHS: +4,9 Prozent), werden die Exportbetriebe auch strukturell weiter an Konkurrenzfähigkeit gewinnen, glaubt man im Wifo: Die "relativen Lohnstückkosten" - ein Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Handelspartnern - sollen sich 2006 um ein Prozent, 2007 um weitere 1,5 Prozent verbessern.
Die Prognosen stehen freilich unter Vorbehalt - es gibt eine "hohe Unsicherheit über Rohstoffpreise und Wechselkurse", warnt das Wifo. Die Wifo-Vorhersage beruht zum Beispiel auf einem Ölpreis von 57 Dollar das Fass und einem Eurokurs von durchschnittlich 1,16 Dollar. Sollte sich das Öl wieder deutlich verteuern oder der Euro stärker werden, werde dies die Prognosen negativ beeinflussen, heißt es.
Das internationale Konjunkturumfeld wird in den nächsten beiden Jahren als günstig angenommen: Die Volkswirtschaften im Euroraum inklusive Deutschland sollen 2006 und 2007 deutlich stärker wachsen als bisher, den USA werden trotz deutlich höheren Zinsen immer noch drei Prozent BIP-Plus prognostiziert. Das größte Risiko für die Konjunktur dort glaubt Wifo mittlerweile in einem möglichen Platzen der Immobilienblase erkennen zu können.
Differenzen in Einschätzungen zum Defizit
Was das Budget betrifft, gehen Wifo und IHS in Übereinstimmung mit dem Finanzminister von einem (gesamtstaatlichen) Defizit von 1,7 Prozent des BIP in diesem Jahr aus. Auch für 2006, für das ein Budget vorliegt, differieren die Einschätzungen kaum: 1,9 Prozent (Wifo) und 1,8 (IHS) Prozent. Für 2007 scheiden sich die Geister dagegen klar: Während das IHS an das im aktuellen Stabilitätsprogramm angepeilte Defizit-Ziel von 0,8 Prozent glaubt, geht das Wifo von einem Minus von 1,5 Prozent aus - auch dieser Wert könne nur erreicht werden, wenn "die Verwaltungsreform II auf allen Ebenen umgesetzt wird", so das Wifo.
(apa)
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