Größter Osteuropa-Deal in Österreichs Geschichte: Erste Bank übernimmt BCR!
- 62 Prozent-Anteil kostet Wienern 3,7 Milliarden Euro
- PLUS: Erste Bank hat damit über 15 Millionen Kunden
·Erste Bank: Einkaufs- tour in Osteuropa!
INFOGRAFIK: Alle Über- nahmen seit dem Jahr '00
·15 Millionen Kunden für die Erste Bank
Neue Kapitalmarktziele wegen des BCR-Deals
·Größte Privatisierung
in Rumänien bisher
Präsident Basescu: Deal
"Lektion in Transparenz"
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Neun europäische Banken wollten die Banca Comerciala Romana (BCR). Die börsenotierte Wiener Erste Bank bekam den Zuschlag für die größte Bank Rumäniens. Alles sei "sehr transparent" und "fair" gelaufen, lobt der Generaldirektor der Erste Bank, Andreas Treichl, sein Verhandlungsgegenüber in Bukarest. Mit 3,75 Mrd. Euro für die zum Verkauf stehenden knapp 62 Prozent stach er den letzten Mitbewerber, eine portugiesische Großbank, aus und markierte einen neuen österreichischen Preisrekord.
Wenige Minuten nach dem Zuschlag für die rumänische Großbank hat der Erste-Vorstand in Wien bereits bestätigt, zur Refinanzierung des Deals bis März 2006 eine Kapitalaufstockung über mehrere Milliarden Euro durchführen zu wollen: "Die Erste Bank plant im ersten Quartal 2006 eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von ungefähr 2,4 Mrd. Euro durchzuführen". Momentan beträgt der Börsewert der Erste Bank rund 11 Mrd. Euro.
Mit dem Kaufvertrag übernimmt die Erste Bank die Aktien-Mehrheit - im Detail 36,88 Prozent von der Rumänischen Regierung, jeweils 12,5 Prozent plus eine Aktie von der EBRD und der Weltbank-Tochter IFC - an der Banca Comerciala Romana für 3,751 Mrd. Euro.
Damit greifen die Wiener sehr tief in die Tasche: Denn auf Basis des Buchwerts (zum 30. Juni) vom 1,037 Mrd. Euro entspricht dieser Aktienkaufpreis einem Preis/Buchwert-Verhältnis von 5,8 ("Multiple"). Dazu kommen für die Erste Bank noch Integrations- und neue Risikokosten für 2006 in dreistelliger Millionenhöhe. Nie zuvor gab ein österreichisches Unternehmen so viel für eine Auslands-Akquisition aus.
Es gab schon erste Indikationen, ab wann sich der Aktienkauf in Rumänien für die Erste rechnen soll: Beruhend auf dem aktuellen Businessplan für die nächsten Jahre werde "ab 2009 mit einem ungefähr bei 10 Prozent liegenden Return on Investment (ohne Finanzierungskosten) gerechnet".
Gegen "Leichen" im Keller abgesichert
Komfortabel abgesichert hat sich das Wiener Institut freilich für den Fall, dass später "Leichen" im Keller der BCR auftauchen könnten. Tritt ein solcher Fall ein, würde es entsprechend billiger. In den Vertragsverhandlungen habe man "sehr gute Garantien und Gewährleistungen" erreicht, die "bis zu 60 Prozent des Kaufpreises" für die 62 Prozent an der BCR ausmachen können.
Der Kaufvertrag garantiere der Erste Bank sofortigen Zugang und Einfluss auf die BCR. Zwei Mitglieder eines von der Ersten installierten "Transition Consultancy Committee" werden schon ab übermorgen - also ab 22. Dezember 2005 - als stimmrechtslose "Beobachter" an allen Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen der BCR teilnehmen, ebenso an Hauptversammlungen.
"Mit dieser Akquisition wird die Erste Bank ihren geographischen Fokus von 48 auf 70 Millionen Menschen erweitern. Ein enormer Markt, in dem wir einen Retail-Marktanteil von über 20 Prozent aufweisen werden", zeigte sich Treichl hoch zufrieden. Er hob zugleich die Verantwortung für Millionen Kunden und mehr als 12.000 neue Mitarbeiter hervor, die mit dem BCR-Kauf verbunden sei. Diese Verantwortung habe man aber schon bei den vergangenen neun Bankenkäufen in der Region seit 1997 bewiesen.
Aktienübertrag im zweiten Quartal 2006
Treichl erwartet das "Closing", also den Aktienübertrag, im zweiten Quartal 2006. Kurt Geiger, Finanzdirektor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), geht ebenfalls davon aus, dass es bis dahin jedenfalls 3 bis 4 Monate dauern wird. Denn noch seien noch etliche gesellschaftsrechtliche Details abzuschließen, auch die kartellrechtlichen Genehmigungen (national, EU) sind abzuwarten. Geiger sprach am Abend gegenüber der APA von einem "hervorragend gemanagten" Privatisierungsfinale. In seinen Augen war es überhaupt "die beste Privatisierung, an die ich mich je erinnern kann".
Ausschlaggebend für den Zuschlag an die Erste Bank war zuletzt nur mehr der Preis. Die Verkäufer, die mit beiden Finalisten - Erste Bank und portugiesische BCP (Banco Comercial Portugues) - praktisch unterschriftsreife Kaufverträge ausverhandelt hatten, stuften beide als ausgezeichnete Kandidaten und gute Käufer ein. Am Schluss habe der letztgültig gebotene Preis je Aktie entschieden. Wieviel die Portugiesen boten, ist - wie es in Bukarest heißt - außer dem Bieter selber nur der rumänischen Regierungsspitze und dem Fachministerium bekannt.
"Wichtiger Stein für Zukunft der Erste Bank"
Andreas Treichl, Chef der börsenotierten Erste Bank, hegt keinerlei Angst, sich mit dem mehrere Milliarden Euro teuren Kauf der rumänischen Großbank BCR (Banca Comerciala Romana) finanziell zu übernehmen. Und er sorgt sich auch nicht, dass die Erste Bank selber zum Opfer einer Übernahme werden könnte.
Im Gegenteil: Die Gefahr, dass die Erste Bank selber zum Übernahmeziel wird, werde durch diesen Deal noch kleiner, sagte Treichl am Dienstag Abend in der ZiB-2. Je höher der Marktwert, je teurer die Erste Bank am Markt, um so geringer sei diese Gefahr. Treichl sieht den in Rumänien zugeschlagenen Mehrheitserwerb der BCR damit sogar als einen "wichtigen Stein für die Zukunft der Erste Bank in ihrer Selbstständigkeit."
Treichl räumte ein, bis vor kurzem geglaubt zu haben, dass die (unterlegenen) Portugiesen die BCR unbedingt kauften wollten. Deshalb sei er nun freudig überrascht, "dass wir mit unserem Preis gewonnen haben."
Ob er die Gefahr sehe, sich angesichts der Rekordsumme wirtschaftlich zu übernehmen? Nein, meint Treichl. "Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir auch große Transaktionen nur durchführen, wenn wir sie organisatorisch und wirtschaftlich bewältigen können. Wir machen keine Transaktion, mit der wir uns übernehmen".
Die Finanzierung für die Akquisition stehe bereits, "wir haben uns im Vorfeld genau über die Situation am Kapitalmarkt erkundigt", sagte Treichl in dem ORF-Interview. Er sei überzeugt, "dass wir alle Mittel für diese Akquisition schon in der Tasche haben". Details zu der für das Frühjahr überlegten Kapitalerhöhung (nach Erste Bank-Aussendung um rund 2,4 Mrd. Euro) verriet der Bank-Chef nicht. Er zeigte sich überzeugt, dass sich diese neue Investition kurzfristig rechnen werde.
Vladescu: Wichtigste Privatisierung
Der rumänische Finanzminister Sebastian Vladescu zeigte sich am Dienstag abend sehr zufrieden nach der Entscheidung zum Verkauf der Mehrheit der Großbank BCR an die Erste Bank. "Es handelt sich um die wichtigste Privatisierung Rumäniens, die dem Bankensektor helfen wird sich dem Wettbewerb am europäischen Markt zu stellen", sagte Vladescu bei einer Pressekonferenz.
(apa/red)
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