Mittwoch, 21. Dezember 2005

HINTERGRUNDINFO zur Republik Jemen

  • Land ist erst seit 1990 ein vereinigter Staat

Die Republik Jemen entstand vor zehn Jahren durch den Zusammenschluss der Arabischen Republik Jemen (Norden) mit rund 3,5 Millionen Einwohnern und der Demokratischen Volksrepublik Jemen (Süden) mit rund 10,5 Millionen Einwohnern. Dabei wurden die Besonderheiten des laizistisch orientierten südlichen Landesteils weitgehend berücksichtigt. Ein mehrmonatiger verlustreicher Bürgerkrieg im Jahr 1994 endete mit dem Sieg der nördlichen Kräfte.

Der Jemen hat eine weit zurück reichende Geschichte. Die Römer nannten ihn "Arabia Felix". Von 1537 bis 1918 stand das Land unter osmanischer Herrschaft - ab 1635 nur nominell. 1918 wurde Nordjemen nach vier Jahrhunderten unabhängig vom Osmanischen Reich. Als absolute Monarchie war das Land 1945 Gründungsmitglied der Arabischen Liga.

Revolution 1962 beendete Monarchie
Die Revolution 1962 führte zum Sturz der Monarchie und einem bis 1970 dauernden Bürgerkrieg, in dem die Republikaner von Ägypten, die Royalisten vom benachbarten Saudiarabien unterstützt wurden. Die von Ägypten mit sowjetischen Waffen ausgerüsteten Republikaner unter Oberst Abdullah Sallal besiegten schließlich die Stammeskrieger von König Mohammed al-Badr.

Im Südjemen endete 1967 nach fast 130 Jahren die britische Präsenz. 1839 hatten die sich Briten in Aden festgesetzt und ab 1881 durch eine Reihe von Schutzverträgen mit lokalen Herrschern ein Protektorat errichtet. 1963 begann der bewaffnete Kampf einer marxistisch orientierten Befreiungsfront gegen die Kolonialmacht.

In der Demokratischen Volksrepublik kam es 1969 zur Machtübernahme des radikalen Flügels der Befreiungsfront. Durch den Putsch gegen Staatspräsident Salem Robaya Ali 1978 gelangten moderatere Kräfte in Aden an die Macht, die unter dem Eindruck des Zusammenbruchs des Ostblocks die Vereinigung mit dem Norden vorantrieben.

Wiedervereinigung sollte wirtschaftlichen Auftrieb bringen
Die Wiedervereinigung sollte dem Land wirtschaftlichen Auftrieb geben. Dennoch verschlechterten sich die Lebensbedingungen. Ursache dafür sind die Machtkämpfe, die fehlende Bereitschaft der traditionellen Stammesführer zur Kooperation mit der Zentralgewalt und die pro-irakische Haltung während des Zweiten Golfkriegs 1991, die zur Abschiebung Hunderttausender von Gastarbeitern aus Saudiarabien geführt hatte. Zudem kam es zum Versiegen des Ölstroms aus Saudiarabien und dem Irak.

Mit ihrem aus freien Wahlen hervorgegangenen Parlament, ihrem pluralistischen Medienwesen und ihrer eher liberalen Handhabung von Koran-Gesetze war die Vereinigte Republik der konservativen Nachbarmonarchie Saudiarabien von Anfang an ein Dorn im Auge. Riad befürchtete, dass von einem demokratischen Jemen eine Signalwirkung für die eigene Bevölkerung ausgehen könnte. Im Gegensatz zu Saudiarabien und den wohlhabenden Ölemiraten gehört der Jemen zu den ärmsten Ländern der Welt.

Bei der ersten Direktwahl des Staatspräsidenten wurde Ali Abdallah Saleh, der das Amt schon zuvor inne hatte, mit 96,3 Prozent der Stimmen bestätigt. Bei der dritten Parlamentswahl seit der Vereinigung im April 2003 siegte Salehs schon zuvor regierender Allgemeiner Volkskongress mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. An zweiter Stelle landete die religiöse Reformpartei Islah, dahinter die Sozialistische Partei des Jemen.
(apa)

21.12.2005 21:41