Medien-Jahr 2005: ORF kämpfte mit Quoten & Seledec, Rabl nimmt den Hut beim Kurier
- "Kampf um die Krone" wurde vorläufig beendet
- Trauer um Falk, Tramontana, Zehetmayr & Hufnagl
Reich an Ereignissen war das Jahr 2005 für die österreichische Medienszene. Im Print-Bereich gab es einige Umwälzungen und personelle Veränderungen, auch in der Fernsehlandschaft kam es zu zahlreichen Aufregern. Für Betroffenheit sorgte das Ableben von prägenden Figuren wie Kurt Falk, Reinhard Tramontana und Herbert Hufnagl.
Schon im Februar 2005 fand ein langjähriger deutsch-österreichischer Konflikt sein vorläufiges Ende: Das Schiedsgericht im "Kronen Zeitung"-Zwist zwischen WAZ und Hans Dichand gab dem Zeitungszar recht, was allerdings keinesfalls heißt, dass die Streithanseln seitdem harmonischere Töne anstimmen. Dichands Schwiegertochter Eva fasste indes im Printgeschäft Fuß, sie wurde Co-Geschäftsführerin des Gratisblatts "Heute".
Die Styria Median AG ("Kleine Zeitung", "Presse") setzte 2005 ihren strammen Expansionskurs fort. Die ET Multimedia wurde mehrheitlich übernommen - mittlerweile halten die Steirer 99,9 Prozent - und in "Styria.multi media AG" umgetauft.
Neuer Chef für die "Wiener Zeitung", Rabl nicht mehr Kurier-Herausgeber
Andreas Unterberger übernahm bei der "Wiener Zeitung" die Chefredaktion, Peter Rabl nahm seinen Hut als "Kurier"-Herausgeber, Chefredakteur Christoph Kotanko übernahm seine Agenden, die Herausgeberschaft wanderte zur Kurier Zeitungsverlag Gesmbh. Vorstandschef Wolfgang Zekert verabschiedete sich vom "WirtschaftsBlatt", um "mit voller Kraft" bei Wolfgang Fellners neuem Zeitungsprojekt einzusteigen.
NEWS-Gruppe: Voigt folgt Klausnitzer
Mit Claus Reitan, Conny Absenger, Andreas Weber, Andreas Lampl taten es ihm viele andere gleich. Bei der "Tiroler Tageszeitung" übernahm Frank Staud die Chefredaktion von Reitan. Rudi Klausnitzer, Generalgeschäftsführer der NEWS-Gruppe, geht mit Jahresende. Als seinen Nachfolger schickt Gruner+Jahr Oliver Voigt.
Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien stieg mit 20 Prozent beim Wochenzeitungs-Verlag der "Niederösterreichischen Nachrichten" (NÖN) ein. Der "Falter" gönnt sich seit heuer einen Steiermark-Ableger, in Salzburg fand die "Salzburger Volkszeitung" einen neuen Eigentümer, die österreichische Printlandschaft ist damit um eine weitere Parteizeitung ärmer. Das "Seitenblicke"-Magazin gehört nun zum Reich von Dietrich Mateschitz, startete neu und erscheint 14-tägig.
Neuer Chef und neues Domizil für die APA
Für die APA - Austria Presse Agentur brachte das Jahr 2005 eine ganze Reihe von Zäsuren. Nach 35 Jahren in Wien-Heiligenstadt bezog die nationale Nachrichtenagentur im Sommer ihr neues Domizil beim Naschmarkt. Chefredakteur Wolfgang Mayr verabschiedete sich in den Ruhestand und übergab die Redaktionsgeschäfte an seinen Nachfolger Michael Lang.
ORF: Quoten-Schwäche und Polit-Aufreger
Dem ORF hat das Medienjahr 2005 sinkende Quoten, einige Polit-Aufreger und frisches Geld durch den Teilverkauf der Sendetechnik beschert. Die Medienbehörde KommAustria schrieb als weiteren Schritt zur Digitalisierung den so genannten Multiplexer aus. Kronehit sendet seit Anfang des Jahres als österreichweiter Radiosender.
Aufregung um Seledec
"Seledec" war am Küniglberg eines der Reizwörter vor allem im letzten Quartal: Der Zentrale Chefredakteur des ORF unterzeichnete erst eine Parte der FPÖ für deren früheren Chef Friedrich Peter, dann nahm er an einer Kranzniederlegung am Grab des NS-Fliegers Walter Nowotny teil. Die Aufregung war enorm, die vom ORF eingesetzte interne Kommission sah keinen Entlassungsgrund.
Schon im Mai wurde der ORF zum politischen Zankapfel, als Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) anlässlich des Staatsvertragsjubiläums eine TV-Ansprache hielt. Die Opposition sah einen Bruch des Objektivitätsgebots, die Grünen richteten eine entsprechende Beschwerde an den Bundeskommunikationssenat, der allerdings keine Gesetzesverletzung feststellte.
ORF am Weg in die digitale Zukunft
Wirtschaftlich gesehen ist der ORF angesichts zahlreicher Konkurrenzsender, dem Vormarsch des digitalen Satelliten-TV und sinkender Quoten mehr denn je auf Gebühren angewiesen. Zugleich rüstete er sich 2005 für die digitale Fernsehzukunft. Die Sendetechnik wurde in die Tochtergesellschaft ORS ausgegliedert, 40 Prozent davon an Raiffeisen verkauft. Mit der ORS bewarb man sich für die Multiplex-Plattform, die künftig den digitalen Datenstrom bündeln soll.
Mahr zu Premiere
Auch der Pay-TV-Sender Premiere setzt weiter voll auf digitale Angebote. Für den ambitionierten Börsengang im Frühling des Jahres rührte Konzernchef Georg Kofler auch in Österreich eifrig die Werbetrommel. Prominente Verstärkung fand Kofler in Hans Mahr, der von RTL zu Premiere wechselte und nun auch für die Österreich-Tochter verantwortlich ist. Ein gänzlich anderes Konzept verfolgt der jüngste Fernseh-Sender Österreichs: Okto heißt das neue Wiener Community-TV und ist via Kabel zu sehen.
Mediengesetz-Novelle hilft ORF
2005 wurde das Mediengesetz novelliert, das nun auch dezidiert das Internet berücksichtigt, das KommAustria-Gesetz, mit dem die Finanzierung der Medienbehörde neu geregelt wurde, sowie - kurz vor Weihnachten - das ORF-Gesetz. Diese Novelle bringt dem Küniglberg Erleichterungen bei Sport-Unterbrecherwerbung und Kennzeichnung von Sponsoring sowie die Möglichkeit, für Sportsendungen auf TW1 Gebührengelder zu verwenden.
Abschied von Tramontana, Falk, Zehentmayr, Veenenbos und Hufnagl
Abschied nehmen hieß es 2005 von mehreren Menschen, die lange Jahre die österreichische Medienlandschaft entscheidend geprägt hatten. Kurt Falk starb im November im Alter von 71 Jahren. Im Jänner verstarb der Karikaturist Dieter Zehentmayr (63), im Dezember sein Kollege Jean Veenenbos (73). Für Betroffenheit sorgte auch das Ableben der beliebten Kolumnisten Reinhard Tramontana (57) und Herbert Hufnagl (60) im Oktober.
(apa/red)
