Intoleranter Westen? Aägyptische Moslem-bruderschaft spricht vom 'Mythos Holocaust'
- Akef: Westliche Demokratie habe "jeden angegriffen, der nicht die Darstellung der Söhne Zions teilt"
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Nach dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad hat auch der Chef der ägyptischen Moslembruderschaft den Holocaust als "Mythos" bezeichnet. Mit der gleichen Formulierung hatte Ahmadinejad am 14. Dezember internationale Entrüstung hervorgerufen. "Die westliche Demokratie hat - sofern der Mythos des Holocausts betroffen ist - jeden angegriffen, der nicht die Darstellung der Söhne Zions teilt", hieß es in einer Erklärung von Mohammed Mahdi Akef.
Die von ihm geführte islamistische Moslembruderschaft ist seit kurzem die stärkste Oppositionsgruppierung im ägyptischen Parlament. Sie tritt auch in Jordanien, Syrien und der Türkei als organisierte Kraft auf. Zu ihren radikalen Ablegern gehört die palästinensische Hamas, die für eine Zerstörung Israels kämpft.
Als Beispiele für die Intoleranz des Westens in Bezug auf die Darstellung der Judenverfolgung nannte Akef den französischen Schriftsteller Roger Garoudy und den britischen Historiker David Irving. Garoudy war 1998 verurteilt worden, weil er den Holocaust in Frage gestellt hatte. Irving droht im Jänner ein ähnliches Verfahren in Österreich. Die Anklage wirft ihm nationalsozialistische Wiederbetätigung vor.
Den USA warf Akef vor, der Welt ihre Sicht der Dinge aufzuzwingen und von ihrem Ziehkind Israel fern halten zu wollen. Die US-Drohung, den Palästinenser-Behörden die finanzielle Unterstützung zu entziehen, sollte die Hamas an den im Jänner anstehenden Wahlen teilnehmen, bezeichnete Akef als Heuchelei. In diesem Zusammenhang griff er auch die Europäische Union und ihren Chef-Diplomaten Javier Solana an und warnte die Europäer vor übereilten Handlungen, sollte die Hamas ins Parlament gewählt werden.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Akefs Stellvertreter sich in ähnlicher Weise über den Holocaust geäußert. Nach den Äußerungen des iranischen Präsidenten gefragt, hatte Mohammed Habib geantwortet: "Wir haben keine Beweise, die uns in die Lage versetzen, dieses Problem zu bestätigen oder zurückzuweisen". Es habe ganz sicher Übergriffe auf die Juden gegeben, aber nicht notwendiger Weise mit Gaskammern und nicht in der Größenordnung. Die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten ermordeten zwischen 1933 und 1945 mehr als sechs Millionen Juden.
Der Holocaust sei jedoch im Zusammenhang mit der Diskussion über die Palästinenser vollkommen irrelevant. "Was die Juden über den Holocaust propagieren, hat nichts damit zutun, wie sie die Palästinenser auf dem Gebiet Palästinas behandeln", sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. (apa)
