Ist Tamiflu gegen H5N1-Virus unwirksam? Bereits vier Todesfälle trotz Behandlung!
- Vogelgrippe-Virus entwickelt Resistenz gegen Pillen
- Hersteller: Angst vor Resistenzen ist unbegründet
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Die Vogelgrippe-Viren werden Medizinern zufolge zunehmend resistent gegen Tamiflu. In Vietnam seien vier mit dem Virus H5N1 infizierte Patienten gestorben, obwohl sie mit dem Grippemittel behandelt wurden, schreibt ein internationales Team im US-Fachmagazin "New England Journal of Medicine". "Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich bei der zurzeit empfohlenen Behandlung mit (dem Mittel) Tamiflu eine Resistenz entwickeln kann", berichten die Forscher um Menno de Jong von einer Abteilung der Oxford University in Ho-Chi-Minh-Stadt. Dem widerspricht die Herstellerfirma Roche: Die Angst vor Resistenzen sei unbegründet.
"Diese Studie zeigt erneut, wie bedrohlich das Virus ist", sagte der Virologe Prof. John Oxford von der Royal London School of Medicine dem Sender BBC. Es müsse mehr Geld investiert werden, um zusätzliche Medikamente gegen die Krankheit zu entwickeln. Auch andere Grippeviren sind nach Angaben von Anne Moscona (Cornell University, New York) gegen Tamiflu resistent. Ihr Enzym Neuraminidase - ein Angriffspunkt für Tamiflu - sei verändert. Insbesondere warnt die Medizinerin davor, Tamiflu aus Vorsorgegründen Menschen zu verschreiben, die noch nicht erkrankt sind.
Viren gegen Tamiflu resistent
Bereits Mitte Oktober hatten japanische Forscher bei einem vietnamesischen Mädchen Hinweise auf Vogelgrippe-Viren entdeckt, die gegen Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) resistent sind. Das Mädchen war allerdings wieder gesund geworden. Das Virus sei weiterhin empfindlich gegen das inhalierbare Grippemittel Relenza (Wirkstoff Zanamivir) gewesen. Auch nach Angaben von Anne Moscona gibt es bisher keinen Hinweis auf eine Resistenz gegen Relenza. Experten befürchten, dass sich das Vogelgrippe-Virus H5N1 einmal mit einem menschlichen Grippevirus mischt und daraus ein leicht von Mensch zu Mensch übertragbares Virus entsteht.
Hersteller halten Angst für unbegründet
Für unbegründet hält das Herstellerunternehmen Roche die Resistenzängste bezüglich Tamiflu. Sozialmediziner Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze wurde von Roche so zitiert: "Tamiflu wurde bisher bei über 33 Millionen Patienten zur Behandlung der Influenza erfolgreich angewandt und zeigte kaum Resistenzen. Resistenzen sind aber bei jedem Medikament zu erwarten. Die Wirksamkeit von Tamiflu ist ausgesprochen hoch und auftretende Resistenzen sind Einzelfälle."
Im Artikel von "New England Journal of Medicine" sei über acht Fälle mit der höchst aggressiven Vogelgrippe unter Tamiflu-Therapie berichtet worden, so Roche. Drei der vier Verstorbenen erhielten Tamiflu laut dem Unternehmen viel zu spät (am sechsten bzw. siebenten Tag). Das vierte Opfer, ein 13-jähriges Mädchen, sei vermutlich auf Grund einer Resistenz verstorben.
Vogelgrippe nähert sich BukarestIn Rumänien breitet sich die Vogelgrippe offenbar immer mehr in Richtung Hauptstadt aus. Zuletzt sei die Tierseuche in einem Dorf rund 80 Kilometer östlich von Bukarest aufgetreten, teilte das Landwirtschaftsministerium mit.
Unklar ist noch, ob es sich dabei wie in neun vorherigen Fällen um die auch für den Menschen gefährliche Variante H5N1 handelt. Zur Klärung sollten Proben an ein britisches Labor geschickt werden. Der betroffene Bauernhof im Ort Stefan Voda sei unter Quarantäne gestellt und die Vögel dort getötet worden, erklärten die Behörden. Seit Oktober trat die Vogelgrippe in dem südosteuropäischen Land in mehr als 20 Ortschaften auf.
Unterdessen ist in Indonesien die Zahl der bestätigten Todesfälle durch die Vogelgrippe auf elf gestiegen. Tests der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hätten die Infektion eines Achtjährigen und eines 39-Jährigen mit dem Virus H5N1 nachgewiesen, teilte ein Sprecher der Gesundheitsbehörden am Donnerstag mit. Die beiden Opfer waren bereits Mitte des Monats in der Hauptstadt Jakarta gestorben. (apa/red)
