Ex-Präsident mit schwerer Anschuldigung: Saddam will in Haft geschlagen worden sein
- Amerika weist die Anschuldigung entschieden zurück
Prozess gegen den Ex-Diktator wurde fortgesetzt - BILDER: Der Prozess gegen den Ex-Diktator
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Angeklagter mit grauem Anzug & offenem Hemd
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Massaker von Dujail und Völkermord an Kurden
Der irakische Ex-Staatschef Saddam Hussein hat die Regierung von US-Präsident George W. Bush vor Gericht der Lüge bezichtigt. Die USA hätten die Unwahrheit gesagt, was die angebliche Existenz von Chemiewaffen im Irak angehe, sagte Saddam Hussein, am siebenten Tag des gegen ihn geführten Prozesses in Bagdad. Das Weiße Haus in Washington lüge auch, wenn es die Foltervorwürfe als absurd abtue, die er am Vortag erhoben hatte. Der frühere Machthaber muss sich seit dem 19. Oktober wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem mit US-Hilfe installierten Sondertribunal verantworten. Das Verfahren ist erneut auf 24. Jänner vertagt worden.
"Im Weißen Haus sitzen Lügner. Sie haben gesagt, dass der Irak Chemiewaffen besitzt", rief Saddam. Die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen war einer der von Bush 2003 ins Feld geführten Gründe für den Angriff auf den Irak. Bisher wurden aber keine gefunden. Es wird jetzt davon ausgegangen, dass der Irak seine Chemiewaffen bereits nach dem Golfkrieg 1991 vernichtete. In den 80er Jahren entwickelte das Land solche Waffen und setzte sie auch gegen irakische Kurden ein.
"Sie haben wieder gelogen, als sie sagten, dass das, was Saddam sagte, falsch war", sagte der irakische Ex-Präsident bezüglich der US-Reaktion auf die von ihm vorgebrachten Foltervorwürfen. Das US-Präsidialamt hatte die Beschuldigung Saddams vom Vortag, er sei vom US-Militär in der Haft misshandelt worden, als absurd zurückgewiesen. "Saddam Hussein wird völlig anders behandelt als jene, die er inhaftieren und foltern ließ, nur weil sie ihre Meinung geäußert haben", sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan in Washington.
In Gefangenschaft geschlagen
Saddam Hussein sagte vor Gericht, jede Stelle seines Körpers sei geschlagen worden, und die Male seien auf seinem ganzen Körper zu sehen. Ein Gerichtsvertreter erklärte, es habe bisher keine einzige Beschwerde dieser Art der Angeklagten gegeben. "Sie haben Strom, sanitäre Einrichtungen und gutes Essen", sagte er.
Für erneute Aufregung im Prozess sorgte stag der mitangeklagte Halbbruder Saddams, Ex-Geheimdienstchef Barzan Ibrahim al-Takriti. Er warf einem Wachbeamten vor, ihn bedroht zu haben. Der Richter entband den Wächter daraufhin von seinen Aufgaben. Außerdem warf Barzan Vertretern der Anklage vor, früher selbst Genossen der Baath-Regierungspartei gewesen zu sein. Einer von ihnen wies dies mit den Worten von sich, es sei "die größte Beleidigung meines Lebens", mit dieser blutbefleckten Partei in Verbindung gebracht zu werden.
Prozess um Dujail-Massaker
In dem Prozess geht es um ein Massaker an mehr als 148 Bewohnern in dem schiitischen Dorf Dujail von 1982. Am Donnerstag sagten weitere Zeugen aus. Um ihre Identität zu schützen, saßen sie wie die meisten Zeugen bisher hinter einem Vorhang. Am Vortag sagte ein Zeuge aus, Barzan sei bei Folterungen in dem Dorf persönlich dabei gewesen. Bei einer Verurteilung droht Saddam Hussein die Todesstrafe.
Acht Tote bei Anschlägen
Bei Anschlägen und Angriffen im Irak sind am Donnerstag mindestens acht Menschen getötet worden. In der Hauptstadt Bagdad wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei einem Angriff auf eine Polizeistation vier Polizisten getötet und sechs weitere verletzt. In der Nähe von Iskandariya rund 60 Kilometer südlich der Hauptstadt überfielen Bewaffnete auf einer Straße zwei Kleinbusse und töteten vier Insassen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In der besonders gesicherten "Grünen Zone" im Zentrum von Bagdad, wo sich die Regierungszentrale und die US-Botschaft befinden, wurden drei Frauen entführt.
(apa)
