Dienstag, 20. Dezember 2005

Iraner ignorieren West-Musik-Verbot: CDs ausländischer Künstler nach wie vor beliebt

  • Die Menschen lassen sich nicht alles vorschreiben
  • Präsident erließ Spielverbot für staatl. Radiosender

Mit seinem Verbot westlicher Musik stößt der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei seinen Landsleuten auf taube Ohren. In den Geschäften werden weiterhin CDs ausländischer Künstler verkauft, in ihren Autos hörten viele Fahrer HipHop und Country-Musik. Der staatliche Rundfunk spielte dagegen ausschließlich iranische Musik. Es war jedoch unklar, ob ein Zusammenhang mit dem Verbot bestand.

"Dieser Präsident redet, als würde er in der Steinzeit leben", sagte ein Kunde in einem Plattenladen in Teheran, Mohammed Reza Hosseinpur. "Er muss einsehen, dass er den Menschen nicht vorschreiben kann, welche Musik sie hören oder nicht hören." Der Ladenbesitzer erklärte, er erwarte nicht, dass das Verbot umgesetzt werde. "Die Geistlichen und die Behörden sprechen jeden Tag über neue Vorschriften", sagte Reza Sadeghi.

Ahmadinejad untersagte den staatlichen Radio- und Fernsehsendern nach Zeitungsberichten die Ausstrahlung westlicher Musik. "Nehmen Sie diesen Mann nicht ernst", sagte Pari Mahmudi, der in seinem Auto laut "Hotel California" von den Eagles hörte. Viele Bürger erwarten, dass das neue Verbot wie andere in der Vergangenheit einfach vergessen wird. So hatte die Regierung einmal den Verkauf von Platten weiblicher Künstler untersagt oder Frauen das Tragen von Make-up verboten. Keine der Vorschriften wurde jemals durchgesetzt. (apa)

20.12.2005 16:54