Unfassbare Milde: Gericht verurteilt Türken wegen "Ehrenmordes" und lässt ihn frei
- Zeitung: "Hättet ihm noch eine Medaille geben sollen"
- Flüchtiger Vater der Toten zu 20 Jahren Haft verurteilt
Äußerste Milde hat ein Gericht in einem "Ehrenmord"-Prozess in der türkischen Stadt Diyarbakir walten lassen. Der 17-jährige Angeklagte, der seine ältere Schwester erdrosselt hatte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt - und freigelassen.
Dabei stellte das Gericht in Rechnung, dass der Jugendliche aus dem Südosten des Landes drei Jahre in Untersuchungshaft verbracht hatte. Die unkenntlich gemachte Leiche war in einem Müllcontainer gefunden worden. "Ihr hättet ihm noch eine Medaille geben sollen", empörte sich die Zeitung "Hürriyet", die am Dienstag über den Ausgang des Prozesses berichtete.
Der seit dem Verbrechen flüchtige Vater des Mädchens wurde in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er soll die Beine der 18-Jährigen festgehalten haben, als ihr Bruder sie mit einem Kabel erdrosselte. Ihr "Vergehen" bestand darin, dass sie sich angeblich freizügig kleidete, mit Männern ausging und damit die "Ehre der Familie" beschmutzt haben soll. (apa)
