Samstag, 24. Dezember 2005

Ein Appell am Heiligen Abend: Kardinal Christoph Schönborn ruft zur Solidarität auf

  • Mehr Maßnahmen gegen Not und Armut verlangt
  • Evangelischer Bischof Sturm will mehr Gerechtigkeit

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat am Samstag in der ORF-Sendung "Licht ins Dunkel" zur Solidarität aufgerufen. "Der große Grundwert, den wir zu Weihnachten in Erinnerung rufen, ist die Solidarität", so der Kardinal wörtlich. Österreich sei ein sehr wohlhabendes Land. Trotzdem gebe es auch Not und Armut. Er unterstütze daher auch die Appelle der Caritas, mehr gegen die Armut in Österreich zu unternehmen.

Schönborn stellte einmal mehr klar, dass beim jüngsten Rom-Besuch der Papst den österreichischen Bischöfen nicht "den Kopf gewaschen" habe. Die Bischöfe seien bemüht, einen kritischen Blick auf die Kirche in Österreich zu werfen. Schließlich gehe der Messbesuch dramatisch zurück und gebe es immer weniger Priesterberufungen. "Der Papst hat mit uns diese Sorgen geteilt", betonte der Kardinal. Der Papst habe aber auch das viele Positive in der Kirche Österreichs hervorgehoben.

Im Hinblick auf die bevorstehende EU-Präsidentschaft äußerte der Erzbischof die Hoffnung, dass Österreich seine bewährte Vermittlerrolle wahr nehmen wird. Es gelte, aus dem EU-Projekt das Beste zu machen. "Österreich hat viel zu geben", so Schönborn.

Sturm: "Europa darf keine Festung werden"
Die Botschaft von Weihnachten ist auch eine politische Botschaft. Das sagte der evangelische Bischof, Herwig Sturm, am Samstag im "Journal zu Gast" von Ö1. Diese Weihnachts-Botschaft ziele auf Frieden ab, und Frieden habe immer auch mit Gerechtigkeit zu tun.

Das betreffe vor allem die Armut. "Die Wirtschaft darf nicht die Menschen und die Politik dominieren", forderte Sturm. "Wir müssen die Wirtschaft wieder in den Dienst der Menschen stellen." Die Zukunft der Welt sollte eine "solidarische Gemeinschaft" sein.

So sei auch die EU eine "Solidargemeinschaft", die in Frieden zusammenlebt und trotzdem die Tore offen halten sollte. Was die Zukunft der EU betrifft, betonte Sturm, "Europa darf keine Festung werden", Asylsuchende müssten einen fairen Zugang nach Europa bekommen. Die Seele Europas sei vor allem die auf die Menschenrechte gestützte Möglichkeit der individuellen Lebensverwirklichung. Die Türkei müsse vor einem EU-Beitritt erst die Menschenrechte voll umsetzen, so der evangelische Botschaft.

Sturm ist seit zehn Jahren evangelischer Bischof, ist verheiratet und hat drei Kinder. Am 1. Jänner wird er den Vorsitz im Ökumenischen Rat der christlichen Kirchen in Österreich übernehmen.

(apa)

24.12.2005 12:23