Freitag, 23. Dezember 2005

FORMAT: Das Geschäft mit der Angst - Firmen und Private investieren in Sicherheit!

  • 105.000 Einbrüche 2005 & grassierende Terrorangst
  • Firmen und Private investieren mehr in die Sicherheit

Immer mehr Firmen und Privatpersonen investieren angesichts der hohen Zahl an Einbrüchen beträchtliche Summen in Sicherheit. Sicherheitsdienstleister wie Group 4 Falck, Securitas, Österreichischer Wachdienst (ÖWD) oder siwacht haben Hochkonjunktur. Securitas-Austria-Chef Martin Wiesinger: "Das Sicherheitsbedürfnis ist hierzulande in den vergangenen fünf Jahren um fünfzig Prozent gestiegen. Die Österreicher wollen mehr Sicherheit. Das gilt sowohl für Private als auch für Unternehmen" (siehe Interview Seite 196).

2004 gab es laut Bundeskriminalamt (BKA) 137.270 Einbrüche etwa in Häuser, Wohnungen, Trafiken und Geldinstitute (siehe Grafik). Das sind 376 Einbrüche pro Tag, die meisten davon wurden in Ballungsräumen begangen. Allein der durch Wohnungsaufbrüche verursachte Schaden betrug im Vorjahr mehr als siebzig Millionen Euro. Die Zahl der Einbruchsfälle war im abgelaufenen Jahr zwar leicht rückläufig (rund 105.000 Einbrüche mit Ende November 2005), Experten sprechen indes von einer anhaltend hohen Vergehensflut. Die Folge: Das Geschäft mit der Angst boomt wie nie zuvor. Auch als Folge der Terrorangst. "Seit den Attentaten vom 11. September ist das Sicherheitsbewusstsein in Österreich enorm gestiegen", sagt Group-4-Falck-Chef Stephan Landrock.

Banken, Raffinerien, Technologiekonzerne, aber auch Handelsunternehmen investieren Millionen in Sicherheit. Die Schutzmaßnahmen reichen von Wachpersonal über Video- und Alarmüberwachung bis hin zu hochtechnologischen biometrischen Zutrittssystemen wie Iris-Scannern (Ermittlung der Identität über die Regenbogenhaut), Fingerabdrucklesegeräten und Gesichtsfelderkennungsapparaten (Erkennung an Gesichtsmerkmalen). "Biometrik ist zwar im Kommen", relativiert Securitas-Chef Wiesinger, "allerdings für viele Unternehmer noch viel zu teuer."

Weshalb Firmen auf solche Hochsicherheitsmaßnahmen meist verzichten und eher zu einfacheren Zutrittssystemen greifen. So wird in größeren Unternehmen Mitarbeitern der Eintritt etwa durch ein Drehkreuz erst nach Vorlage einer ID-Karte gestattet, für Besucher besteht Anmeldepflicht beim Portier, verbunden mit einem Anruf bei der Person, die besucht wird.

Während Unternehmen auf immer modernere Zutrittssysteme setzen, vertrauen Privatpersonen auf Sicherheitstüren und Balkenschlösser. Ab 2.700 Euro ist eine Tür mit der Widerstandsklasse drei samt Schloss erhältlich. Insbesondere Prominente benötigen aber noch mehr Schutz - etwa durch Bodyguards. Kostenpunkt: ab 35 Euro pro Stunde. Eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung lassen sich manche Promis mitunter sogar satte 450.000 Euro im Jahr kosten.

Doch nicht nur die High Society setzt auf exklusiven Schutz. So buchen beispielsweise Organisatoren von Großveranstaltungen (etwa Sport- und Musikevents) zunehmend Personal bei privaten Sicherheitsdienstleistern, deren ausgeklügelte Fluchtpläne die Räumung ganzer Stadien in nur zwölf Minuten ermöglichen. Aufgaben, die vor wenigen Jahren ausschließlich die Polizei inne hatte.

Terrorgefahr bei Großveranstaltungen
Bei Großveranstaltungen wie Sport- oder Musikevents spielt auch die Terrorgefahr eine immer größere Rolle. Weshalb Deutschland laut aktuellen Schätzungen bei der Fußball-WM 2006 etwa eine Milliarde Euro für Sicherheit ausgeben dürfte. Die Griechen haben für die Olympischen Spiele 2004 in Athen dafür sogar 1,2 Milliarden Euro ausgelegt.

Vor allem das Opec-Gebäude, die UNO-City, die OMV mit ihrer Raffinerie in Schwechat, der Flughafen sowie Massenverkehrsmittel stehen laut Steinhäusler im Visier des Terrors. Der Grund: Mit einem Schlag wären viele Menschenleben ausgelöscht, die wirtschaftlichen Schäden wären enorm und der mediale Impact dank der schnell reagierenden Medien gewaltig.

Steinhäusler, auch als "Terror"-Professor an der Universität Salzburg tätig, macht indes Mut: "Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen, ist bei weitem geringer als die, bei einem Autounfall zu sterben."

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23.12.2005 12:27