Freitag, 23. Dezember 2005

Abrechnung mit Arnie: Graz in "engerer Wahl" für Lieblingsort des Faschismus!

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Die Berliner "tageszeitung" (taz) beschäftigt sich in einer Kolumne kritisch mit dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger und dessen Heimat. "Wenn der Faschismus sich einen Lieblingsort suchen müsste, Graz käme auch heute noch in die engere Wahl", heißt es im Untertitel.

Der Kommentator gibt an, den Gouverneur vor der Hinrichtung von Stanley "Tookie" Williams in einem gefälschten E-Mail unter dem Namen "Joseph Kling aus Thal bei Graz" um Gnade gebeten zu haben. Obwohl er in dem Brief den Begriff "Herrgott" verwendet und die grammatikalische Struktur der Sätze bewusst sehr einfach gewählt habe, sei das Mail ohne Wirkung geblieben. Vermutlich habe Schwarzenegger es nicht mehr rechtzeitig erhalten.

"Vor ein paar Jahren hatte ich mir Thal genauer angeschaut: Das Dorf liegt etwas oberhalb von Graz auf einem Hochplateau und das Geburtshaus von Arnold wiederum am Rande des Dorfs, dort, wo früher die etwas ärmeren Leute lebten. Ich habe es einstöckig in Erinnerung, hinter einem hölzernen Gartenzaun wuchsen viele bunte Blumen. Die neuen Besitzer hatten ein Schild angebracht, auf dem sie darum baten, von Besichtigungswünschen Abstand zu nehmen. Arnold, damals nicht Governator, sondern noch Terminator, war just zu diesem Zeitpunkt auch in Graz, um die Europa-Premiere seines neuesten Films zu bewerben. Die Innenstadt war aus diesem Grund großräumig abgesperrt, überall Polizei, und 'Arnie', wie sie ihn hier nennen, ließ sich in einer dieser albernen amerikanischen Stretch-Limousinen durch die engen Straßen seiner Heimatstadt chauffieren, um seinen Landsleuten dadurch zu zeigen, was für arme Würstchen sie geblieben sind."

"Viele Fassaden in Graz sind seit den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr gestrichen worden. Entweder aus stillem Protest gegen die neue demokratische Zeit oder einfach nur aus Geldmangel. Jedenfalls gibt es dadurch kaum einen besseren Ort auf der Welt, um sich vorzustellen, vor welcher Kulisse die Österreicher ihren Befreier Adolf gefeiert haben. Mich schaudert noch heute, wenn ich an die Begegnung mit jenem Zivildienstleistenden in einem ehemaligen Konzentrationslager nahe Graz denke, der völlig alleine das Gelände bewachte und erzählte: Die meisten Grazer würden diese Erinnerungsstätte am liebsten einebnen lassen. Er würde selbst von seinen Verwandten für seine Arbeit hier beschimpft. Ich war an diesem Tag der einzige Besucher. Es war jenes Jahr, als der Gemeinderat von Graz beschloss, das Fußballstadion der Stadt in 'Arnold-Schwarzenegger-Stadion' umzubenennen. Damals stimmten selbst die Sozialdemokraten und Grünen dafür, nicht ahnend, dass sie diesen Beschluss acht Jahre später bitter bereuen würden."

"Die konservative Volkspartei und die rechtslastigen Freiheitlichen stehen allerdings weiter treu Seit an Seit zu Arnold Schwarzenegger. Sie bedauern zutiefst, dass Arnold den ihm verliehenen 'Ehrenring' der Stadt Graz beleidigt zurückgeschickt hat. Ehrenring - schon der Name passt irgendwie zu den grauen Grazer Hausfassaden. Bürgermeister Siegfried (!) Nagl fiel gar auf die Knie und winselte: 'Lieber, lieber Arnold, nicht alle denken so schlecht von dir, bitte hab uns Grazer weiter lieb, wir lecken dir die Füße. Heil A' - nein , so hat er es jetzt wirklich nicht formuliert. Nur gedacht. Aber Arnold Schwarzenegger blieb hart. So ist das halt mit ihm: keine Gnade - nicht einmal mit Bürgermeister Nagl. Ich habe Gouverneur Schwarzenegger nach der Hinrichtung nochmals eine Mail geschrieben. Diesmal mit echtem Namen: 'Bist n riesen Oasch.' Ich hoffe, er hat wenigstens diesmal verstanden." (apa/red)

23.12.2005 10:43