Von Presse in Müllwagen erdrückt: Mann starb, weil er in Altpapiercontainer schlief!
- Beim Entleeren kommt es zum tragischen Unglück
- Obdachlose in Wien: Bis zu 700 leben auf der Straße

Eine Müllpresse in einem Wiener Abfalltransporter ist am Donnerstag für einen 34-jährigen Obdachlosen zur Todesfalle geworden. Von den Arbeitern unbemerkt, wurde er offenbar mitsamt dem Inhalt in das Sammelfahrzeug geladen und von der Müllpresse erdrückt. Seine Leiche wurde am frühen Donnerstagabend auf dem Förderband einer Papiersortieranlage in Wien-Floridsdorf entdeckt. Zoran D. hatte in einem Altpapiercontainer geschlafen - laut Kriminaldirektion 1 mit hoher Wahrscheinlichkeit in Brigittenau.
"Der Mann ist am Donnerstag in den Morgenstunden in einem Lokal im 20. Bezirk gesehen worden", sagte ein Sprecher der KD 1 zur APA. Laut Angaben der Polizei war der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Tote vermutlich alkoholisiert. "Wir gehen davon aus, dass er von dort nicht mehr weit gegangen ist." Bei der Leiche wurden Dokumente gefunden, die auf eine ehemalige Adresse des Mannes in Brigittenau schließen lassen.
Die Obduktion hat ergeben, dass ein Unfall vorliegt. Gewalteinwirkung oder Misshandlungen konnte der Gerichtsmediziner ausschließen. "Die Verletzungen des Mannes sind typisch für die blitzartige Kompression der Hydraulik in Müllwagen", erklärte der Kriminalbeamte. Der Leichnam wies Verletzungen im Gesicht und am Rücken auf. Als Todesursache wurde "Ersticken, verursacht durch hochgradige Rumpf- und Schädelkompression", festgestellt.
Ein Müllwagen fasse etwa zwölf Tonnen Altpapier, erklärte der Beamte. Der Inhalt werde mit einem Druck von 300 bar zusammengedrückt. Bei dem 34-Jährigen sei der Tod laut Polizei in dem Moment eingetreten, als der Mann in die Presse des Papiersammelfahrzeuges geraten war. Die Leiche wurde erst auf einem Förderband in der Papiersortieranlage in Floridsdorf entdeckt. Mitarbeiter wurden gegen 17.15 Uhr aufmerksam, als das Band stecken blieb - die Leiche hatte sich dort verkeilt.
Laut der betroffenen Firma - einem privaten Recyclingunternehmen - werden rund 600 Tonnen Altpapier pro Tag zu der Anlage geliefert. Die Menge verteilt sich auf rund 150 Fahrzeuge, die sowohl aus Wien als auch aus Niederösterreich kommen. Das gesammelte Material wird in Floridsdorf für die Altpapierproduktion vorverarbeitet.
"Eine Leiche wurde bisher bei uns noch nie gefunden", so ein Sprecher des Unternehmens am Freitag zur APA. Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr in Wien haben diese Erfahrungen hingegen schon gemacht. In einem Müllcontainer wurde bereits eine Leiche bzw. in einem weiteren Fall Leichenteile entdeckt.
Mitunter werden Unfälle aber auch knapp vermieden. Denn laut einem Rathaus-Sprecher kommt es selten, aber doch vor, dass Personen einen Müllcontainer als Schlafplatz wählen und dann geweckt werden, wenn der Container abgeholt und zur Müllabfuhr gerollt wird.
Obdachlose in Wien: Bis zu 700 Menschen auf der Straße
Insgesamt gibt es in Wien rund 500 bis 700 Personen, die auf der Straße leben. Laut einem Sprecher des Fonds Soziales Wien (FSW) handelt es sich dabei um Menschen, die nur schwer in Wohneinheiten zu integrieren sind.
Zahlreiche dieser Obdachlosen sind demnach psychisch krank. Sie können darum ihre Situation nur schwer einschätzen. Dabei gebe es für Menschen, die kein Dach über den Kopf haben, zahlreiche zur Verfügung gestellten Schlafplätze, hieß es. Insgesamt stehen in Wien rund 2.500 Schlafplätze in verschiedenen Betreuungszentren zur Verfügung.
Die von Vereinen wie der Caritas betriebenen Einrichtungen sind gerade im Winter ziemlich voll. Trotzdem gibt es laut FSW aber noch freie Übernachtungsplätze. Insgesamt durchlaufen pro Jahr rund 3.800 obdachlose Personen das Betreuungssystem. Für einen Teil von ihnen gibt es ein Happy End: Sie können wieder eine eigene Wohnung beziehen.
(apa/red)
