Schönborns Rückblick in NEWS: Kardinal über Papst, heimische Kirche & Ahmadinejad
- Papst-Bilanz des Wiener Geistlichen: "Ein Genie"
- "Erfreut, dass Kirchen-Situation normal geworden ist"

·"Die Schöpfung ist eine Sprache Gottes"
Kardinal Schönborn hielt Hochamt zum Christtag
Das Jahr des Kirchenfürsten: Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn im NEWS-Interview über seinen Freund Papst Benedikt XVI., den Zustand der heimischen Kirche nach Krenns Abgang & die Iran-Attacken auf Israel und die Juden.
NEWS: Herr Kardinal, was waren für Sie und die katholische Kirche die bedeutsamsten Ereignisse des vergangenen Jahres?
Schönborn: Ohne Zweifel waren das der Tod von Papst Johannes Paul II. und die Wahl von Papst Benedikt XVI. Die ganze Welt hat an diesen Ereignissen teilgenommen. Das war auch ein Hinweis darauf, welchen Stellenwert die Sehnsucht nach Gott in den Herzen der Menschen hat.
NEWS: Hat Benedikt XVI. Ihre bisherigen Erwartungen erfüllt?
Schönborn: Der Papst gehört zu den eindrucksvollsten Menschen, denen ich je in meinem Leben begegnet bin. Er hat eine imposante geistige Kraft und Unkompliziertheit. Ein amerikanischer Journalist hat ihn einen "humble genius" (bescheidenes Genie) genannt. Er verkörpert persönliche Glaubwürdigkeit und Klarheit.
NEWS: Sie gelten als einer der engsten Ratzinger-Freunde und besten -Kenner. Nach einem dreiviertel Amtsjahr kann sich die Öffentlichkeit noch kein richtiges Bild seines Wirkens machen. Was darf die Welt von ihm noch erwarten?
Schönborn: Vor allem eines: ein entschiedenes Zeugnis für Christus, für die Wahrheit des Glaubens, aber auch für die Nähe zu den Menschen mit ihrer "Freude und Hoffnung, ihrer Trauer und Angst".
NEWS: Nach Ratzingers Inthronisation gab es eine Zeit lang das Gerücht, er würde - als Zeichen seiner Liebe - das Kommunionsverbot wiederverheirateter Geschiedener aufheben. Warum ist das nicht geschehen?
Schönborn: Die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen ist eine der schwierigsten pastoralen Fragen der Gegenwart. Das biblische Wort ist klar. Zugleich muss man auf die ganz "persönliche" Situation der Betroffenen schauen. Ich habe selbst bei meinen Eltern erlebt, was Scheidung bedeutet. Es ist eine schwere Bürde, gerade auch für die Kinder, auch wenn meine Eltern ihre Konflikte nie auf den Schultern der Kinder ausgetragen haben. "Billig" darf der Weg nie sein, weil die Wunden einer Scheidung immer tief sind und der Aufarbeitung bedürfen.
NEWS: Ist es nicht so, dass Homosexuelle von der Kirche extrem diskriminiert und sehr lieblos behandelt werden?
Schönborn: Entscheidend für die Haltung der Kirche ist die Formulierung des Weltkatechismus: "Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen."
NEWS: Herr Kardinal, wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Kirche Österreichs?
Schönborn: Mit dem Zustand der Kirche darf man nie zufrieden sein. Entscheidend ist immer das Mehr an Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber zugleich freut es mich, dass die Pfarrgemeinden sich wieder vor allem diesem Thema widmen können, dass die kirchliche Situation wieder "normal" geworden ist.
NEWS: Ihr Zukunftswunsch ...
Schönborn: ... ist die Erhaltung des Friedens. Die jüngsten Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten haben die düstersten Gespenster des 20. Jahrhunderts wiederauferstehen lassen. Es ist zu hoffen, dass das iranische Volk, das von den furchtbaren Auswirkungen des 1. und 2. Weltkriegs nur am Rand gestreift wurde, dem Staatspräsidenten begreiflich machen wird, was ein Verantwortungsträger zu sagen hat. Inhaltlich müssen die Äußerungen Ahmadinejads, die des Repräsentanten eines alten Kulturvolks unwürdig sind, entschieden zurückgewiesen werden. Dabei darf es nicht nur bei verbaler Entrüstung bleiben.
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