Vor 20 Jahren: Terrorgruppe "Abu Nidal" richtete Blutbad am Wiener Flughafen an
- Vier Tote bei brutalem Anschlag in Wien-Schwechat
- Terroristen gaben nach spektakulärer Flucht auf

·Das Schicksal der Attentäter von Wien
Chaovali blieb gefährlich und brach mehrmals aus
·Abu Nidal: 'Bin Laden'
der 70er und 80er
Top-Terrorist Drahtzieher von 3 Anschlägen in Wien
Fast genau zehn Jahre nach dem Terror-Überfall auf die OPEC-Ministerkonferenz in Wien wurde Österreich ein weiteres Mal vom internationalen Terror heimgesucht: Drei tote Passagiere, ein erschossener Terrorist, zwei schwerverletzte Palästinenser und rund 50 weitere Verletzte - das war die Bilanz des blutigen Terroranschlags, der vor 20 Jahren, am 27. Dezember 1985, den Flughafen Wien-Schwechat traf.
Der 25-jährige Palästinenser Twafik ben Ahmed Chaovali hatte sich in den Morgenstunden gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Landsmann Abdel Aziz Merzoughi und dem 26-jährigen Mongi ben Abdollah Saadaoui zunächst bei einem Stiegenabgang zur Abflughalle "auf die Lauer gelegt", um die Sicherheitsmaßnahmen auszukundschaften. Ihr Ziel: der Check-In-Schalter der israelischen Fluglinie El Al.
Explosionen und Kalaschnikow-Feuer
Kurz nach 9.00 Uhr brach dann das Inferno los: Die Terroristen rollten Handgranaten in Richtung des Abfertigungsschalters, wo der Check-In gerade im vollem Gang war. Während die Sprengkörper detonierten, begannen die Terroristen aus ihren Kalaschnikow-Sturmgewehren zu feuern. Sie wollten die überlebenden Passagiere als Geiseln nehmen und die entführte Maschine schließlich über Israel sprengen.
Österreichische Polizei reagierte schnell
Es zeigte sich aber, dass die Attentäter die Sicherheitsmaßnahmen unterschätzt hatten: Österreichische Polizisten und israelische Sicherheitsbeamte erwiderten sofort das Feuer, eine wilde Schießerei begann. Binnen Sekunden wälzten sich dutzende Menschen schreiend in ihrem Blut. Für drei von ihnen, Elisabeth Kriegler aus Wien, Ekhart Karner aus Niederösterreich und den israelischen Staatsbürger Eli Jana, kam jede Hilfe zu spät. 39 weitere Personen wurden verletzt, davon 20 schwer. Dass nicht mehr Opfer zu beklagen waren, ist vermutlich der Geistesgegenwart eines Polizisten zu verdanken, der eine der vier Handgranaten mit dem Fuß "wegkickte".
Spektakuläre Verfolgungsjagd
Die ebenfalls schwer verletzten Terroristen - Chaovali mit Bauch- und und Oberschenkeldurchschuss, Saadaoui mit Brustdurchschuss - schleppten sich sich vor dem Flughafengebäude in ein Auto und rasten auf die Bundesstraße 9 in Richtung Fischamend. Bei einem weiteren Feuergefecht mit der Polizei wurde schließlich Merzoughi getötet, Chaovali und Saadaoui gaben auf, das Drama war zu Ende.
Abu Nidal-Gruppe mit zeitgleichem Anschlag in Rom
Nahezu gleichzeitig hatte unterdessen ein offenbar koordinierter Anschlag auf den römischen Flughafen Fiumicino stattgefunden, der 16 Todesopfer und mehr als 80 Verletzte forderte. Die Verantwortung für beide Anschläge übernahm die Terrorgruppe des Palästinensers Sabri al Banna - besser bekannt als "Abu Nidal".
(apa/red)
