Sommerreifen im Winter gefährden eigene
Sicherheit und den Versicherungsschutz
- Winterreifen: Besser in Kurven und beim Bremsen
- Auch für Lkws und Busse Winterreifenpflicht gefordert

·Gorbach fordert Winterreifenpflicht
Gesetzesentwurf nächste
Woche in Begutachtung
·36 Winterreifen im großen ÖAMTC-Check
UG 7 von Goodyear top, Matador "ausgerutscht"
·Ohne Winterreifen zahlt die Kasko nicht
ARBÖ warnt vor Unfällen mit Sommerreifen
Wer im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist, geht ein hohes Risiko ein. Vor allem die eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer ist in Gefahr. In Österreich besteht zwar keine ausdrückliche Winterreifenpflicht, aber auch der Versicherungsschutz kann gefährdet sein, wenn man trotz Eis und Schnee mit Sommerpneus weiterfährt.
Immer wieder taucht die Frage auf, wie es mit dem Versicherungsschutz aussieht, wenn man mit Sommerreifen im Winter einen Unfall verursacht. Dazu Gerhard Bernard, Schadenleiter in der Allianz: "Grundsätzlich gilt: Den Schaden des Unfallopfers bezahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung natürlich immer - auch dann, wenn nicht jahreszeitgemäße Reifen aufgezogen waren." Anders sei die Situation bei der Vollkaskoversicherung: Wer beispielsweise mit Sommerreifen ins verschneite Hochgebirge fährt, handelt unter Umständen grob fahrlässig. Sollte es bei solchen Bedingungen zu einem Unfall kommen, droht der Verlust des Versicherungsschutzes.
Folgenreiche Urteile
Das Handelsgericht Wien hat in einem Urteil aus dem Jahr 2003 festgestellt, dass "bei winterlichen Straßenverhältnissen Sommerbereifung eine wesentlich schlechtere Verkehrssicherheit bewirkt als entsprechende Winterausrüstung". Das Fahren mit Sommerreifen bei Schneematsch stelle damit eine Gefahrenerhöhung und eine grob fahrlässige Herbeiführung eines Versicherungsfalles dar. Auch ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main stellt fest, dass allein die Nichtverwendung von Winterreifen bei einer Fahrt in ein Skigebiet eine grob fahrlässige Handlung ist, die zur Leistungsfreiheit der Kfz-Kaskoversicherung führt.
Keine Pflicht, dennoch ein Muss!
"Winterreifen sind wegen der eigenen Sicherheit wichtig, nicht wegen der Versicherung", so Bernard. Er fordert daher eine generelle Winterreifenpflicht wie in anderen schneereichen Ländern. In den skandinavischen Staaten, in Lettland und in Slowenien ist die verpflichtende Verwendung bereits jetzt Realität, in Deutschland wird ein entsprechendes Gesetz vorbereitet, in der Schweiz wird Winterausrüstung empfohlen. In Schweden sind nach Einführung dieser Maßnahme Unfälle mit Personenschaden um 12 Prozent zurückgegangen.
Winterreifen sicherer
Bei 80 km/h ist der Bremsweg mit Sommerreifen auf verschneiter Fahrbahn um 60% länger! Der Grund: Winterreifen bestehen aus einer speziellen Gummimischung, die bei kalten Temperaturen nicht so stark verhärtet und für eine viel bessere Haftung des Wagens auf der Straße sorgt. Auch das gröbere Profil bietet besseren Halt in Kurven und ein sicheres Bremsverhalten. Reifenexperten raten, Winterpneus, die weniger als vier Millimeter Profil haben oder älter als sechs Jahre alt sind, aus Sicherheitsgründen durch neue zu ersetzen.
Gesetzesentwurf in Begutachtung
"Wir fordern die Winterreifenpflicht schon seit Jahren, zumindest für Lkw und Busse könnte sie nun Realität werden", begrüßt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), den gesetzlichen Vorstoß des Verkehrsministers. Der vorliegende Gesetzesentwurf sieht eine generelle Winterreifenpflicht für Kraftfahrzeuge ab 3,5 Tonnen und die verpflichtende Mitführung von Schneeketten in der Zeit vom 1. November bis zum 31. März vor. (red.)
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