Montag, 12. Dezember 2005

In Spanien boomt die Schönheitschirurgie: Costa del Sol wird zur Küste des Skalpells...

  • Rekordverdächtig: 350.000 Beauty-Eingriffe pro Jahr
  • Keine Seltenheit: Schönheits-OP als Maturageschenk

Spanien ist zum Paradies der Schönheitschirurgie in Europa geworden. Pro Jahr nehmen plastische Chirurgen rund 350.000 ästhetische Eingriffe vor, mehr als in jedem anderen Land des Kontinents. "Die Spanier haben es sich in den Kopf gesetzt, die Schönsten in Europa zu sein", meint die Zeitung "El Mundo". "Sie sind wie verrückt nach dem Skalpell."

Vor zwei Monaten sorgte der Tod von Nigerias First Lady Stella Obasanjo für Schlagzeilen, die sich in Südspanien im Nobelbadeort Marbella einer Fettabsaugung unterzogen hatte und wenig später gestorben war. Das Schicksal der Frau von Staatspräsident Olusegun Obasanjo erinnerte daran, dass Schönheitsoperationen - wie alle anderen chirurgischen Eingriffe - mit gewissen Risiken verbunden sind. In den Anzeigen der Schönheitskliniken, die neben Reiseagenturen und Automarken für ihre Dienste werben, ist davon kaum die Rede. Dort wird beinahe der Eindruck erweckt, als wäre eine solche Operation so einfach wie ein Besuch beim Friseur.

Costa del Sol: Küste des Skalpells...
An der Costa del Sol um Marbella verdient so mancher Mediziner mit dem Boom schnelles Geld. Die Sonnenküste sei zu einer "Küste des Skalpells" geworden, schreibt die Zeitung "El Pais", weist aber zugleich darauf hin: "Die Prominenten lassen ihr Aussehen nicht in Marbella verschönern. Wer wirklich Geld hat, geht in die Kliniken nach Madrid oder Barcelona."

Schönheits-OP zur Matura
Die meisten Patienten sind keine Ausländer, die sich in Spanien operieren lassen, sondern Einheimische, zu 80 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer. Schönheitsoperationen sind nicht mehr nur etwas für Showstars. "Meine typische Patientin ist die Angestellte eines Kaufhauses, die sagt, sie wolle nicht mehr den Busen einer Zwölfjährigen haben", berichtet der Arzt Luis de la Cruz. In manchen Fällen sollen bereits spanische Eltern ihren Töchtern zur Matura eine Schönheitsoperation geschenkt haben.

Irreale Erwartungen
Die populärsten Eingriffe sind Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen, Nasen- und Ohrenkorrekturen, Bauchstraffungen und Liftings. Die Preise liegen zwischen 2000 und 18 000 Euro. Spanien gehörte zu den ersten Ländern in Europa, in denen Schönheitskliniken entstanden. Heute werden ganze Ketten betrieben. Kritische Stimmen gegen die Operationsmode gibt es in Spanien kaum. Eine davon ist die von Carmen Flores. "Die Kliniken schüren irreale Erwartungen", meint die Vorsitzende des Verbandes zur Verteidigung der Patienten. "Viele Werbeanzeigen sind trügerisch. Sie zeigen Models, die sich nie operieren ließen."

Aussehen wie ein Filmstar
Ein Arzt berichtet: "Manche Patientinnen kommen mit Fotos von Filmstars und wollen genauso aussehen. Sie verstehen nicht, dass die Chirurgie sie nicht in einen anderen Menschen verwandeln kann." Der Chirurg De la Cruz hält den Zweiflern entgegen: "Ein Psychiater kuriert im Durchschnitt in drei Monaten einen Patienten. Wir sorgen in einer einzigen Woche dafür, dass wenigstens drei Menschen glücklich werden."
(apa/red)


12.12.2005 09:17