Mittwoch, 14. Dezember 2005

Nikolai Valuev: Der weiche Riese aus Russland

Die Fleisch gewordene russische Killermaschine boxt um den WM-Titel und gegen Klischees – NEWS besuchte ihn beim Training in St. Petersburg.

Folkloristisches aus Russland schallt durch den tristen Ostblockbau, die Zimmerdecke erbebt unter schweren Schritten. „Er ist aufgewacht“, wispert Fräulein Alina und wirft den Kopf in den Nacken, als fürchte sie, das Gemäuer könne über ihr zusammenbrechen. „Ich hoffe, er schreit heute nicht so laut mit mir!“ Die ersten Gäste in der Kuranlage Grüner Berg, etwa eine Stunde von St. Petersburg entfernt, haben sich aus den Betten gequält, nebst einigen Erholungsbedürftigen auch Fräulein Alinas Arbeitgeber Nikolai Valuev, der größte Boxer der Welt, samt seiner Familie. Für ihn erledigt Alina die deutsche Korrespondenz, und die nimmt langsam überhand. Denn Valuev alias „The Beast from East“ gewinnt dank seiner beeindruckenden Statur von 150 Kilo, verteilt auf 2,13 Meter, zusehends an Popularität. Nun will er auch im Ring Größe beweisen: Am 17. Dezember (ARD, 22.25 Uhr) kämpft die Fleisch gewordene russische Kampfmaschine in Berlin gegen den US-Amerikaner John Ruiz um den Weltmeistertitel im Schwergewicht.

Liegestütze mit Kleinkind. Fräulein Alina erbleicht schlagartig. Ihr ganz persönlicher Alptraum hat die Szene betreten und stürzt sich mit Gebrüll und zwei leeren Plastikflaschen auf alles, was sich bewegt. Alina hütet sich. Dabei ist Valuev-Söhnchen Grisan Grigorie nicht einmal halb so groß wie sie und erst drei Jahre alt. Hüpfend lenkt Valuev-Trainer Manuel Gabrielian die Aufmerksamkeit des Rabauken auf sich. Dass sich dessen Vater Nikolai inzwischen durch den Türrahmen geschoben hat, bleibt unbemerkt. Mit einem brummenden Gruß verschafft sich der Riese Gehör, dann geht’s ab zum Training. Das Innere der angepeilten Wellblechhütte entpuppt sich als schmucke Sporthalle; Boxring und schwitzende Sparringpartner sucht man jedoch vergeblich. Bedächtig läuft Valuev ein paar Runden, absolviert Liegestütze, Klimmzüge und Medizinballwürfe – die johlende Miniausgabe stets um, an oder auf sich. Den Gästen zuliebe boxt er ein paarmal in den Sandsack. Das war’s. Schließlich ist ja Wochenende.

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14.12.2005 16:17