Samstag, 17. Dezember 2005

Österreichs Christkindln heuer spendabler: Christmas-Geschäft erstmals seit '01 im Plus

  • Zuwächse von knapp zwei Prozent werden erwartet
    Beliebteste Geschenke sind Kleidung und Bücher
  • Österreicher geben im Schnitt 350 Euro aus

Österreichs Christkindln sind heuer spendabler als im Vorjahr. Das Weihnachtsgeschäft im Handel liege bis zum vierten Adventsamstag um 3 Prozent über dem Vorjahr, berichtete der Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler, am Dienstag bei einer Pressekonferenz unter Bezug auf eine Umfrage der KMU Forschung Austria: "Geschenke sind in". Fürs gesamte Weihnachtsgeschäft bis Silvester wird ein Umsatzplus von 2 Prozent erwartet.

Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft werden heuer in Österreich damit erstmals seit 2001 wieder steigen. Die Situation des Einzelhandels ist damit besser als in vielen anderen europäischen Ländern, wo Rückgänge verzeichnet werden, berichtete der stellvertretende Direktor der KMU Forschung Austria, Peter Voithofer. Das nominelle Plus im Weihnachtsgeschäft werde kalenderbereinigt (im Vorjahr gab es einen Verkaufstag mehr) von bisher 3 Prozent bis Silvester auf 2 Prozent schrumpfen, da der Anteil der Späteinkäufer, die vor allem in der zweiten Dezemberhälfte Weihnachtsgeschenke kaufen, heuer geringer als im Vorjahr sei.

Durchschnittliche Ausgaben von 350 Euro
Dass die Österreicher heuer mit 350 Euro pro Kopf im Weihnachtsgeschäft um 2 Prozent mehr als im Vorjahr ausgeben, führt Lemler auf die Steuerpolitik und einige Lohnabschlüsse zurück, die das Geschäft angekurbelt hätten. Auch die gute Schneelage habe den Absatz beflügelt. Der Konsum habe in Österreich insgesamt seit Herbst angezogen, seit September seien die Einzelhandelsumsätze leicht gestiegen.

Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft werden heuer laut der Umfrage der KMU Forschung unter 350 Geschäften und 1.000 Konsumenten auf ein Volumen von 1,417 Mrd. Euro steigen. 1995 betrug der Umsatz vergleichsweise 1,395 Mrd. Euro, der bisherige Höchstwert wurde mit 1,446 Mrd. Euro im Jahr 2001 erreicht. Die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für den Einzelhandel nimmt übers Jahr gesehen aber zunehmend ab: 1995 entfielen noch 4,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes auf das Weihnachtsgeschäft, heuer werden es nur mehr 3,4 Prozent - und damit um ein Viertel weniger - sein. Die KMU Forschung definiert das Weihnachtsgeschäft als den Mehrumsatz im Monat Dezember, der den normalen Umsatz in den Monaten Jänner bis November übersteigt.

Kleidung und Bücher beliebteste Geschenke
Zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken zählen laut Umfrage der KMU Forschung Austria Bekleidung, Bücher und Gutscheine sowie Spielwaren, Kosmetik und Sportartikel. Die höchsten Zuwächse verzeichneten im bisherigen Weihnachtsgeschäft auch dank des Schneefalls der Schuhhandel und die Sportartikelbranche.

Über ein Umsatzplus können sich auch der Lederwaren- und Bekleidungshandel freuen, berichtete der stellvertretende Direktor der KMU Forschung Austria, Peter Voithofer. Ein Umsatzminus verzeichnete bisher allerdings der Papier- und Bucheinzelhandel. Dies könne sich aber noch zum Besseren wenden, zumal Bücher zu den klassischen "Last-Minute-Geschenken" gehören, so Voithofer. Die Renner des Weihnachtsgeschäfts im Elektro- und Fotohandel sind heuer LCD-Fernsehen sowie weiterhin Handys und Digitalkameras.

Über Mehrumsätze können sich heuer vor allem Geschäfte in guten Einkaufslagen freuen, sagte der Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler. 85 Prozent der Österreicher tätigen generell Weihnachtseinkäufe, 15 Prozent schenken nichts. Bis zum vierten Adventsamstag (17. Dezember) werden zwei Drittel des Weihnachtsgeschäftes umgesetzt. Ein Drittel der Weihnachtgeschenke werden im Abverkauf und in Aktionen gekauft. Abverkäufe in der Weihnachtszeit seien "natürlich nicht das, was man sich im Einzelhandel wünscht", generell sei der frühe Abverkauf in der Weihnachtszeit heuer aber geringer als im Vorjahr, so Lemler.

Gutscheine sind seit einigen Jahren als Weihnachtsgeschenk besonders beliebt. Dieser Trend lasse auch auf Mehrumsätze noch im Jänner hoffen, wo viele Gutscheine eingelöst werden, meinte Voithofer. Der Online- und Versandhandel spielt zwar für den Einzelhandel eine zunehmend wichtige Rolle, der Anteil ist aber mit rund 3 bis 4 Prozent noch sehr gering.

AK warnt: Kein Rechtsanspruch auf Umtausch
Hat das Christkind nicht das richtige Geschenk gebracht, folgt nach Weihnachten häufig der Umtausch. Konsumenten haben allerdings generell keinen Rechtsanspruch auf einen Umtausch, da es kein gesetzliches Umtauschrecht gibt, warnt die Arbeiterkammer (AK) am Dienstag in einer Pressemitteilung.

Der Umtausch sollte vom Käufer daher ausdrücklich auf der Rechnung oder dem Kassabon mit einer Umtauschfrist schriftlich vermerkt werden, rät die AK. Manche Händler räumen einen Umtausch von sich aus ein, Umtauschzusagen sind hier vorgedruckt. Das sei jedoch ein reines Entgegenkommen, betonte AK-Konsumentenschützerin Jutta Repl. Umtausch bedeute allerdings nicht "Geld zurück", der Kunde könne nur eine andere Ware oder einen Gutschein wählen.

Bei defekten Produkten gilt hingegen eine gesetzliche Gewährleistungspflicht der Händler. "Bewegliche Waren muss der Händler bis zu zwei Jahren nach dem Kauf kostenlos reparieren, das Geld dafür zurückgeben, den Preis dafür mindern oder eben umtauschen", so die AK. Gutscheine sind - wenn kein Datum drauf steht - 30 Jahre lang gültig, eine vertragliche Verkürzung der Gültigkeitsdauer ist möglich. Oft haben Gutscheine demnach Einlösungsfristen von einigen Monaten aufgedruckt. Geht das Unternehmen in der Zwischenzeit pleite, kann ein Gutschein wertlos werden.
(apa/red)

17.12.2005 17:04